Archive for Juli 2008

Hohe Zeit der Stendelwurzen

Juli 8, 2008

Werter Freund der heimischen Flora,


dieser lustige Geselle, ein Gefleckter Schmalbock (Strangalia maculata) begegnete Ralf und mir am 7. Juli 2008 bei Reichenbach i. T. auf unserer Epipactis-Expedition. Was die Natur nicht alles ausprobiert: Durch seine wespenartige Mimikri täuscht er potentiellen Fressfeinden eine nicht vorhandene Gefährlichkeit vor. Bei diesem Exemplar hat die Warnsignalfarbe (wenigstens bisher) gute Dienste geleistet, und so tummelte sich der Schmalbock ganz vergnügt auf seiner Blüte. Schlechter hatte es da eine Hummel erwischt: Sie war von einer Krabbenspinne erbeutet worden und diente ihr als Nachtmahl. Ein Bild finden Sie bei Epipactis muelleri. Womit wir beim Thema wären – die Stendelwurzen haben das Regiment übernommen, was die Hochblüte bei den heimischen Orchideen anbelangt. Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri) und Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) stehen gemeinsam im Halbtrockenrasen am Waldrand in schöner Blüte. Die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) ist noch knospig, dürfte aber in wenigen Tagen ebenfalls ihre Infloreszensen öffnen.

Ein ähnliches Bild bietet sich in einem Buchenwald, der immer wieder mit Fichten durchsetzt ist, bei Bad Überkingen: Auch hier hat Breitblatt noch keine geöffnete Blüte, die Schmallippige Stendelwurz (Epipactis leptochila) aber steht in voller Blüte. Fotografien können Sie auf den entsprechenden Seiten genießen.

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Königin des Quellsumpfes

Juli 2, 2008

Lieber Orchideenfreund,

der Schachbrettfalter (Melanargia galathea) nascht hier an einer Distelblüte. Er flattert mit seinen Artgenossen durch die Wacholderheide bei Deggingen und schaut auch immer wieder einmal an dem feuchten Fleckchen vorbei, das mitten im Trockenrasen liegt: Hier tritt Wasser an die Oberfläche. Das lebenswichtige Nass hat einen kleinen Quellsumpf gebildet, der, auch wenn er in Hitzeperioden (wie gerade eine die Region fest im Griff hat) trocken fällt, genug Feuchtigkeit spendet für zwei Orchideen-Arten eher nasser Standorte: Während das Fleischfarbene Knabenkraut schon lange verblüht ist, befindet sich die Weiße Sumpfwurz derzeit in Hochblüte. Es war in der Tat ein Aha-Erlebnis, als ich das erste Mal vor dieser eleganten Erscheinung stand, denn ich hatte in dieser Wacholderheide mit vielem gerechnet, nicht aber mit Orchideen, die ganz andere Ansprüche haben, als sie im restlichen Teil des Trockenrasens herrschen. So schön und spannend kann es sein, botanisierend durch das Gelände zu ziehen! Die Fotos von Ralf finden Sie unter Epipactis palustris.

Galavorstellung der Händelwurzen

Juli 1, 2008

Die dichten Blütenkerzen der späten Mücken-Händelwurz, geneigter Besucher,

beginnen in der Region aufzublühen. Während ihre lockeren Schwestern sich meist am Ende ihrer Blütezeit befinden oder gar schon komplett verblüht sind, zeigen die dichtblütigen am 30. Juni ihre Infloreszensen im Aufblühen. Weit sichtbar stehen die prächtigen, üppigen Kerzen in den Rasen – es scheint sich hier um die var. densiflora zu handeln. Sie teilen sich ihr Biotop mit herrlichen Beständen der Wohlriechenden Händelwurz, immer wieder sind auch Albinos eingestreut. Vereinzelt begegneten wir auch der Spitzorchis mit ihren unglaublich leuchtenden Blütenständen. Bilder dieser großartigen Händelwurzwiese finden Sie bei Gymnadenia conopsea und Gymnadenia odoratissima. Viel Freude.