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Vergängliche Schönheit

Juli 12, 2010

Diese Zaun-Eidechse, geschätzter Besucher,

hat ihr Dasein als Individuum auf diesem unserem Planeten beendet. Auch das Lebensende aber schafft eine der Voraussetzungen für die permanente Entwicklung einer Art, und als Spezies sind die Zaun-Eidechsen in unserem Gebiet noch nicht gefährdet. Anders sieht es da bei der Grünen Hohlzunge (Dactylorhiza viridis, vielen von Ihnen noch besser unter ihrem alten Namen Coeloglossum viride bekannt) aus; sie ist in den Mittelgebirgen Deutschlands immer seltener zu finden und läuft Gefahr, dort auszusterben. Auch wenn sie in den Alpen glücklicherweise noch häufiger und in individuenreichen Beständen anzutreffen ist, bedeutet jeder Standortverlust auch eine Einschränkung der genetischen Vielfalt, denn in den Mittelgebirgen herrschen andere Lebensbedingungen als im Hochgebirge.

Am 8. Juli 2010 hatte ich das Glück, „schwäbische“ Hohlzungen bewundern zu dürfen. Dr. Helmuth Zelesny hatte mir einen Standort bei Gruibingen verraten und ich konnte drei (!) Pflanzen dieser Rarität fotografieren. In dem wunderbaren Biotop blühten die Pflanzen im relativ hohen Gras und waren nicht leicht zu entdecken. Ihre Nachbarn sind dort Pyramidenorchis, Händelwurzen und, neben gewöhnlichen Bienen-Ragwurzen, auch deren aurita-Form und einige gelbe Bienen-Ragwurzen. Die Hitze stand in der Heide und ließ sie wunderbar duften, nach allerlei Kräutern und Blütenaromen, und leuchtend standen die Anacamptis in der strahlenden Sonne – ein Bild, wie man es sich schöner kaum erträumen mag. Einzig die düsteren Aussichten der Hohlzungen trübten das Hochgefühl.

Einige Tage zuvor konnte ich bei Deggingen einige schöne (zum Teil auch schön verlauste) Bienen ablichten, ganz in ihrer Nähe standen ein paar Rote Waldvögelein und die Fleischfarbenen Knabenkräuter waren zum größten Teil schon verblüht. Die vergängliche Schönheit der Blumen hat mich hier nicht im geringsten berührt – denn die Fruchtknoten begannen schon zu schwellen und künden von den Generationen der Zukunft. Darüberhinaus durfte ich neben den wenigen Pflanzen im mir schon lange bekannten Quellsumpf einen neuen Standort mit 15 Dactylorhiza incarnata bewundern. Wiederum ein Tipp von Dr. Zelesny – wie könnt‘ es anders sein, möchte man da denken…

Neue Bilder finden Sie auf der neuen Seite Dactylorhiza viridis und bei Ophrys apifera, Dactylorhiza incarnata und Cephalanthera rubra. Viel Vergnügen beim Angucken!

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