Archive for April 2011

Osterspaziergang

April 27, 2011

Geneigter Leser,

nicht nur das Vergissmeinnicht (Myosotis spec.) scheint in diesem Jahr den Worten Meister Goethes in seinem Faustschen Osterspaziergang widersprechen zu wollen:

„Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,“

Auch die übrige Flora will nicht nachstehen – ein solch orchideenblumenreiches buntes Ostern dürfte es in der Region wohl selten gegeben haben.  Natürlich spielt der späte Termin eine Rolle, aber auch die ungewöhnlich warmen vergangenen Aprilwochen haben dafür gesorgt, dass die Natur wahrhaft die Blüten hat explodieren lassen. So haben die Hybriden von Blassem und Manns-Knabenkraut (Orchis x hausknechtii) und ihre Eltern am Karsamstag ein unvergleichliches Bild geboten: Die  Sonne brachte helles Gelb und dunkles Purpurviolett der Erzeuger sowie die dazwischenliegenden Tönungen ihrer Kinder weithin zum Leuchten – als ob auch die Orchideen das Osterfest gebührend begehen wollten.

Das Kleine Knabenkraut  (Anacamptis morio) hat die Hochblüte beinahe überschritten und beginnt teilweise schon zu verblühen, während das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) in seiner direkten Nachbarschaft mit der Blüte angefangen hat. Das Manns-Knabenkraut  (Orchis mascula) zeigt sich auf Wiesen und in lichten Wäldern in allen Blühstadien: Exemplare, deren Infloreszensen sich gerade aus dem Hüllblatt hervorschieben, stehen unweit von solchen mit farbigen Knospen und voll erblühten Individuen. Dieses phantastische Phänomen ist dieses Jahr bisher bei fast allen früh blühenden Orchideen zu beobachten.

Bleibt mir, Ihnen viel Spaß mit den Eindrücken einer blumen- und sonnenverwöhnten Osterwoche zu wünschen. Sie finden die Fotos bei den entsprechenden Arten.

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Frühaufsteher

April 18, 2011

Der Tatzenkäfer (Timarcha tenebricosa), werter Besucher,

ist ein Frühaufsteher unter den Kerbtieren. Schon bald im Jahr findet man ihn in den sonnigen Halbtrocken- und Trockenrasen der Region. In der abwechslungsreichen Kulturlandschaft wie auf dem folgenden Bild mit Gebüschen, Wacholderheiden, Wäldern und Felsen ist er nicht selten zu beobachten, wie er gemächlich über den frühlingswarmen Boden krabbelt.

Auch unsere beiden Spinnen-Ragwurzen (Ophrys araneola und sphegodes) sind jedes Jahr früh dran. Selten aber haben sie in den letzten Jahren schon Mitte April so eifrig mit der Blüte begonnen wie heuer. An ihrem Wohnort in Bad Ditzenbach stehen einige Pflanzen schon prächtig in Blüte, während andere gerade die ersten Blüten öffnen und einige auch noch komplett knospig stehen – auch hier sind derzeit alle Phasen des Erblühens bei den beiden Spinnen eindrucksvoll zu sehen.

Die Kreuzungen von Purpur- und Helmknabenkraut treiben ihre eindrucksvollen Rosetten der Sonne entgegen und auch die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conpsea) hat schon kräftige, frische Büschel grüner Blätter gebildet. Die Hummel-Ragwurz (Ohrys holoserica) lässt bereits das Hüllblatt erkennen, das den Blütenstand noch vor den Einflüssen von Wind und Wetter schützt – alles in allem scheinen unsere Orchideen dieses Jahr gut zwei Wochen früher blühen zu wollen als im langjährigen Durchschnitt. Und das Wetter soll weiterhin sonnig und zunehmend wärmer sein in den nächsten Tagen. Die Spannung steigt, was sich bis zum Oster-Wochende alles getan hat!

Viel Spaß mit den neuen Bildern, die Sie wie immer bei den angesprochenen Arten sehen können.

Lebhaftes Treiben

April 11, 2011

Verehrter  Orchideenfreund,

so wie die Blindschleiche (Anguis fragilis) genießen auch die Pflanzen in der Region zur Zeit eitel Sonnenschein. Überall sprießen frische Triebe und die Frühblüher brennen das erste Blumenfeuerwerk des Jahres 2011 ab. Die Böden der noch kahlen Buchenwälder sind von den Frühjahrs-Geophyten überzogen, auf den Heiden blühen die letzten Küchenschellen und Teppiche mit Frühlingsenzian. Unten finden Sie einige Fotos, die im Zeitraum vom 8. März bis 3. April entstanden sind.

Auch unsere Orchideen legen sich mächtig ins Zeug: Am 9. April hat das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) bereits die ersten Blüten geöffnet. Auf einer Heide bei Bad Ditzenbach sind derzeit alle Phasen des Erblühens zu bewundern: Noch völlig vom Hüllblatt umschlossene Infloreszensen, Knospenstände und Blütenstände mit sich entfaltenden Blüten. Auch die Hybriden (Orchis x hausknechtii) mit dem Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigen zum Teil schon farbige Knospen, sind aber noch nicht so weit wie ihr gelber Elter. Vom Manns-Knabenkraut sind noch keine Knospenstände zu entdecken, sie sind allesamt noch verhüllt.

Die Rosetten der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), der Spinnen– und Fliegen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und insectifera) sind ebenfalls schon prächtig entwickelt, die Spinne zeigt sogar schon ihr straff aufgerichtetes zentrales Hüllblatt, das den Blütenstand noch schützend umgibt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) war über den Winter nicht untätig und ihre Blattrosetten sind in den Wacholderheiden schon gut zu erkennen, wogegen das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) erst mit den Blattspitzen aus dem Boden hervorlugt – ebenso wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) an seinem Wohnort, dem licht beschatteten Rand einer Wacholderheide.

Genießen Sie die ersten Orchideen-Eindrücke dieses Jahres in den entsprechenden Art-Rubriken und den folgenden kleinen Bilder-Spaziergang durch die vom Frühling verzauberte regiorchis!

Zu tausenden überzieht der Märzenbecher (Leucojum vernum) bei Bad Überkingen am 8. März 2011 den Waldboden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Blütenmeeres ist ein kleines Bächlein noch teilweise vom Eis bedeckt.

Auch der Seidelbast (Daphne mezerum) und die Palmblättrige Nieswurz (Helleborus foetidus) stehen in Hochblüte:

An sonnigen Waldrändern und an lichten Felsfüßen blüht wunderbar das Leberblümchen (Hepatica nobilis).

Am 2. April 2011 schmückt der Frühlings-Enzian (Gentiana verna) die Wacholderheiden rund um Unterböhringen tausendfach mit seinem leuchtend reinen Azurblau.

Zwei Spaziergänge am 3. April 2011 bescherten die folgenden Fotos aus blumenverzauberten Wäldern und von sonnenverwöhnten Halbtrockenrasen.

Gelbe (Anemone ranunculoides) und Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) weben bei Geislingen/Steige blühende Teppiche über den Waldboden. An feuchteren Stellen ist ab und an der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) mit ihnen vergesellschaftet.

Auf den Felsen rund um Geislingen hat das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) schon Früchte angesetzt. Eine Infloreszens zeigte noch die hübschen gelben Blüten.

Auch die Lungenkräuter (Pulmonaria spec.) beginnen jetzt eifrig mit dem Blühen.

Die letzten Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schmücken noch die Wacholderheiden wie hier bei Reichenbach i. T. Zur Hochblüte der Spinnen-Ragwurz verleihen ihre flauschigen Blütenstände den Heiden einen unvergleichbaren Reiz.