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Mai-Revue

Juni 29, 2011

Lieber Orchideenfreund,

lange war es ruhig auf regiorchis, und das zur Hauptsaison – dummerweise lässt man sich von Dingen wie Arbeit oft von den schönen und wichtigen Aktivitäten, die das Leben eben ausmachen, abhalten. So erging es mir im Mai, schlimmer gar noch im Juni, und mehr als einige kurze Ausflüge zu unseren pflanzlichen Lieblingen waren leider nicht machbar. Daher will ich Ihnen heute einen kleinen Abriss der Maiereignisse präsentieren.


Der Schmetterlingshaft  (Libelloides coccajus) gab sich am 30. April 2011 die Ehre und posierte ausgiebig vor der Kamera, bevor er in die Sonne des Nachmittags davonflog. Eine große Anzahl seiner Artgenossen bevölkert das Biotop bei Bad Ditzenbach, in dem auch die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) immer noch eifrig Blüten anbot. Neben Exemplaren in Hochblüte fanden sich auch solche, die schon komplett verblüht waren. Erstaunlicherweise zeigten sich ihre großen Schwestern  (Ophrys sphegodes) größtenteils verblüht und es waren nur noch einige Nachzügler zu finden. Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) präsentierte, wie so viele anderen Arten in diesem ungewöhnlichen Jahr, alle Stadien des Erblühens: Vom angefärbten Knospenstand bis zu Exemplaren in schöner Blüte war an diesem Tag alles zu bestaunen.

Der 7. Mai bescherte mir einen Ausflug in ein schönes Tal bei Nenningen, in überaus charmanter Begleitung von Alix und ihrem Hund Barillo. In der wunderbaren Feuchtwiese am Hang, die dort in der hintersten Ecke bis heute überdauert hat, leuchteten fröhlich Dutzende Breitblättrige Knabenkräuter (Dactylorhiza majalis), begleitet von Wollgräsern (Eriophorum spec.), die ihre weißen Büschel duftig über der Wiese schweben ließen. Die Sprosse des Gelben Enzians (Gentiana lutea) in den benachbarten Wacholderheiden forderten förmlich dazu auf, bald wieder dorthin zurückzukehren!

Ihre ganze überschäumende Maipracht demonstrierte die Natur am 8. Mai. Über blühende Blumenwiesen mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Arten spazierte ich bei Reichenbach i. T. zur Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), deren Individuen zu blühen begannen. Erfreulicherweise fand sich auch die Hybride der Fliege mit der Spinnen-Ragwurz wieder, auf die mich Herr Dr. Spengler letztes Jahr aufmerksam gemacht hatte.

Mein persönliches florales Mai-Light 2011 fand am 22. des Monats statt: Mit meinen beiden Fratres orchidophiles Christoph und Michael (v. l. n. r.)  erklomm ich den wunderbaren steilen Berg  bei Unterböhringen, der neben einer stetig wachsenden Population der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) dem Blumenfreund auch solche Schätze wie Spinnen-Ragwurz, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Sumpf-Herzblatt  (Parnassia palustris), Fransen- und Deutschen Enzian (Gentianopsis ciliata und Gentianella germanica), Silberdistel (Carlina acaulis) undundund bietet. Die Riemenzungen feierten denn auch ein rauschendes Fest mit unterschiedlichsten Typen, von grünen Blüten mit fein ziselierten Lippen bis zu stark ausgefärbten Exemplaren mit sehr langen Lappen – zwischen diesen Polen waren sämtliche Formen zu finden. Die Population hat inzwischen beinahe die Hochfläche des Berges erreicht, und in einer der Wacholderheide benachbarten Streuobstwiese fühlen sich ebenfalls einige Exemplare wohl. Dabei entstehen bemerkenswerte Pflanzengesellschaften – die eigenwillig duftende Orchidee wächst hier zusammen mit Türkenbund (Lilium martagon) und Deutschem Ziest (Stachys germanica):

Die Spinnen-Ragwurz war zu diesem Zeitpunkt in diesem Biotop überall verblüht, die Pflanzen hatten bereits (spärlich) Früchte angesetzt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) zeigte sich dagegen in einigen Exemplaren in schönster Blüte. Auch bei ihr lohnt ein genauerer Blick, denn was aus der Ferne als leuchtende Farbklekse ins Auge springt, sind bei näherem Hinsehen individuelle Blütengesichtlein.

Am Standort des Frauenschuh schien uns zunächst eine Enttäuschung zu erwarten: Die ersten Exemplare, derer wir angesichtig wurden, waren allesamt verblüht – doch dann entschädigte uns eine schöne Gruppe mit makellosen Blüten. Die wechselnden Wetterverhältnisse zwischen leichtem Regen und plötzlichem Sonnenschein verzauberten den Ort zusätzlich und entschädigten Spaziergänger und Fotograf für nicht unbedingt ideale Bedingungen.

Der bis dato letzte Exkurs führte mich wieder in die Umgebung von Reichenbach i. T. Auf dem Weg zu den Orchideen, die dort wohnen, begegnete  ich weiteren Schönheiten der Natur: Am Waldesrand blühten wunderbar Akeleien (Aquilegia vulgaris), die Buchen (Fagus sylvatica) fruchteten schon üppig, der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) verzauberte die Wiesen mit seinen Fruchtständen, mancherorts streckten die Herbszeitlosen (Colchicum autumnale) das Ergebnis ihrer Blühbemühungen der Reife entgegen, Vogelwicken (Vicia cracca) bildeten verschwenderische Dickichte voller violetter Blüten und die Rosen-Gallwespe (Diplolepis rosae) hatte einige Rosen mit Rosenäpfeln geschmückt.

Auf den Wacholderheiden  standen Pyramidenorchis sowohl knospig als auch in Hochblüte, die Fliegen-Ragwurz blühte in Höchstform, Helm-Knabenkräuter bildeten an einigen Stellen starke Gruppen, ebenso das unauffällige Zweiblatt (Neottia ovata); das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigte noch vereinzelt letzte Blüten an den schon weit entwickelten Fruchtständen und in einer Ecke fanden sich tatsächlich noch drei Spinnen-Ragwurzen, von Wacholderbüschen teilzeitig beschattet, in schönster Hochblüte. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) streckte ihre wunderbaren Blüten ebenfalls der Sonne entgegen, leider konnte ich aber nicht so viele Exemplare wie in vergangenen Jahren ausmachen.

Soweit also die Ereignisse im Mai; in der Hoffnung, Ihnen wenigstens im anstehenden Juli mehr Aktuelles aus der Region bieten zu können, wünsche Ich Ihnen viel Spaß mit den neuen Bildern bei den entsprechenden Arten.

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