Angesengte Wiese, spinnenfeine Heide

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Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger),
lieber Besucher,

10-5-2013-Limax cinereoniger-Schwarzer Schnegel

fühlt sich bei der derzeit herrschenden nass-kühlen Witterung pudelwohl. Auch unsere Orchideen scheinen vom klimatischen Verlauf von Winter und Frühling zu profitieren: Nach der Blütenexplosion des Blassen Knabenkrauts (Orchis pallens) zeigen derzeit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), seine Hybriden mit der gelben Schwester (Orchis x haussknechtii), Kleine und Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und sphegodes), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ihre Infloreszensen in einer Pracht und Anzahl, dass dem Betrachter das Herz aufgeht. Es scheint sich zu bestätigen, dass heuer ein außergewöhnlich gutes Orchideenjahr ins Land gezogen ist.

Dolycoris baccarum Beerenwanze

Auf der Wiese der Narren bei Reichenbach u. R. hat Exkursionsfreund Timo und mich am 15. Mai 2013 eine Beerenwanze (Dolycoris baccarum) bei der Ankunft begrüßt. Die Kleinen Knabenkräuter (Anacamptis morio) hatten ihren Blütenhöhepunkt erreicht, größtenteils schon überschritten.

15-Mai-2013-A-morio

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Unser eigentliches Ziel waren aber die Blütenstände des Brand-Knabenkrauts; nach einem sehr netten Telefonat mit Herrn Nickl aus Süßen, der nach 30 Jahren heuer wieder die schönen Zwerge fotografiert hat und mich auf ihre aktuelle Blüte hingewiesen hatte, machten wir uns auf und wurden aufs Angenehmste überrascht: Über 20 Infloreszensen konnten wir in der herrlichen Bergwiese ausmachen, und es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Pflanzen blühenderweise im hohen Gras der Sonne entgegenreckten, denn die Schönheiten sind ob ihrer Winzigkeit nicht leicht auszumachen. Eine solche Anzahl habe ich in den vielen Jahren meiner Besuche noch nicht zu Gesicht bekommen!

Drei Tage später wurden Freund Christian und ich von der Blüte unserer beiden Spinnen-Ragwurzen bei Bad Ditzenbach überwältigt. Dutzende Exemplare der Kleinen und Großen lachten mit ihren Blumen in die Sonne; äußerst kräftige Pflanzen schmückten sich mit bis zu 15 Blüten, prächtige Gruppen waren zu sehen, zum Teil waren die Blütenstände voll erblüht, andere zeigten sich noch ganz am Anfang ihrer Entfaltung. Es ist derzeit eine Freude, die Unterschiedlichkeit der Individuen zu studieren, denn auch die Spinnen zeigen eine außergewöhnlich reiche Blüte. Als Sahnehäubchen hatte das Helm-Knabenkraut mit der Blüte begonnen, ebenso seine Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida) und eine Hummel-Fliegen-Kreuzung (Ophrys x devenensis).

18-5-2013-o-sphegodes-x-insectifera

Auch die Fliegen– und Hummel-Ragwurz (Orchis insectifera und holoserica) schicken sich an, in die Blütensymphonie mit einzustimmen. Aus einem durch einen Zaun abgetrennten Bereich der Heide  leuchtete weithin sichtbar das Manns-Knabenkraut in einer starken Gruppe. Beim Verlassen des Biotops waren wir beinahe sprachlos ob der geschauten Pracht.

Schon in der Gegend, beschlossen wir, dem wunderbaren Biotop oberhalb des Kurortes noch einen Besuch abzustatten. Esche (Fraxinus excelsior) und Traubeneiche (Quercus petraea) hießen uns mit schön gefärbten Blattaustrieben willkommen, auf der Heide stand die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) kurz vor dem Erblühen, der Mairitterling (Calocybe gambosa) zierte mit seinen Fruchtkörpern den sonnigen Gehölzrand.

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18-5-2013-eiche

18-5-2013-Vielblütige Weißwurz-Polygonatum multiflorum

Calocybe gambosa-Mairitterling

Der weitere Weg belohnte uns mit einer überwältigenden Aussicht ins Obere Filstal,

18-5-2013-oberes filstal

bevor wir schließlich unser Ziel erreichten: Die Heideecke, die zu Monatsbeginn noch dem Blütenrausch des Blassen Knabenkrauts vorbehalten war, zeigte jetzt eine verschwenderische Fülle von Manns-Knabenkraut in Hochblüte, Blassem Knabenkraut im Abblühen und eine Vielzahl von Hybriden der beiden. Das Farbenspiel im Wechsel von Sonne und Wolken war einfach unbeschreiblich.

Am 20. Mai 2013 schließlich durfte ich in Begleitung von Alix und Barillo die Herrlichkeit der Knabenkraut-Blüte bei Nenningen bewundern; auf dem Weg zur Feuchtwiese im hintersten Winkel des Seitentals der Lauter wartete eine Überraschung: Im Randbereich eines Fichtenforsts (!) zeigte sich ein knospiges Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) kurz vor dem Aufblühen! Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Standort für einen Bewohner des lichten Schattens. Auf der Feuchtwiese war dann das Breitblättrige Knabenkraut zu bewundern – im Sonnenschein, nachdem uns auf dem Weg Schauer und Donner begleitet hatten.

Sie sehen, werter Naturfreund, dass sich in der Region derzeit vieles tut, was unsere heimische Orchideen und die Flora überhaupt anbelangt – und das bei dem ungewöhnlich nassen und kalten Maienwetter. Glücklicherweise war uns auf allen Exkursionen die Sonne zumindest teilweise hold; ich wünsche Ihnen daher viel Vergnügen mit den neuen Fotos in den Rubriken Neotinea ustulata, Ophrys araneola, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris, Orchis purpurea und Dactylorhiza majalis.

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