Neues Jahr – vergangene Blüten

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10-Mai-Bläuling
Lieber Naturfreund,

es ist schon eine Weile her, dass die Bläulinge sich mit den Mineralien aus der Hinterlassenschaft eines Kleinsäugers gestärkt haben. Auch die Orchideenblüte der Saison 2014 gehört der Vergangenheit an; leider war es mir zeitlich nicht möglich, die Eindrücke der zurückliegenden Orchideensaison aktuell zu präsentieren – ich halte den Jahreswechsel daher für einen geeigneten Zeitpunkt, auf die Blütenpracht des vergangenen Jahres zurückzublicken.

Nach dem milden Winter war die Pflanzenwelt allgemein früh gewillt, ihre Blumen der Sonne entgegenzustrecken. So blühte bereits Ende April der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) bei Geislingen…

25-April-Lithospermum purpurocaeruleum

…und die Hausener Wand schmückte sich bald im Jahr mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) und zartem Laub.

27-April-Alyssum montanum-2

27-April-Alyssum montanum-4

27-April-Hausener Wand

27-April-Hausener Wand-3

27-April-Hausener Wand-4

Ebenfalls sehr zeitig in Blüte war die Hohlzunge (Dactylorhiza viridis). Bereits am 26. April 2014 hatten Freund Christian und ich bei Nenningen auf einer kleinen Waldwiese einige Exemplare entdeckt, interessanterweise ein Standort, von dem ich Hinweise schon aus den 1970er-Jahren hatte.

Mit Verstärkung von Bruder Dominik konnten wir dann am 4. Mai an die 30 Exemplare ausfindig machen. Das war fürwahr ein früher Höhepunkt der Saison, auch weil die malerische Gegend um Nenningen viele weitere, nicht nur florale Sehenswürdigkeiten bietet, wie beispielsweise die Reiterleskapelle oder die Ruinen von Burg Granegg.

Reiterleskapelle

4-Mai-Granegg

Begrüßt von einer Ziegenherde steuerten wir am selben Tag dann einen Standort bei Degenfeld an, von dem ich ebenfalls Hinweise auf die Hohlzunge erhalten hatte.

4-Mai-Goißa

Nach steilem Aufstieg wurden wir in dieser Hinsicht zwar nicht fündig, wurden dafür aber reichlich entschädigt: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) stand auf dem Berg bereits in herrlicher Blüte und beim Abstieg zurück in das liebliche Degenfeld durften wir am steilen heißen Hang die olfaktorischen und optischen Reize der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) genießen. Die Wiesen am Hangfuß verzauberten uns schlussendlich mit einer Blütenpracht, an der vor allem der „Guggigei“ (Bocksbart) den Hauptanteil hatte.

4-Mai-Guggigai-2

4-Mai-Guggigai-3

Der Mai brachte, sobald es die Zeit zuließ, ein herrliches Erlebnis nach dem anderen. Frauenschuh (Cypripedium calceolus) leuchtete in der Monatsmitte im lichten Schatten bei Unterböhringen, um Pfingsten dann auch auf der Hochfläche unserer wunderschönen Alb bei Luizhausen, hier in Gemeinschaft mit der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) und Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) in starken Populationen oder Einzel-Exemplaren – der Wonnemonat brannte ein wahres Feuerwerk ab. Und das nicht nur im Hinblick auf die Orchideen, sondern auch auf weitere Besonderheiten wie rosa blühenden Wiesensalbei oder Sommerwurzen.

10-Mai-Salvia pratensis rosea

15-Mai-Orobanche-1

15-Mai-Orobanche-2

15-Mai-Orobanche-3

Hervorzuheben ist für 2014 der Ohnsporn (Orchis antropophora). Scheinbar bestätigt sich die letztjährige Vermutung, dass er eine ähnliche Entwicklung in der Region einschlagen will wie die Riemenzunge vor 30 Jahren: Er scheint sich bei uns neues Terrain zu erobern – vielleicht ausgehend von einer stabil erscheinenden Population von rund 30 Individuen bei Deggingen. Auf einen Hinweis eines Wiesensteiger Naturkenners durfte ich das herrliche Biotop dieses Jahr erstmals erleben und war begeistert nicht nur von den schlanken Puppenorchideen, sondern auch von der Masse an Fliegen-Ragwurzen in dem Biotop. Bei Reichenbach i. T., wo ich letztes Jahr ein Exemplar des Ohnsporns bewundern durfte, fand ich heuer schon zwei – und bestimmt sind im weitläufigen Gelände noch weitere vorhanden. Darüberhinaus konnte ich ein fruchtendes Exemplar bei Wiesensteig finden.

Schön geblüht haben in 2014 das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), wovon ich mich auf einem Spaziergang am 17. Mai rund um Deggingen überzeugen durfte, der darüberhinaus auch wundervolle landschaftliche Eindrücke bot, wie beispielsweise blühende Salbeiwiesen oder den Blick auf die Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach.

17-Mai-Salvia pratensis

17-Mai-Hiltenburg

Immer wieder zog es mich in das herrliche Obere Filstal und seine Seitentälchen, wo sich die Wiesen und Heiden an pflanzlichem Schmuck in der zweiten Mai-Hälfte gegenseitig überbieten wollten. Während die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schon ihre silbrigen Früchte präsentierten…

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-1

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-2

…standen die Frühsommerblüher im schönsten Blumenschmuck: Akelei (Aquilegia vulgaris), Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und sogar die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), von der keiner weiß, wie sie in eine Wacholderheide bei Reichenbach i. T. gelangt ist, die aber dort schon seit Jahrzehnten immer wieder in reichlichem Bestand zur Blüte kommt, sind köstlichste Zierden unserer heimischen Natur.

20-Mai-Aquilegia vulgaris-1

24-Mai-Antennaria dioica-1

24-Mai-Antennaria dioica-4

24-Mai-Antennaria dioica-3

24-Mai-Antennaria dioica-2

20-Mai-Cerinthe minor-1

20-Mai-Cerinthe minor-2

20-Mai-Cerinthe minor-3

20-Mai-Cerinthe minor-4

20-Mai-Cerinthe minor-5

Davon profitiert auch die Fauna:

20-Mai-Hase

Unsere Orchideen trugen eifrig ihren Teil zu dieser Pracht bei: Das Große Zweiblatt (Neottia ovata), die Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) zeigten sich von ihren besten Blütenseiten. Ihnen folgten im Juni Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) in Massen, Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – auch langgeöhrt (var. aurita) – und die großartige Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis).

Letztere bot im vergangenen Jahr wieder einmal ein unvergessliches Schauspiel, vor allem auf einem Mähder bei Mühlhausen i. T. Durch Zufall kam ich dort vorbei und war beeindruckt von der eigenartigen Ausstrahlung dieser alten Wiesenwirtschaftsform, die leider nur noch in sehr seltenen Resten erhalten ist: Aus dem hüfthohen, schon fruchtenden Gras der Wiese lugten einige hundert der weithin leuchtenden Blütenstände hervor; die Pyramidenorchis allein streute noch Farbe in das Wiesenbraun. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben war beeindruckend, Formen mit ungeteilter Lippe, langgestreckte Blütenstände, Farben im typischen knalligen Magenta, aber auch in verschiedenen Rosatönen und ein Blütenstand in Lachsrosa waren zu finden – fürwahr ein kleines Paradies, das ich dort erleben durfte.

Begleitet von weiteren botanischen Besonderheiten wie dem Gelben Enzian (Gentiana lutea),…

15-Juni-gentiana lutea-1-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-2-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-3-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-4-wiesensteig

…in Hochblüte am 15. Juni bei Wiesensteig,…

3-Juli-Gentiana lutea-1

3-Juli-Gentiana lutea-2

…fruchtend am 3. Juli 2014 bei Mühlhausen i. T., ging meine Orchideensaison mit der Blüte von Echter Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Braunroter Stendelwurz (Epipactis atrorubens) langsam zu Ende. Erfreulicherweise hatten die Stendelwurzen letztes Jahr nicht so stark unter Dürre und Läusen zu leiden wie anno 2013 und gelangten daher auch zur Blüte.

Noch nicht ganz zu Ende war jedoch die Reihe botanischer Erlebnisse abseits der Orchideen, sah ich doch 2014 im August erstmals den Jura-Streifenfarn (Asplenium fontanum), der deutschlandweit nur in unserer Gegend bei Geislingen/Steige und Bad-Überkingen – Hausen autochthone Vorkommen hat und schattige, aber warme Felsen bewohnt.

August-Asplenium fontanum-FREI

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August-Asplenium fontanum-4

August-Asplenium fontanum-5

August-Asplenium fontanum-6

Bleibt mir, Ihnen viel Freude mit den Aufnahmen der vergangenen Saison und uns ein blütenreiches Jahr 2015 zu wünschen!

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