Archive for Juni 2008

Hell und Dunkel

Juni 29, 2008

Geschätzter Besucher,

der Kleine Weinschwärmer (Deilephila porcellus) begegnet einem nur selten. Um so schöner hat er sich am 25. Juni 2008 für Ralf in Pose begeben. Eigentlich wollten wir an diesem Tag Stendelwurzen ablichten, unsere Suche blieb aber ohne Erfolg. Der Falter hat uns aber vollauf entschädigt. Am 28. Juni hatte ich mehr Glück: Ich bekam einen Albino der Mückenhändelwurz und zwei kleinblütige, intensiv gefärbte Pyramidenorchis vor die Linse. Bilder gibt es in den entsprechenden Rubriken Anacamptis pyramidalis und Gymnadenia conopsea.

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Im Reich der Roten Waldvögelein

Juni 23, 2008

Das Wetter, werter Besucher,

hat es gut gemeint am 22. Juni 2008. In einem Orchideen-Buchenwald bei Geislingen/Steige standen verstreut Rote Waldvögelein, an Stellen, die öfter auch von der Sonne getroffen werden. Nun, das Glück war Bruder Christoph und mir hold und ein Individuum wurde von unserem Zentralgestirn schön ins Licht gesetzt. Die Roten stehen hier derzeit in Hochblüte und dürften an den Standorten, die noch sonniger und wärmer sind, sprich an den Rändern der Wacholderheiden im Filstal, schon beinahe abgeblüht sein – die nächsten Tage werden es zeigen. Viel Spaß mit den aktuellen Impressionen dieser wunderbaren Waldbewohner, die Sie auf der Cephalanthera-rubra-Seite bewundern können.

Duftende Händelwurzmatten und einige Bienen

Juni 23, 2008

Betörender Duft, lieber Pflanzenfreund,

lag über der Heimat der Wohlriechenden Händelwurz, als wir am 19. Juni ihre Wohnstätte aufgesucht haben. Der mag den Scheckenfalter (Melitaea) angelockt haben, auch wenn er hier nicht die Händelwurz besucht. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen nahe der 30-Grad-Grenze hatte sich ihr aromatisches Vanille-Parfüm über die Trockenrasen bei Reichenbach i. T. gelegt und so waren die teilweise prächtigen Gruppen schon weithin zu riechen! Mal wächst sie dort auf weite Strecken alleine, dann wiederum mischen sich Mücken-Händelwurz und Pyramiden-Orchis in ihre Habitate. Apropos Pyramide – es ist schon erstaunlich, wie lange sich die Blütezeit der Pflanzen erstreckt. Am 28. Mai fanden Ralf und ich das erste Exemplar mit geöffneten Blüten – am 19. Juni gibt es immer noch Exemplare, die so knospig sind, dass sie schätzungsweise erst in einer Woche beginnen, ihre Infloreszens zu entfalten. Auch scheint es, dass die später blühenden Exemplare kräftiger gefärbt sind als ihre frühen Schwestern, ihr leuchtendes Magentarot fällt schon von weitem ins Auge.

Die Bienen-Ragwurz vom vergangenen Sonntag war leider nicht mehr zu finden. Ihr Plätzchen neben einem breiten und stark frequentierten Wanderweg durch die Heide ist ihr wohl schlecht bekommen. Schade, dass es immer noch Menschen gibt, denen Besitzanspruch und Trophäenwahn über Respekt vor unseren Mitgeschöpfen und Erhaltung der Natur gehen. Wir haben dann noch erfolglos ein weiteres O. apifera-Biotop besucht, bevor wir an unserer dritten Anlaufstelle doch noch fündig wurden. In einem Halbtrockenrasen bei Bad Überkingen fanden wir vier wunderschöne Exemplare in Hochblüte. Es scheint, das 2008 nicht unbedingt als üppiges Bienen-Jahr in die Orchideengeschichte eingehen wird. Fotos dieses Tages finden Sie wie immer auf den entsprechenden Seiten.

Händelwurz im Regen

Juni 16, 2008

Der 15. Juni, geschätzter Orchideenfreund,

war nicht der schönste Tag dieses Jahr – es war kühl, stark bewölkt und immer wieder gab es Regenschauer. Die Foto-Ausbeute war dementsprechend gering, trotzdem will ich Ihnen die seltsame Blütenform einer Mücken-Händelwurz (links, zum Vergleich rechts die „normale“ Blüte) nicht vorenthalten. Die beiden Händelwurz-Arten stehen in schönster Blüte, fehlt nur noch die Sonne, um sie richtig in der Wacholderheide zum Leuchten zu bringen – und der Wohlriechenden Händelwurz ihren Duft zu entlocken, der an warmen Tagen über den Rasen schwebt, wenn sie in solchen Massen wie mancherorts in der Region gedeiht! Die erste Bienen-Ragwurz hat sich noch gezeigt, bevor der große Regen kam. Nun, bis in zwei Tagen ist eine Wetterbesserung in Sicht, und da blühen Gymnadenia & Co. immer noch.

Und dann waren da noch die Käfer, die Franzi und Joschi entdeckt haben. Der lautstarken Forderung der beiden nach fotografischer Dokumentation konnte ich mich natürlich nicht entziehen. Recht haben sie, denn es ist schon immer wieder erstaunlich, was sich in Rosenblüten und auf Schwalbenwurzblättern (und überall in Wald und Wiese) an Leben umhertummelt.

Die fünf heimischen Ragwurzen

Juni 14, 2008

Die Schafskälte, geschätzter Besucher,

hat uns im Griff. Es ist kühl in der regiorchis und die Sonne lässt sich selten blicken. Dazu bläst ein frischer Wind. Schlechte Voraussetzungen zum Fotografieren. So habe ich die Zeit genutzt, um die Aquarelle unserer Ragwurz-Arten einzuscannen. Zusätzlich finden Sie außerdem ein Blatt mit Ragwurz-Hybriden (O. insectifera x O. sphegodes und O. insectifera x O. holoserica) aus der Gegend. Das kleine Blütenmonstrum, das Sie hier sehen, stammt aus der Umgebung von Bad Ditzenbach. Diese Fliegen-Ragwurz-Blüte bestand aus zwei Lippen und drei Säulchen – in der Tat eine kuriose Begegnung.

Ich hoffe auf baldigste fototechnisch bessere Bedingungen, denn die Pyramidenorchis und Händelwurzen gehen ihrem Blütenhöhepunkt entgegen; die Stendelwurz-Arten dürften wohl auch die Infloreszensen öffnen und das Rote Waldvögelein gilt es schließlich auch noch aktuell abzulichten. In diesem Sinne, bitte lieber Petrus…

Geflecktes Knabenkraut am Waldesrand

Juni 10, 2008

Das Gefleckte Knabenkraut, sehr verehrter Besucher,

ist ein botanisch schwieriger Genosse. Unterschieden werden meist Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza fuchsii mit zahlreichen Übergängen zwischen den beiden und ebenso vielen Unterarten und Varietäten. Ich habe mich entschlossen, alles, was Geflecktes Knabenkraut anbelangt, in die Rubrik Dactylorhiza fuchsii zu stellen. Der Versuch einer genaueren Zuordnung zu Art/Unterart/Varietät/Bastard ist mir hier zu heikel und sei den Dactylorhiza-Experten überlassen. Weiters finden Sie einige neue alte Bilder von Neotinea ustulata (Brand-Knabenkraut), Anacamptis morio (Kleines Knabenkraut, Aufnahmen eines Albinos), Platanthera chlorantha und bifolia (Grünliche und Zweiblättrige Waldhyazinthe), Cephalanthera rubra (Rotes Waldvögelein) und Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz) in den entsprechenden Rubriken. Viel Spaß beim Gucken!

Neue Aquarelle und ältere Fotos

Juni 8, 2008

Sicher, geneigter Besucher,

ist die Zeit des Infloreszens-Austriebs bei Orchis pallens und Orchis mascula vorbei. Dass Sie die beiden trotzdem in diesem Zustand hier vorfinden, liegt am Wetter der vergangenen Woche, das leider nicht die Voraussetzungen für aktuelle schöne Fotos geboten hat. So habe ich die Zeit genutzt, um Aufnahmen der letzten Jahre zu digitalisieren und auf Unterseiten den jeweiligen Arten zuzustellen. Außerdem können Sie ab sofort alle sechs heimischen Epipactis-Arten als botanische Zeichnungen in der entsprechenden Rubrik anschauen.

Riemenzunge in Höchstform

Juni 2, 2008

Die Rote Wegschnecke (Arion rufus), werter Besucher,

ist mir am 1. Juni bei Reichenbach i. T. begegnet. Sie hatte es eilig, aus der Morgensonne auf der Wiese in den Wald zu entschwinden. Unsere Altvorderen haben Sie in ihren Gärten noch als Schädling bekämpft; inzwischen steht sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, weil sie von einem verwandten Einwanderer, der Spanischen Wegschnecke, immer weiter verdrängt wird und in Wiesen und Wäldern ihre letzten Refugien findet. Ein Beispiel für die Kehrseite der Globalisierung und die Gefahren, die Einwanderer aus dem Tier- und Pflanzenreich für heimische Öko-Systeme bedeuten können. Das leuchtende Orange macht die Rote Wegschnecke zu einem auffallenden Gesellen und dieser Farbton ist natürlicherweise kaum anderswo zu finden.

Erfreulichere Nachrichten gibt es von Riemenzunge, Händelwurz und Spitzorchis. Erstere stehen in Hochblüte, die letzteren beiden fangen gerade an zu blühen. Das herrliche Wetter bescherte mir schöne Fotos, die Sie auf den jeweiligen Seiten anschauen können.