Archive for Juli 2011

Sommernachmittag

Juli 18, 2011

Die Kugeldistel (Echinops spec.), werter Besucher,

gehört nun wahrlich nicht zum heimischen Floreninventar – allein, anzusehen ist sie wunderhübsch, und auch wenn ein Exemplar unvermittelt in einer Wacholderheide vor einem steht, scheint größere Sorge nicht angebracht. Denn im Gegensatz zu ihrer nordamerikanischen Goldruten-Verwandschaft scheint sie nicht invasiv heimische Ökosysteme zu bedrohen – die Insektenwelt jedenfalls tut sich an ihrem Nektarangebot gerne gütlich, und so dürfte das Exemplar, das mir auf einer Heide bei Reichenbach i. T. begegnete, aus der Aussaat eines Imkers entkommen sein.

Nach diesem ungewöhnlichen Auftakt war ich umso mehr gespannt, was mir der Sommernachmittag des 16. Juli 2011 wohl noch bescheren möge – das Wetter war traumhaft, die Sonne strahlte vom ungetrübten Himmel, was in den letzten Wochen nicht unbedingt die Regel war. Enttäuscht wurde ich wahrlich nicht, auch wenn am Beginn meiner Exkursion sich die Orchideen nicht mit Blüten schmücken wollten: Große und Wohlriechende Händelwurz (Gymnadenia conopsea und odoratissima), Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) – sie zeigten sich mit Früchten, genauso wie Müllers Stendelwurz (Epipactis muelleri) und das erste Exemplar der Braunroten Stendelwurz (Epipactis atrorubens), das ich fand. Da die Phase der Fruchtbildung und die Verbreitung der Samen aber für diese unsere Mitgeschöpfe selbstredend weitaus wichtiger ist als die Präsentation ihrer herrlichen blumigen Schauapparate (die dem Menschen in ästhetischer Hinsicht dennoch so viel mehr Vergnügen bereiten), gehört auch dieser Zustand des pflanzlichen Lebens dokumentiert und Sie können die Fotos in den entsprechenden Rubriken betrachten.

Schlußendlich zeigten sich dann aber doch noch etliche Braunrote Stendelwurzen in schönster Blüte, und die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine) gab ein großartiges Schauspiel mit ihren Trockenrasen- und Waldformen. Eine verspätete Müllers Stendelwurz schloss den Blütenkreis des erhofften Sitter-Sommertags.

Nun wurde ich aber an diesem Tag auch in anderer Hinsicht mehr als überrascht, denn das Leben in der sommerlichen Natur war einfach phantastisch: Der Dost (Origanum vulgare) ist nicht nur als Pizza-Gewürz beim Menschen beliebt – auf seinen Blüten tummeln sich Insekten, die er mit lebenswichtigem Nektar versorgt.

Sein ebenfalls sehr ätherischer Verwandter, der Thymian (Thymus pulegioides), wächst auf Ameisenhaufen zu prächtigen Kuppeln heran und verströmt seinen herrlich würzigen Duft in der Sonnenhitze.

Die Berg-Aster (Aster amellus) schickt bereits erste Herbst-Blütengrüße über das Land, während die Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) noch von der Mitte des Sommers erzählt.

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) flattert vergnügt über die Wacholderheiden und labt sich am verschwenderischen Naktarangebot der Wiesen (klicken Sie auf das Bild, um ihn größer zu erleben).

Ein besonderes Kleinod der Halbtrockenrasen ist der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata), der gerade unvergleichlich blüht. Sein Blau steht den Hochgebirgsverwandten in Nichts nach, und die Begegnung mit ihm war eine weitere Überraschung, da ich ihn von diesem Standort noch nicht kannte.

Vielerorts schmückt jetzt der Hirsch-Haarstrang (Peucedanum cervaria) die Wiesen. Mit seinem bläulich grünen Laub und den großen weißen Blütenschirmen verwandelt er viele Stellen in ein wahrhaftes Märchenland.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit den Bildern, die den Ausklang der Blütensaison bei den Orchideen einläuten – das ist aber kein Grund für Traurigkeit, denn die Natur hält das ganze Jahr über für uns ihre Wunder bereit. Und die Blütezeit von Violetter Stendelwurz und Herbst-Drehwurz steht ja noch bevor.

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Ungewöhnliche Sumpfwurz

Juli 6, 2011

Verehrter Naturfreund,

so, wie die Hummel die Sonne auf ihrer Skabiosenblüte genießt, durfte ich selbige auf meinem Streifzug durch die Natur am 2. Juli 2011 bei Mühlhausen genießen. Zumindest zeitweise, denn die vorüberziehenden Wolken sorgten immer wieder dafür, dass sich die richtige sommerliche Wärme nicht so recht einstellen wollte. Das störte aber weder die Roten Wegschnecken (Arion rufus), die sich eifrig ihrem Liebesspiel hingaben,

noch die Blumen, denen ich begegnete, im geringsten:

So leuchteten auf Wiesen und Wacholderheiden die Pyramiden-Orchideen (Anacamptis pyramidalis) weithin sichtbar; inzwischen haben sie die Hochblüte erreicht oder sind gar schon am Verblühen. Die Blütenstände haben ihren pyramidenförmigen Habitus vom Blütenbeginn hinter sich gelassen und stehen als prächtige Zylinder  – wie Sie auf der Anacamptis-pyramidalis-Seite sehen können. Zum Teil begegnet man richtigen Kaventsmännern dieser wunderbaren Orchideenart, in Einzelexemplaren, in trauter Zweisamkeit (dies übrigens auffallend oft) oder gar in kleinen Gruppen.

Auf der Wacholderheide, die auch der entzückenden kleinen und hellblütigen Form des Fleischfarbenen Knabenkrauts (Dactylorhiza incarnata) Heimat ist, teilen sich die Pyramiden im unteren Hangauslauf ihren Lebensraum mit der Echten Sumpfwurz (Epipactis palustris). Während die Knabenkräuter aber auf der Hochfläche des Biotops siedeln,  bevorzugt die Stendelwurz die Hanglagen im unteren Bereich in der Nähe des Waldrands – hier scheint die Wasserversorgung für das Gedeihen der Stendelwurzen noch akzeptabel zu sein, denn sie bilden zum Teil ansehnliche Gruppen, auch wenn die Pflanzen im Vergleich zu jenen aus Feuchtbiotopen kleiner und zarter sind. Nur vereinzelt haben sich einige Individuen auch weiter nach oben gewagt. Herrliche Begleiter allüberall sind die dichtblühenden Formen der Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), die im Gegensatz zu ihren bereits Früchte bildenden, früher blühenden Schwestern noch ihre herrlichen Blumen zeigen. Zurück zum Fleischfarbenen Knabenkraut – es ist zu dieser Jahreszeit natürlich schon verblüht (vor allem auch hinsichtlich der Tatsache, dass dieses extreme Frühjahr die Pflanzenwelt dazu veranlasste, ihre Blüten rund drei Wochen früher als gewohnt zu präsentieren) und hat bereits dicke Früchte angesetzt.

Als Resumée bleibt: Ein wunderbarer Nachmittag, in wunderbarer Landschaft, Begegnungen mit neuen Persönlichkeiten (denn die Epipactis an diesem Standort kannte ich bis dato noch nicht) und die Hoffnung, dass dieses unvergleichliche Naturschauspiel noch lange erhalten bleiben möge. Erfreuen Sie sich an den Bildern auf den entsprechenden Seiten – und denken Sie daran, dass Bilder die Wirklichkeit niemals zu ersetzen vermögen!