Archive for Juli 2009

Sommerschmuck im Buchenwald

Juli 30, 2009

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Werter Orchideenfreund,

bei den Frühjahrsblumen wie z. B. dem Aronstab (Arum maculatum) reifen die Früchte und die Blühsaison bei unseren heimischen Orchideen neigt sich dem Ende entgegen. Eine Spätblüherin allerdings beschert uns jetzt ihr Blütenfeuerwerk: Die Violette Stendelwurz beginnt, ihre Infloreszensen zu öffnen. In einem Buchenwald bei Kuchen findet man neben Pflanzen, die sich noch ganz knospig zeigen, auch solche in Hochblüte. Man muss schon zweimal hinsehen, um unsere „späteste“ Stendelwurz im Licht-und-Schatten-Spiel des Waldes zu entdecken. Wird man ihrer angesichtig, offenbart sie aber ihre ganze Schönheit mit dem Farbenspiel von zartem Weiß, Grün und Rosa und der kontrastierenden kräftigen violetten Bereifung der kleinen Blätter (woher übrigens ihr Name rührt, denn in den Blüten wird man Violett vergebens suchen) – ein wahrhaft prächtiger Ausklang der Blütensaison bei den Orchideen der regiorchis!

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Wilde in der Stadt!

Juli 14, 2009

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In diesem Artikel, geschätzter Pflanzenfreund,

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soll uns vor allem die Breitblättrige Stendelwurz beschäftigen. Doch zunächst will ich Ihnen einige Aufnahmen wie den fruchtenden Wolligen Schneeball (Viburnum lantana) und die folgenden Impressionen aus der Umgebung von Reichenbach i. T. nicht vorenthalten: Sie lassen erahnen, welchen Reichtum an Blumen die Halbtrocken- und Trockenrasen und die Waldränder in der Region das ganze Jahr hindurch bergen.

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Ästige Graslilie (Anthericum ramosum)

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Berg-Gamander (Teucrium montanum) und Quendel (Thymus pulegioides)

buchenspargel

Buchenspargel (Monotropa hypopitys subsp. hypophegea)

In einem schattigen Buchenwald in der Nachbarschaft einer dieser blumenreichen Wacholderheiden bei Reichenbach i. T. wohnen die Stendelwurzen, die Sie auf den ersten beiden Fotos in der Rubrik „Epipactis helleborine“ finden. Ich habe sie der Breitblättrigen zugeordnet; auffallend ist die Tatsache, dass die Pflanzen sehr schattig stehen, am 5. Juli aber schon schön erblüht sind. Typische Epipactis helleborine-Individuen, die in geringer Entfernung am warmen, besonnten Waldrand zu sehen waren, standen aber allesamt noch völlig in Knospe. Sind also die Schattenkinder echte Breitblätter, die eben nur früh dran waren mit Blühen, oder hat da eine der anderen Arten, die in dem Areal anzutreffen sind (Epipactis atrorubens, Epipactis muelleri, zum Teil aufblühend, zum Teil ganz knospig) mitgemischt?

Eindeutiger möglich war da die Zuordnung einer prächtigen Epipactis-Gruppe auf einer Grüninsel mitten im Stadtgebiet von Geislingen/Steige. Die Breitblättrigen Stendelwurzen wachsen dort direkt an der Straße im gemähten Gras; hier hat ein sachkundiger Bauhof-Mitarbeiter beste Arbeit geleistet: Die Grasfläche wurde nicht komplett rasiert, nein, die Orchideen wurden vom Rasenmäher verschont – Danke dem kompetenten Pflanzenkenner, Glückwunsch der Stadt zu einem solchen Mitarbeiter. Und Bewunderung für die Anpassungsfähigkeit und wilde Lebensfreude der Breitblättrigen Stendelwurz!