Archive for Mai 2009

Am Berg der Riemenzunge

Mai 25, 2009

linie2campanula

Den Sommer, geneigter Leser,

verheißt die Glockenblume. In der Tat hat sich in den letzten schwül-warmen Tagen einiges getan. Die Riemenzungen (Himantoglossum hircinum) bei Unterböhringen haben wahrlich eine Blütenexplosion hingelegt und die zum Teil unglaublich kräftigen Pflanzen stehen in schönster Blüte. Die ersten Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) haben in Nachbarschaft zu den Riemenzungen zu blühen begonnen, dazwischen finden sich immer wieder Fliegen-Ragwurzen (Ophrys insectifera) und einige Hummel-Ragwurzen (Ophrys holoserica). Das Große Zweiblatt (Neottia ovata) steht in Hochblüte; ganz knospig, die Blütenknöpfchen nur mit einem Anflug von Farbe, zeigt sich hingegen die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea). Beim Abstieg von diesem Orchideen-Paradies wird man mit einem herrlichen Ausblick auf das Obere Filstal entlohnt und das Panorama macht das Abschiednehmen leichter.

panorama-klein

Bilder vom Tag finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Advertisements

Überraschungen am Abend

Mai 20, 2009

linie2purpurea-frei2

Eigentlich, werter Besucher,

wollten wir nur kurz nach dem Fleischfarbenen Knabenkraut bei Deggingen schauen. An der feuchten Stelle im Halbtrockenrasen fanden wir es auch – leider nur in einem Exemplar; dessen Blütenstand war noch winzig und grün zwischen den Blättern versteckt. So beschlossen Ute und ich kurzerhand, die anschließende Wacholderheide zu erkunden – und wurden üppigst entlohnt: Spinnen-Ragwurz in großer Zahl und schöne Helm-Knabenkräuter (auch Albinos!) wuchsen dort. Ein entzückendes Purpur-Knabenkraut zeigte sich direkt am Wegesrand und zwei wunderbare Spinne-Hummel-Ragwurz-Kreuzungen leuchteten in der Abendsonne. Am Waldrand fand sich ein schöner Bestand von Schwertblättrigem Waldvögelein und gleich nebenan im Wald hatte das Bleiche Waldvögelein den warmen und sonnigen Tag genutzt, um die Blüten weit zu öffnen.

Dieses Jahr scheint eine ergiebige Orchideen-Saison zu bringen. Und so darf man gespannt sein, welche Überraschungen die nächsten Wochen noch bescheren mögen!

Duftendes Reich des Frauenschuh

Mai 18, 2009

linie2

Werter Pflanzenfreund,

cypripedium

das Wetter spielte halbwegs mit (auch wenn wir den vormittäglichen Sonnenschein verpasst hatten) und so konnten Ute und ich eine erneute Audienz beim Frauenschuh ergattern. Was sich in den letzten Tagen getan hatte! Der schöne Horst der Pflanzen war beinahe vollständig erblüht und an dem Standort am Waldrand konnten wir noch weitere einzeln stehende Individuen entdecken. Wahrlich ein kleines zauberhaftes Paradies. Und nicht nur das Auge kam auf seine Kosten, auch der Geruchssinn wurde voll und ganz zufriedengestellt. Denn was aus den Pantoffeln von Cypripedium an olfaktorischer Labsal strömt, ist ähnlich unvergleichlich wie im Frühjahr der Duft des Seidelbasts! Auf dem Rückweg begegneten uns dann die ersten blühenden Riemenzungen, darunter etliche Prachtburschen von herrlich kräftigem Wuchs. Auch die Spinnen-Ragwurzen, die schon am Abblühen sind, finden sich auf der Wacholderheide bei Unterböhringen in großer Zahl.

Nachdem uns also die Kaiserin so wohlwollend empfangen und wieder entlassen hatte, ging es noch auf die Wacholderheide nach Bad Ditzenbach – und auch dort war einiges passiert. Das Purpur– und Helm-Knabenkraut standen wunderbar in Blüte, auch die Infloreszens der Kreuzung der beiden hatte sich aus seinem Hüllblatt geschoben und die unteren Blüten geöffnet. Fliegen-Ragwurz fand sich in Hülle und Fülle, schön blühend, die ersten Hummel-Ragwurz zeigten ihre entzückenden Blüten und als wir noch einen bisher von uns unbegangen Weg erkundeten, konnten wir uns über die Masse an beiderlei Spinnen-Ragwurzen nur wundern. Als Dreingabe waren auch hier noch einige knospige Himantoglossum zu entdecken.

Um den Tag vollends abzurunden, besuchten wir noch eine herrliche Feuchtwiese an einem Talhang bei Nenningen. Es ist in der Tat ein unvergleichliches Erlebnis, ein solches Biotop erleben zu dürfen, und das auch noch in einer für unsere Verhältnisse ungewöhnlichen Größe. Das Wollgras wogte seine flauschigen Schöpfe im Wind und hunderte Breitblättrige Knabenkräuter standen im von ihnen geliebten feuchten bis nassen Grund. Obwohl inzwischen die Dämmerung eingesetzt hatte, habe ich dennoch einige Aufnahmen gemacht.

Wie üblich finden Sie die Bilder dieses überaus erlebnisreichen und wunderschönen Tages auf den entsprechenden Seiten.

Audienz bei der Kaiserin

Mai 15, 2009

linie2primula-veris

Geschätzter Besucher,

Abenteuer gibt’s ja keine mehr in unseren Tagen. Oder doch? Nun, es verströmt durchaus den Hauch vergangener Jahrhunderte, auf einer Expedition solchen Lebewesen wie diesem Himmelsschlüssel (Primula veris) zu begegnen. Auf einer Wacholderheide auf der Hochfläche bei Deggingen hat er Blütenstände gebildet, bei denen die hell schwefelgelben Blütenblätter kaum aus dem Kelch hervorragen und gleichsam eine Röhre bilden. Von fern schienen die Infloreszensen des kräftigen Stocks nur aus Kelchen zu bestehen. Die herrlichen Bestände des Manns-Knabenkraut in der Nachbarschaft  führen jedem die abenteuerliche Vielfalt, die die Natur hervorzubringen im Stand ist, vor Augen. Und auch die Pilzkolonie, die auf einem morschen Baumstamm siedelt und von Ute natürlich gleich gestreichelt wurde, zeigt uns das Abenteuer Leben in seiner ganzen Faszination.

pilze

Unser zweiter Anlaufpunkt, eine Wacholderheide auf einer Hochfläche bei Unterböhringen, brachte dann noch mehr Abenteuer. Alten Hinweisen folgend, suchten wir die Waldränder des Biotops nach unserem heimischen Frauenschuh ab. Wie von den letzten Tagen schon gewohnt, verdichtete sich die Wolkendecke und ein paar Tropfen fielen. Außerdem wurde es immer dunkler, auch dank der langsam einsetzenden Nacht. Nach stundenlanger erfolgloser Suche nach Cypripedium machten wir uns trotzdem zufrieden auf den Rückweg, denn wir hatten Nestwurz, Spinnen- und Fliegen-Ragwurz, (verblühte) Blasse Knabenkraut, Helm-Knabenkraut und auch Katzenpfötchen (Antennaria dioica) gesehen. Den letzten noch unbegangenen Weg nutzend, machten wir uns also auf den Heimweg  – und erhielten buchstäblich im letzten Winkel doch noch die erhoffte Audienz: Der Frauenschuh blühte dort wunderschön in vier Exemplaren, ein wunderbarer Horst und mehrere einzelne Pflanzen waren im Begriff, ihre Blüten zu öffnen. Ein beeindruckendes Ereignis in der Dämmerung, vor der Orchideen-Kaiserin zu stehen. Und bestimmt nicht unser letzter Besuch bei ihr, denn Fotos bei besseren Lichtverhältnissen werden Ihnen, werter Pflanzenfreund, ihre Schönheit noch näher bringen können…

Die Bilder dieses Tages finden Sie auf den Seiten Orchis mascula, Neottia nidus-avis und Cypripedium calceolus. Viel Vergnügen damit!

Von Narren und angesengten Köpfen

Mai 14, 2009

linie2

Der „Narrensteiger“, lieber Orchideenfreund,

narrensteiger2

kam mir bei Reichenbach u. R. vor die Linse. Er bot eine schöne Vorstellung mit seinem Gipfelsturm, die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollte. Die Population des Kleinen Knabenkraut, die ich auch im letzten Jahr besucht hatte, zeigte am 9. Mai 2009 bei weitem nicht die Vielzahl an Individuen wie 2008. Vor allem am Rand der Wiese blühte eine größere Anzahl Anacamptis morio, in der Wiese selber, die früher Heimstatt sehr vieler Knabenkräuter war, zeigten sich nur vereinzelt Infloreszensen. Ich entdeckte eine große Anzahl an Löchern. Ob hier der Dachs die Knollen gegraben hatte oder menschliche Räuber am Werk waren? Auf den Schrecken folgte aber Entzücken, denn ich fand, im Gras versteckt, einige Brand-Knabenkraut! So setzte sich an diesem Tag das Wechselbad der Gefühle fort: Auf der Fahrradfahrt nach Reichenbach hatte ich bei Süßen eine Feuchtwiese mit Breitblättrigem Knabenkraut entdeckt. Eine schöne Sache eigentlich, aber der Anblick eines großen Baggers, der keine 20 Meter entfernt einen Weg in die Nachbarwiese fressen wird, bescherte mir dann doch ein mulmiges Gefühl. Bei Winzingen schließlich, wo ich ebenfalls nach dem Kleinen Knabenkraut suchte, musste ich feststellen, dass auf der einst reich bestückten Wiese nur wenige Exemplare blühten. Dafür hatten sich an die 50 Exemplare auf der Wiese oberhalb angesiedelt, wo ich bei meinem letzten Besuch (der allerdings schon gut acht Jahre zurückliegt) keine entdecken konnte. Schlussendlich war es aber ein ereignisreicher Tag in Sachen Orchideen der Region bei ausnahmsweise schönstem Mai-Wetter.

Die fotografische Ausbeute finden Sie, geneigter Betrachter, auf den jeweiligen Seiten der Arten.

Die Spinnen sind da!

Mai 14, 2009

linie2

Der Fruchtstand der Silberdistel, geneigter Leser,

carlinaq

kündet noch von der Blüte des Vorjahres. Bis Carlina neue Blüten treibt, gehen noch ein paar Wochen ins Land. Anders sieht es da bei den beiden Spinnen-Ragwurzen aus: Ophrys sphegodes und ihre kleine Schwester Ophrys araneola stehen in schönster Blüte in der Region. Es macht viel Freude, die Individuen zu untersuchen und die Unterschiede in Lippenform und -zeichnung anzusehen. Leider ist das Wetter nach wie vor regnerisch und seit einer Woche macht sich die Sonne sehr rar. Trotzdem sind einige schöne Bilder entstanden, von Standorten, die ich erstmals seit einigen Jahren wieder aufgesucht habe und von solchen, wo ich noch nie gewesen bin. Es gibt jedes Jahr Neues zu entdecken im Fils- und Lautertal, und unsere Expeditionen führen uns an traumhaft schöne Orte – nicht nur, was die Flora betrifft, auch die Tier- und Pilzwelt ist unglaublich vielfältig und interessant. Ganz zu schweigen von der Landschaft: Es sind völlig neue Eindrücke, die das „Sauwetter“ vermittelt, wenn tiefhängende schwarze Wolken gleichsam an die Felsen stoßen und Nebelfetzen bergaufwärts rasen. Da spielt es auch keine Rolle, nass bis auf die Knochen kilometerweit zum Auto zurückzuwandern – die elementare Erfahrung ist das allemal wert.

Bilder der beiden Spinnen und von Manns-Knabenkraut, erste Fliegen-Ragwurz– und Purpur-Orchis-Fotos und Austriebe der Riemenzunge finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Paris gefesselt und Orchis im Regen

Mai 12, 2009

linie2paris-3

Werter Besucher,

die Orchideenblüte in der regiorchis hat begonnen. Dank des warmen Aprils stehen verschiedene Arten schon in Hochblüte, ja die Frühblüher unter den Orchideen sind bereits im Verblühen begriffen.

Die erste Orchideentour führte Ute und mich auf eine Wacholderheide bei Mühlhausen i. T., die ich einige Jahre nicht besucht hatte, aber von früher als reichen Standort von Kleiner und Großer Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und Ophrys sphegodes) kannte. Auf dem Weg dorthin begegnete uns obige Einbeere (Paris quadrifolia). Ihr Trieb hatte sich durch ein Buchenblatt gebohrt, allerdings hatten die Blätter dann wohl nicht mehr die Kraft, sich zu entfalten und sich aus der Fessel zu befreien. So hat die Pflanze dieses Jahr bestimmt einige Nachteile bei der Assimilation im Vergleich zu ihren voll entfalteten Schwestern.

Auf der Wiese angekommen, war die Enttäuschung zunächst groß: Nicht eine Pflanze der „Spinnen“ war zu entdecken. War die gesamte Population inklusive der früher hier wachsenden Bastarde von Spinnen- und Fliegen-Ragwurz vernichtet? Waren wir zu bald dran? Auch Blatt-Rosetten waren keine zu sehen, wobei ich gestehen muss, dass die Suche danach nicht allzu intensiv verlief, da uns das Wetter mit einem kräftigen Regenguss dazu zwang, eine Pause unter einer beinahe wasserdichten Fichte zu machen. Nach dem Regen jedoch war die Enttäuschung schnell verflogen, denn die weitere Erkundung des Biotops brachte uns zu einem schönen Bestand von Manns-Knabenkraut, größtenteils waren die Pflanzen noch vollkommen knospig. Ganz in der Nähe waren zwei voll erblühte, wunderbar dunkle und eine verwaschen rosafarben blühende Pflanzen zu entdecken. Waren die drei ihren Geschwister so weit voraus? Bei näherem Hinsehen zeigte sich dann, dass hier wohl das Blasse Knabenkraut seine Finger mit im Spiel gehabt haben musste! Aber von Orchis pallens war in der Umgebung nichts zu entdecken. Das änderte sich einige Minuten später, als wir auf einen schönen Bestand von Blassem Knabenkraut (Orchis pallens) trafen. Ganz in der Nähe der herrlich blühenden Knabenkräuter fand sich ein großes Vorkommen unseres „Baurabüable“  (Kleine Traubenhyazinthe, Muscari botryoides), einen herrlichen Anblick bot das Blau in dieser Masse. Und dann war da noch einmal eine eindeutige Orchis mascula x pallens-Kreuzung. Trotz Regen und der anfänglichen Enttäuschung bedeutete dieser Tag so doch noch einen verheißungsvollen Start in die Orchideen-Saison 2009…

Die Fotos dieses Tages finden Sie in den Rubriken Orchis mascula und Orchis pallens. Viel Freude beim Ansehen!