Närrische Frühblüher

März 26, 2012

Verehrter Besucher,

in der Blüte des Frühlings-Fingerkrauts lässt sich die Fliege von unserem Zentralgestirn bescheinen – die Wärme, die der Frühling inzwischen tagsüber hervorbringt, regt überall in der Region das Leben dazu an, aus seiner Winterruhe hervorzubrechen. Zur Zeit sind die Wacholderheiden an manchen Stellen von hunderten, ja tausenden blühenden Küchenschellen überzogen – ein unvergesslicher Anblick!

In den sonnenbeschienen Felsen am Albtrauf erwachen jetzt auch die Reptilien wie die Eidechse auf dem folgenden Bild zu neuem Leben und genießen die Frühlingswärme. Diese Felsen bilden atemberaubende Aussichtspunkte, wie der Blick vom Kahlenstein bei Bad Überkingen zeigt. Gut zu erkennen ist die abwechslungsreiche Gliederung der Kulturlandschaft in den Tälern der regiorchis: Wälder, Schafweiden, Streuobstwiesen und Grünland verschiedener Ausprägung, von Bächen durchzogen, an der Kante der Schwäbischen Alb von steilen Felsen gekrönt.

Dieser Reichtum an verschiedensten Biotopen bietet auch für das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio) glücklicherweise immer noch Lebensraum. Vor 14 Tagen waren die Rosetten auf der extensiven Mähwiese bei Reichenbach u. R. schon gut zu erkennen; inzwischen sind etliche angefärbte Knospenstände zu sehen und eine Pflanze hatte am 24. März 2012 tatsächlich bereits die unteren Blüten geöffnet. Damit hat der kleine Narr das Rennen um die erste geöffnete Orchideenblume heuer eindeutig für sich entschieden. Fotos der vorwitzigen Kleinen finden Sie bei Anacamptis morio – viel Spaß beim Anschauen.

Vorfrühlingsgefühle

März 11, 2012

Geneigter Naturfreund,

der Frühling will wohl doch langsam in der Region Einzug halten. Nach den kalten Frostperioden der letzten Wochen strahlt der Huflattich (Tussilago farfara) mit der Sonne um die Wette, wenn sie denn scheint. In den Gärten haben sich mittlerweile Schneeglöckchen, Märzenbecher und Krokusse hervorgewagt, und auch einige Insekten sind schon unterwegs (entdecken Sie die Biene im blumigen Nest?).

Am 10. März stattete ich den Kleinen Knabenkräutern (Anacamptis morio) in ihrem Habitat bei Reichenbach u. R. einen Besuch ab. Betrachtet man beim Aufstieg ihre Bergwiese, die sich vor dem unbelaubten Wald noch in scheinbar leblosem Winter-Graubraun zeigt, mag man kaum glauben, dass in wenigen Wochen sich hier das pflanzliche und tierische Leben austobt. Und erst bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass selbiges schon eifrig in den Startlöchern steht und nur auf einige Wärmegrade mehr und längeren Sonnenschein wartet. Die Kleinen Narren haben den Winter sichtlich gut überstanden mit ihren eng an den Boden geschmiegten Blattrosetten; beim Blick in die Blatttüte mancher Individuen, aus der sich nun der Blütenstand schieben wird, sind bereits die zarten Knospen der Infloreszensen zu bewundern.

Wollen wir hoffen, dass sich General Winter milde zeigt und sich, falls überhaupt, in zahmer Art und Weise nochmals meldet – denn knackige Kahlfröste wären nicht nur für die Blüten der Kleinen ein Problem. Erfreuen Sie sich nichtsdestotrotz an den ersten vorfrühligshaften Orchideen-Impressionen 2012 aus der regiorchis in der Rubrik Anacamptis morio.

Retrospektive: Spätsommer

Januar 3, 2012

Lieber Orchideenfreund,

auch der Spätsommer und der Herbst haben Orchideen. Zwar keine blühenden mehr, sieht man von späten Spiranthes spiralis oder Epipactis purpurata ab; dafür begeistert zu diesen Jahreszeiten aber die Architektur ihrer Früchte, und sie sind es wert, als wohl wichtigster Zustand der generativen Phasen der Orchideen dokumentiert zu werden.

Zwischen dem 19. August und dem 15. September 2011 war ich in der Region unterwegs – und immer noch fand sich allenthalben blühendes pflanzliches Leben: Obwohl die Herbst-Aster (Aster amellus) bereits Mitte Juli zu blühen begonnen hatte, waren auf den Wacholderheiden um Unterböhringen nach wie vor schöne Exemplare anzutreffen. An wechselfeuchten Stellen im Halbtrockenrasen streckte das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) seine filigranen, fein geaderten Blüten der Spätsommersonne entgegen.

Der Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) leuchtete sein Blau dem Betrachter zu – besonders zahlreich ist er an gestörten Stellen in der Heide zu finden, z. B. dort, wo Naturschützer Mäh- und Schnittgut, das bei der Biotoppflege angefallen ist, verbrannt haben: Hier hat der einjährige Enzian beste Startchancen.

Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Braunrote und Müllers Stendelwurz (Epipactis atrorubens und muelleri), die Händelwurzen (Gymnadenia conopsea, odoratissima und densiflora) und die Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) stehen in schöner Fruchttracht. Besonders letztere beeindruckt mit den organisch-architektonischen Strukturen ihrer aufgeplatzten Fruchtkapseln. Und weckt gleichzeitig die Hoffnung auf längere und wärmere Tage – neben dem trockenen Fruchtstengel entspringt bereits die Blattrosette des neuen Triebes, der hoffentlich heuer einen prächtigen Blütenstand entwickeln wird.

Aber nicht nur die Orchideen haben interessante Früchte:

Auf einem Felsen bei Geislingen/Steige hat das Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) seine kugeligen blauen Beeren ausgereift. In seiner Nähe, an lichten Stellen im Buchenwald, finden sich Fruchtstände des Bleichen Waldvögeleins (Cephalanthera damasonium), teilweise in prächtigen kräftigen Exemplaren, sowie der Breitblättrigen und Müllers Stendelwurz (Epipactis helleborine und muelleri). Während erstere sich auch im tieferen Schatten des Walddachs wohlfühlt, bevorzugt die Müllerin offenere Stellen in Lichtungen und am Waldesrand, wo sie genug Sonne genießen kann.

Genießen Sie, verehrter Besucher, die Früchte unserer Orchideen, die im Leben der Pflanzen eine wichtige Rolle spielen, auch wenn uns die Blüten bedeutend mehr ansprechen. Fotos finden Sie in den entsprechenden Kapiteln.

Hochsommer-Wendelähre

August 23, 2011

Die Moschus-Malve (Malva moschata),
geneigter Pflanzenfreund,

ist ein Kind des Hochsommers. Im letzten Augustdrittel steht sie in der Region auf Magerrasen und an Wegrändern schön in Blüte und bietet der Insektenwelt noch wertvolle Nahrung, nachdem die überbordende Blütenfülle des Frühlings und Frühsommers für dieses Jahr der Vergangenheit angehört. In „normalen“ Jahren würde jetzt auch die Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) die Tafel von Biene und Co. bereichern – allein, sie macht in diesem Jahr ihrem Namen nicht unbedingt Ehre, denn mitten im Hochsommer ist sie in der regiorchis zum größten Teil schon verblüht und hat dicke Fruchtkapseln angesetzt. Der ungewöhnliche Witterungsverlauf hat also auch sie dazu veranlasst, rund zwei bis drei Wochen früher zu blühen als in durchschnittlichen Jahren.

An ihren Standorten am Albtrauf zwischen Gruibingen und Weilheim u. T. sind nur noch wenige Individuen in Hochblüte zu finden. Von Jahrhunderte alten, mächtigen Eichen bewacht, blüht aber die Magerwiese in spätsommerlicher Pracht, und es ist eine Freude, darin die letzten Orchideenblüten des Jahres zu entdecken.

An einer Stelle auf der Wiese hat wohl ein Greifvogel oder eine Eule die erjagte Beute gerupft – zwischen den verstreuten Federn lugen auch einige Drehwurzen aus den Hinterlassenschaften des Räubers.

Blüten- und Fruchteindrücke 2011 des entzückenden Winzlings Spiranthes spiralis finden Sie in der entsprechenden Rubrik – viel Freude beim Anschauen!

Sommernachmittag

Juli 18, 2011

Die Kugeldistel (Echinops spec.), werter Besucher,

gehört nun wahrlich nicht zum heimischen Floreninventar – allein, anzusehen ist sie wunderhübsch, und auch wenn ein Exemplar unvermittelt in einer Wacholderheide vor einem steht, scheint größere Sorge nicht angebracht. Denn im Gegensatz zu ihrer nordamerikanischen Goldruten-Verwandschaft scheint sie nicht invasiv heimische Ökosysteme zu bedrohen – die Insektenwelt jedenfalls tut sich an ihrem Nektarangebot gerne gütlich, und so dürfte das Exemplar, das mir auf einer Heide bei Reichenbach i. T. begegnete, aus der Aussaat eines Imkers entkommen sein.

Nach diesem ungewöhnlichen Auftakt war ich umso mehr gespannt, was mir der Sommernachmittag des 16. Juli 2011 wohl noch bescheren möge – das Wetter war traumhaft, die Sonne strahlte vom ungetrübten Himmel, was in den letzten Wochen nicht unbedingt die Regel war. Enttäuscht wurde ich wahrlich nicht, auch wenn am Beginn meiner Exkursion sich die Orchideen nicht mit Blüten schmücken wollten: Große und Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia conopsea und odoratissima), Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) – sie zeigten sich mit Früchten, genauso wie Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri) und das erste Exemplar der Braunroten Stendelwurz (Epipactis atrorubens), das ich fand. Da die Phase der Fruchtbildung und die Verbreitung der Samen aber für diese unsere Mitgeschöpfe selbstredend weitaus wichtiger ist als die Präsentation ihrer herrlichen blumigen Schauapparate (die dem Menschen in ästhetischer Hinsicht dennoch so viel mehr Vergnügen bereiten), gehört auch dieser Zustand des pflanzlichen Lebens dokumentiert und Sie können die Fotos in den entsprechenden Rubriken betrachten.

Schlußendlich zeigten sich dann aber doch noch etliche Braunrote Stendelwurzen in schönster Blüte, und die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) gab ein großartiges Schauspiel mit ihren Trockenrasen- und Waldformen. Eine verspätete Müllers Stendelwurz schloss den Blütenkreis des erhofften Sitter-Sommertags.

Nun wurde ich aber an diesem Tag auch in anderer Hinsicht mehr als überrascht, denn das Leben in der sommerlichen Natur war einfach phantastisch: Der Dost (Origanum vulgare) ist nicht nur als Pizza-Gewürz beim Menschen beliebt – auf seinen Blüten tummeln sich Insekten, die er mit lebenswichtigem Nektar versorgt.

Sein ebenfalls sehr ätherischer Verwandter, der Thymian (Thymus pulegioides), wächst auf Ameisenhaufen zu prächtigen Kuppeln heran und verströmt seinen herrlich würzigen Duft in der Sonnenhitze.

Die Berg-Aster (Aster amellus) schickt bereits erste Herbst-Blütengrüße über das Land, während die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) noch von der Mitte des Sommers erzählt.

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) flattert vergnügt über die Wacholderheiden und labt sich am verschwenderischen Naktarangebot der Wiesen (klicken Sie auf das Bild, um ihn größer zu erleben).

Ein besonderes Kleinod der Halbtrockenrasen ist der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata), der gerade unvergleichlich blüht. Sein Blau steht den Hochgebirgsverwandten in Nichts nach, und die Begegnung mit ihm war eine weitere Überraschung, da ich ihn von diesem Standort noch nicht kannte.

Vielerorts schmückt jetzt der Hirsch-Haarstrang (Peucedanum cervaria) die Wiesen. Mit seinem bläulich grünen Laub und den großen weißen Blütenschirmen verwandelt er viele Stellen in ein wahrhaftes Märchenland.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit den Bildern, die den Ausklang der Blütensaison bei den Orchideen einläuten – das ist aber kein Grund für Traurigkeit, denn die Natur hält das ganze Jahr über für uns ihre Wunder bereit. Und die Blütezeit von Violetter Stendelwurz und Herbst-Drehwurz steht ja noch bevor.

Ungewöhnliche Sumpfwurz

Juli 6, 2011

Verehrter Naturfreund,

so, wie die Hummel die Sonne auf ihrer Skabiosenblüte genießt, durfte ich selbige auf meinem Streifzug durch die Natur am 2. Juli 2011 bei Mühlhausen genießen. Zumindest zeitweise, denn die vorüberziehenden Wolken sorgten immer wieder dafür, dass sich die richtige sommerliche Wärme nicht so recht einstellen wollte. Das störte aber weder die Roten Wegschnecken (Arion rufus), die sich eifrig ihrem Liebesspiel hingaben,

noch die Blumen, denen ich begegnete, im geringsten:

So leuchteten auf Wiesen und Wacholderheiden die Pyramiden-Orchideen (Anacamptis pyramidalis) weithin sichtbar; inzwischen haben sie die Hochblüte erreicht oder sind gar schon am Verblühen. Die Blütenstände haben ihren pyramidenförmigen Habitus vom Blütenbeginn hinter sich gelassen und stehen als prächtige Zylinder  – wie Sie auf der Anacamptis-pyramidalis-Seite sehen können. Zum Teil begegnet man richtigen Kaventsmännern dieser wunderbaren Orchideenart, in Einzelexemplaren, in trauter Zweisamkeit (dies übrigens auffallend oft) oder gar in kleinen Gruppen.

Auf der Wacholderheide, die auch der entzückenden kleinen und hellblütigen Form des Fleischfarbenen Knabenkrauts (Dactylorhiza incarnata) Heimat ist, teilen sich die Pyramiden im unteren Hangauslauf ihren Lebensraum mit der Echten Sumpfwurz (Epipactis palustris). Während die Knabenkräuter aber auf der Hochfläche des Biotops siedeln,  bevorzugt die Stendelwurz die Hanglagen im unteren Bereich in der Nähe des Waldrands – hier scheint die Wasserversorgung für das Gedeihen der Stendelwurzen noch akzeptabel zu sein, denn sie bilden zum Teil ansehnliche Gruppen, auch wenn die Pflanzen im Vergleich zu jenen aus Feuchtbiotopen kleiner und zarter sind. Nur vereinzelt haben sich einige Individuen auch weiter nach oben gewagt. Herrliche Begleiter allüberall sind die dichtblühenden Formen der Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), die im Gegensatz zu ihren bereits Früchte bildenden, früher blühenden Schwestern noch ihre herrlichen Blumen zeigen. Zurück zum Fleischfarbenen Knabenkraut – es ist zu dieser Jahreszeit natürlich schon verblüht (vor allem auch hinsichtlich der Tatsache, dass dieses extreme Frühjahr die Pflanzenwelt dazu veranlasste, ihre Blüten rund drei Wochen früher als gewohnt zu präsentieren) und hat bereits dicke Früchte angesetzt.

Als Resumée bleibt: Ein wunderbarer Nachmittag, in wunderbarer Landschaft, Begegnungen mit neuen Persönlichkeiten (denn die Epipactis an diesem Standort kannte ich bis dato noch nicht) und die Hoffnung, dass dieses unvergleichliche Naturschauspiel noch lange erhalten bleiben möge. Erfreuen Sie sich an den Bildern auf den entsprechenden Seiten – und denken Sie daran, dass Bilder die Wirklichkeit niemals zu ersetzen vermögen!

Mai-Revue

Juni 29, 2011

Lieber Orchideenfreund,

lange war es ruhig auf regiorchis, und das zur Hauptsaison – dummerweise lässt man sich von Dingen wie Arbeit oft von den schönen und wichtigen Aktivitäten, die das Leben eben ausmachen, abhalten. So erging es mir im Mai, schlimmer gar noch im Juni, und mehr als einige kurze Ausflüge zu unseren pflanzlichen Lieblingen waren leider nicht machbar. Daher will ich Ihnen heute einen kleinen Abriss der Maiereignisse präsentieren.


Der Schmetterlingshaft  (Libelloides coccajus) gab sich am 30. April 2011 die Ehre und posierte ausgiebig vor der Kamera, bevor er in die Sonne des Nachmittags davonflog. Eine große Anzahl seiner Artgenossen bevölkert das Biotop bei Bad Ditzenbach, in dem auch die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) immer noch eifrig Blüten anbot. Neben Exemplaren in Hochblüte fanden sich auch solche, die schon komplett verblüht waren. Erstaunlicherweise zeigten sich ihre großen Schwestern  (Ophrys sphegodes) größtenteils verblüht und es waren nur noch einige Nachzügler zu finden. Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) präsentierte, wie so viele anderen Arten in diesem ungewöhnlichen Jahr, alle Stadien des Erblühens: Vom angefärbten Knospenstand bis zu Exemplaren in schöner Blüte war an diesem Tag alles zu bestaunen.

Der 7. Mai bescherte mir einen Ausflug in ein schönes Tal bei Nenningen, in überaus charmanter Begleitung von Alix und ihrem Hund Barillo. In der wunderbaren Feuchtwiese am Hang, die dort in der hintersten Ecke bis heute überdauert hat, leuchteten fröhlich Dutzende Breitblättrige Knabenkräuter (Dactylorhiza majalis), begleitet von Wollgräsern (Eriophorum spec.), die ihre weißen Büschel duftig über der Wiese schweben ließen. Die Sprosse des Gelben Enzians (Gentiana lutea) in den benachbarten Wacholderheiden forderten förmlich dazu auf, bald wieder dorthin zurückzukehren!

Ihre ganze überschäumende Maipracht demonstrierte die Natur am 8. Mai. Über blühende Blumenwiesen mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Arten spazierte ich bei Reichenbach i. T. zur Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), deren Individuen zu blühen begannen. Erfreulicherweise fand sich auch die Hybride der Fliege mit der Spinnen-Ragwurz wieder, auf die mich Herr Dr. Spengler letztes Jahr aufmerksam gemacht hatte.

Mein persönliches florales Mai-Light 2011 fand am 22. des Monats statt: Mit meinen beiden Fratres orchidophiles Christoph und Michael (v. l. n. r.)  erklomm ich den wunderbaren steilen Berg  bei Unterböhringen, der neben einer stetig wachsenden Population der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) dem Blumenfreund auch solche Schätze wie Spinnen-Ragwurz, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Sumpf-Herzblatt  (Parnassia palustris), Fransen- und Deutschen Enzian (Gentianopsis ciliata und Gentianella germanica), Silberdistel (Carlina acaulis) undundund bietet. Die Riemenzungen feierten denn auch ein rauschendes Fest mit unterschiedlichsten Typen, von grünen Blüten mit fein ziselierten Lippen bis zu stark ausgefärbten Exemplaren mit sehr langen Lappen – zwischen diesen Polen waren sämtliche Formen zu finden. Die Population hat inzwischen beinahe die Hochfläche des Berges erreicht, und in einer der Wacholderheide benachbarten Streuobstwiese fühlen sich ebenfalls einige Exemplare wohl. Dabei entstehen bemerkenswerte Pflanzengesellschaften – die eigenwillig duftende Orchidee wächst hier zusammen mit Türkenbund (Lilium martagon) und Deutschem Ziest (Stachys germanica):

Die Spinnen-Ragwurz war zu diesem Zeitpunkt in diesem Biotop überall verblüht, die Pflanzen hatten bereits (spärlich) Früchte angesetzt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) zeigte sich dagegen in einigen Exemplaren in schönster Blüte. Auch bei ihr lohnt ein genauerer Blick, denn was aus der Ferne als leuchtende Farbklekse ins Auge springt, sind bei näherem Hinsehen individuelle Blütengesichtlein.

Am Standort des Frauenschuh schien uns zunächst eine Enttäuschung zu erwarten: Die ersten Exemplare, derer wir angesichtig wurden, waren allesamt verblüht – doch dann entschädigte uns eine schöne Gruppe mit makellosen Blüten. Die wechselnden Wetterverhältnisse zwischen leichtem Regen und plötzlichem Sonnenschein verzauberten den Ort zusätzlich und entschädigten Spaziergänger und Fotograf für nicht unbedingt ideale Bedingungen.

Der bis dato letzte Exkurs führte mich wieder in die Umgebung von Reichenbach i. T. Auf dem Weg zu den Orchideen, die dort wohnen, begegnete  ich weiteren Schönheiten der Natur: Am Waldesrand blühten wunderbar Akeleien (Aquilegia vulgaris), die Buchen (Fagus sylvatica) fruchteten schon üppig, der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) verzauberte die Wiesen mit seinen Fruchtständen, mancherorts streckten die Herbszeitlosen (Colchicum autumnale) das Ergebnis ihrer Blühbemühungen der Reife entgegen, Vogelwicken (Vicia cracca) bildeten verschwenderische Dickichte voller violetter Blüten und die Rosen-Gallwespe (Diplolepis rosae) hatte einige Rosen mit Rosenäpfeln geschmückt.

Auf den Wacholderheiden  standen Pyramidenorchis sowohl knospig als auch in Hochblüte, die Fliegen-Ragwurz blühte in Höchstform, Helm-Knabenkräuter bildeten an einigen Stellen starke Gruppen, ebenso das unauffällige Zweiblatt (Neottia ovata); das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigte noch vereinzelt letzte Blüten an den schon weit entwickelten Fruchtständen und in einer Ecke fanden sich tatsächlich noch drei Spinnen-Ragwurzen, von Wacholderbüschen teilzeitig beschattet, in schönster Hochblüte. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) streckte ihre wunderbaren Blüten ebenfalls der Sonne entgegen, leider konnte ich aber nicht so viele Exemplare wie in vergangenen Jahren ausmachen.

Soweit also die Ereignisse im Mai; in der Hoffnung, Ihnen wenigstens im anstehenden Juli mehr Aktuelles aus der Region bieten zu können, wünsche Ich Ihnen viel Spaß mit den neuen Bildern bei den entsprechenden Arten.

Osterspaziergang

April 27, 2011

Geneigter Leser,

nicht nur das Vergissmeinnicht (Myosotis spec.) scheint in diesem Jahr den Worten Meister Goethes in seinem Faustschen Osterspaziergang widersprechen zu wollen:

„Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,“

Auch die übrige Flora will nicht nachstehen – ein solch orchideenblumenreiches buntes Ostern dürfte es in der Region wohl selten gegeben haben.  Natürlich spielt der späte Termin eine Rolle, aber auch die ungewöhnlich warmen vergangenen Aprilwochen haben dafür gesorgt, dass die Natur wahrhaft die Blüten hat explodieren lassen. So haben die Hybriden von Blassem und Manns-Knabenkraut (Orchis x hausknechtii) und ihre Eltern am Karsamstag ein unvergleichliches Bild geboten: Die  Sonne brachte helles Gelb und dunkles Purpurviolett der Erzeuger sowie die dazwischenliegenden Tönungen ihrer Kinder weithin zum Leuchten – als ob auch die Orchideen das Osterfest gebührend begehen wollten.

Das Kleine Knabenkraut  (Anacamptis morio) hat die Hochblüte beinahe überschritten und beginnt teilweise schon zu verblühen, während das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) in seiner direkten Nachbarschaft mit der Blüte angefangen hat. Das Manns-Knabenkraut  (Orchis mascula) zeigt sich auf Wiesen und in lichten Wäldern in allen Blühstadien: Exemplare, deren Infloreszensen sich gerade aus dem Hüllblatt hervorschieben, stehen unweit von solchen mit farbigen Knospen und voll erblühten Individuen. Dieses phantastische Phänomen ist dieses Jahr bisher bei fast allen früh blühenden Orchideen zu beobachten.

Bleibt mir, Ihnen viel Spaß mit den Eindrücken einer blumen- und sonnenverwöhnten Osterwoche zu wünschen. Sie finden die Fotos bei den entsprechenden Arten.

Frühaufsteher

April 18, 2011

Der Tatzenkäfer (Timarcha tenebricosa), werter Besucher,

ist ein Frühaufsteher unter den Kerbtieren. Schon bald im Jahr findet man ihn in den sonnigen Halbtrocken- und Trockenrasen der Region. In der abwechslungsreichen Kulturlandschaft wie auf dem folgenden Bild mit Gebüschen, Wacholderheiden, Wäldern und Felsen ist er nicht selten zu beobachten, wie er gemächlich über den frühlingswarmen Boden krabbelt.

Auch unsere beiden Spinnen-Ragwurzen (Ophrys araneola und sphegodes) sind jedes Jahr früh dran. Selten aber haben sie in den letzten Jahren schon Mitte April so eifrig mit der Blüte begonnen wie heuer. An ihrem Wohnort in Bad Ditzenbach stehen einige Pflanzen schon prächtig in Blüte, während andere gerade die ersten Blüten öffnen und einige auch noch komplett knospig stehen – auch hier sind derzeit alle Phasen des Erblühens bei den beiden Spinnen eindrucksvoll zu sehen.

Die Kreuzungen von Purpur- und Helmknabenkraut treiben ihre eindrucksvollen Rosetten der Sonne entgegen und auch die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conpsea) hat schon kräftige, frische Büschel grüner Blätter gebildet. Die Hummel-Ragwurz (Ohrys holoserica) lässt bereits das Hüllblatt erkennen, das den Blütenstand noch vor den Einflüssen von Wind und Wetter schützt – alles in allem scheinen unsere Orchideen dieses Jahr gut zwei Wochen früher blühen zu wollen als im langjährigen Durchschnitt. Und das Wetter soll weiterhin sonnig und zunehmend wärmer sein in den nächsten Tagen. Die Spannung steigt, was sich bis zum Oster-Wochende alles getan hat!

Viel Spaß mit den neuen Bildern, die Sie wie immer bei den angesprochenen Arten sehen können.

Lebhaftes Treiben

April 11, 2011

Verehrter  Orchideenfreund,

so wie die Blindschleiche (Anguis fragilis) genießen auch die Pflanzen in der Region zur Zeit eitel Sonnenschein. Überall sprießen frische Triebe und die Frühblüher brennen das erste Blumenfeuerwerk des Jahres 2011 ab. Die Böden der noch kahlen Buchenwälder sind von den Frühjahrs-Geophyten überzogen, auf den Heiden blühen die letzten Küchenschellen und Teppiche mit Frühlingsenzian. Unten finden Sie einige Fotos, die im Zeitraum vom 8. März bis 3. April entstanden sind.

Auch unsere Orchideen legen sich mächtig ins Zeug: Am 9. April hat das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) bereits die ersten Blüten geöffnet. Auf einer Heide bei Bad Ditzenbach sind derzeit alle Phasen des Erblühens zu bewundern: Noch völlig vom Hüllblatt umschlossene Infloreszensen, Knospenstände und Blütenstände mit sich entfaltenden Blüten. Auch die Hybriden (Orchis x hausknechtii) mit dem Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigen zum Teil schon farbige Knospen, sind aber noch nicht so weit wie ihr gelber Elter. Vom Manns-Knabenkraut sind noch keine Knospenstände zu entdecken, sie sind allesamt noch verhüllt.

Die Rosetten der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), der Spinnen- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und insectifera) sind ebenfalls schon prächtig entwickelt, die Spinne zeigt sogar schon ihr straff aufgerichtetes zentrales Hüllblatt, das den Blütenstand noch schützend umgibt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) war über den Winter nicht untätig und ihre Blattrosetten sind in den Wacholderheiden schon gut zu erkennen, wogegen das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) erst mit den Blattspitzen aus dem Boden hervorlugt – ebenso wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) an seinem Wohnort, dem licht beschatteten Rand einer Wacholderheide.

Genießen Sie die ersten Orchideen-Eindrücke dieses Jahres in den entsprechenden Art-Rubriken und den folgenden kleinen Bilder-Spaziergang durch die vom Frühling verzauberte regiorchis!

Zu tausenden überzieht der Märzenbecher (Leucojum vernum) bei Bad Überkingen am 8. März 2011 den Waldboden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Blütenmeeres ist ein kleines Bächlein noch teilweise vom Eis bedeckt.

Auch der Seidelbast (Daphne mezerum) und die Palmblättrige Nieswurz (Helleborus foetidus) stehen in Hochblüte:

An sonnigen Waldrändern und an lichten Felsfüßen blüht wunderbar das Leberblümchen (Hepatica nobilis).

Am 2. April 2011 schmückt der Frühlings-Enzian (Gentiana verna) die Wacholderheiden rund um Unterböhringen tausendfach mit seinem leuchtend reinen Azurblau.

Zwei Spaziergänge am 3. April 2011 bescherten die folgenden Fotos aus blumenverzauberten Wäldern und von sonnenverwöhnten Halbtrockenrasen.

Gelbe (Anemone ranunculoides) und Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) weben bei Geislingen/Steige blühende Teppiche über den Waldboden. An feuchteren Stellen ist ab und an der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) mit ihnen vergesellschaftet.

Auf den Felsen rund um Geislingen hat das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) schon Früchte angesetzt. Eine Infloreszens zeigte noch die hübschen gelben Blüten.

Auch die Lungenkräuter (Pulmonaria spec.) beginnen jetzt eifrig mit dem Blühen.

Die letzten Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schmücken noch die Wacholderheiden wie hier bei Reichenbach i. T. Zur Hochblüte der Spinnen-Ragwurz verleihen ihre flauschigen Blütenstände den Heiden einen unvergleichbaren Reiz.


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