Neues Jahr – vergangene Blüten

Januar 1, 2015

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10-Mai-Bläuling
Lieber Naturfreund,

es ist schon eine Weile her, dass die Bläulinge sich mit den Mineralien aus der Hinterlassenschaft eines Kleinsäugers gestärkt haben. Auch die Orchideenblüte der Saison 2014 gehört der Vergangenheit an; leider war es mir zeitlich nicht möglich, die Eindrücke der zurückliegenden Orchideensaison aktuell zu präsentieren – ich halte den Jahreswechsel daher für einen geeigneten Zeitpunkt, auf die Blütenpracht des vergangenen Jahres zurückzublicken.

Nach dem milden Winter war die Pflanzenwelt allgemein früh gewillt, ihre Blumen der Sonne entgegenzustrecken. So blühte bereits Ende April der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) bei Geislingen…

25-April-Lithospermum purpurocaeruleum

…und die Hausener Wand schmückte sich bald im Jahr mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) und zartem Laub.

27-April-Alyssum montanum-2

27-April-Alyssum montanum-4

27-April-Hausener Wand

27-April-Hausener Wand-3

27-April-Hausener Wand-4

Ebenfalls sehr zeitig in Blüte war die Hohlzunge (Dactylorhiza viridis). Bereits am 26. April 2014 hatten Freund Christian und ich bei Nenningen auf einer kleinen Waldwiese einige Exemplare entdeckt, interessanterweise ein Standort, von dem ich Hinweise schon aus den 1970er-Jahren hatte.

Mit Verstärkung von Bruder Dominik konnten wir dann am 4. Mai an die 30 Exemplare ausfindig machen. Das war fürwahr ein früher Höhepunkt der Saison, auch weil die malerische Gegend um Nenningen viele weitere, nicht nur florale Sehenswürdigkeiten bietet, wie beispielsweise die Reiterleskapelle oder die Ruinen von Burg Granegg.

Reiterleskapelle

4-Mai-Granegg

Begrüßt von einer Ziegenherde steuerten wir am selben Tag dann einen Standort bei Degenfeld an, von dem ich ebenfalls Hinweise auf die Hohlzunge erhalten hatte.

4-Mai-Goißa

Nach steilem Aufstieg wurden wir in dieser Hinsicht zwar nicht fündig, wurden dafür aber reichlich entschädigt: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) stand auf dem Berg bereits in herrlicher Blüte und beim Abstieg zurück in das liebliche Degenfeld durften wir am steilen heißen Hang die olfaktorischen und optischen Reize der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) genießen. Die Wiesen am Hangfuß verzauberten uns schlussendlich mit einer Blütenpracht, an der vor allem der „Guggigei“ (Bocksbart) den Hauptanteil hatte.

4-Mai-Guggigai-2

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Der Mai brachte, sobald es die Zeit zuließ, ein herrliches Erlebnis nach dem anderen. Frauenschuh (Cypripedium calceolus) leuchtete in der Monatsmitte im lichten Schatten bei Unterböhringen, um Pfingsten dann auch auf der Hochfläche unserer wunderschönen Alb bei Luizhausen, hier in Gemeinschaft mit der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) und Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) in starken Populationen oder Einzel-Exemplaren – der Wonnemonat brannte ein wahres Feuerwerk ab. Und das nicht nur im Hinblick auf die Orchideen, sondern auch auf weitere Besonderheiten wie rosa blühenden Wiesensalbei oder Sommerwurzen.

10-Mai-Salvia pratensis rosea

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Hervorzuheben ist für 2014 der Ohnsporn (Orchis antropophora). Scheinbar bestätigt sich die letztjährige Vermutung, dass er eine ähnliche Entwicklung in der Region einschlagen will wie die Riemenzunge vor 30 Jahren: Er scheint sich bei uns neues Terrain zu erobern – vielleicht ausgehend von einer stabil erscheinenden Population von rund 30 Individuen bei Deggingen. Auf einen Hinweis eines Wiesensteiger Naturkenners durfte ich das herrliche Biotop dieses Jahr erstmals erleben und war begeistert nicht nur von den schlanken Puppenorchideen, sondern auch von der Masse an Fliegen-Ragwurzen in dem Biotop. Bei Reichenbach i. T., wo ich letztes Jahr ein Exemplar des Ohnsporns bewundern durfte, fand ich heuer schon zwei – und bestimmt sind im weitläufigen Gelände noch weitere vorhanden. Darüberhinaus konnte ich ein fruchtendes Exemplar bei Wiesensteig finden.

Schön geblüht haben in 2014 das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), wovon ich mich auf einem Spaziergang am 17. Mai rund um Deggingen überzeugen durfte, der darüberhinaus auch wundervolle landschaftliche Eindrücke bot, wie beispielsweise blühende Salbeiwiesen oder den Blick auf die Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach.

17-Mai-Salvia pratensis

17-Mai-Hiltenburg

Immer wieder zog es mich in das herrliche Obere Filstal und seine Seitentälchen, wo sich die Wiesen und Heiden an pflanzlichem Schmuck in der zweiten Mai-Hälfte gegenseitig überbieten wollten. Während die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schon ihre silbrigen Früchte präsentierten…

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-1

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…standen die Frühsommerblüher im schönsten Blumenschmuck: Akelei (Aquilegia vulgaris), Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und sogar die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), von der keiner weiß, wie sie in eine Wacholderheide bei Reichenbach i. T. gelangt ist, die aber dort schon seit Jahrzehnten immer wieder in reichlichem Bestand zur Blüte kommt, sind köstlichste Zierden unserer heimischen Natur.

20-Mai-Aquilegia vulgaris-1

24-Mai-Antennaria dioica-1

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20-Mai-Cerinthe minor-1

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20-Mai-Cerinthe minor-4

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Davon profitiert auch die Fauna:

20-Mai-Hase

Unsere Orchideen trugen eifrig ihren Teil zu dieser Pracht bei: Das Große Zweiblatt (Neottia ovata), die Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) zeigten sich von ihren besten Blütenseiten. Ihnen folgten im Juni Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) in Massen, Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – auch langgeöhrt (var. aurita) – und die großartige Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis).

Letztere bot im vergangenen Jahr wieder einmal ein unvergessliches Schauspiel, vor allem auf einem Mähder bei Mühlhausen i. T. Durch Zufall kam ich dort vorbei und war beeindruckt von der eigenartigen Ausstrahlung dieser alten Wiesenwirtschaftsform, die leider nur noch in sehr seltenen Resten erhalten ist: Aus dem hüfthohen, schon fruchtenden Gras der Wiese lugten einige hundert der weithin leuchtenden Blütenstände hervor; die Pyramidenorchis allein streute noch Farbe in das Wiesenbraun. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben war beeindruckend, Formen mit ungeteilter Lippe, langgestreckte Blütenstände, Farben im typischen knalligen Magenta, aber auch in verschiedenen Rosatönen und ein Blütenstand in Lachsrosa waren zu finden – fürwahr ein kleines Paradies, das ich dort erleben durfte.

Begleitet von weiteren botanischen Besonderheiten wie dem Gelben Enzian (Gentiana lutea),…

15-Juni-gentiana lutea-1-wiesensteig

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…in Hochblüte am 15. Juni bei Wiesensteig,…

3-Juli-Gentiana lutea-1

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…fruchtend am 3. Juli 2014 bei Mühlhausen i. T., ging meine Orchideensaison mit der Blüte von Echter Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Braunroter Stendelwurz (Epipactis atrorubens) langsam zu Ende. Erfreulicherweise hatten die Stendelwurzen letztes Jahr nicht so stark unter Dürre und Läusen zu leiden wie anno 2013 und gelangten daher auch zur Blüte.

Noch nicht ganz zu Ende war jedoch die Reihe botanischer Erlebnisse abseits der Orchideen, sah ich doch 2014 im August erstmals den Jura-Streifenfarn (Asplenium fontanum), der deutschlandweit nur in unserer Gegend bei Geislingen/Steige und Bad-Überkingen – Hausen autochthone Vorkommen hat und schattige, aber warme Felsen bewohnt.

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Bleibt mir, Ihnen viel Freude mit den Aufnahmen der vergangenen Saison und uns ein blütenreiches Jahr 2015 zu wünschen!

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Frühlingsfest

April 16, 2014

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muscari

Willkommen mitten im Orchideen-Frühling, werter Naturliebhaber!

Während unsere Mähder immer noch mit den letzten Blumen der typischen Frühblüher wie Schlüsselblumen und „Baurabüabla“ (Kleine Traubenhyazinthe – Muscari botryoides) geschmückt sind, haben auch unsere Orchideen schon eifrig mit der Blüte begonnen. So waren schon am 5. April 2014 die ersten vorwitzigen Blüten der Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) in den eingenebelten Heiden bei Bad Ditzenbach zu entdecken – so früh im Jahr habe ich das meiner Lebtag noch nicht erlebt:

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Die folgende Woche brachte Sonnenschein und Wärme und so ließ das Wochenende einiges erwarten – es startete denn auch mit einem absoluten Höhepunkt: Klaus Wohlfahrt hatte mir am Freitag eine sehr nette E-Mail geschrieben, in der er mich auf Spinnen-Ragwurzen bei Nenningen hinwies, auch eine apochrome Form sei dort zu finden! Dank seiner ausgezeichneten Beschreibung fand ich die wunderhübsche Pflanze am 12. April 2014 in Hochblüte:

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Auch die „normalen“ Spinnen boten in der Wacholderheide, die von Nestern des Frühlingsenzians übersät ist, einen entzückenden Anblick.

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Zu meiner großen Überraschung fand sich sogar eine Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) mit zwei geöffneten Blüten in der Nachbarschaft!

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Am 13. April 2014 zeigte sich auch die vor Wochenfrist besuchte Heide bei Bad Ditzenbach unter strahlendem Sonnenschein. Man mag kaum glauben, was sich innerhalb einer Woche in der Natur abspielt, wenn die Witterung entsprechende Voraussetzungen schafft – Große und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola) die Menge, austreibend, knospig und in Blüte, Orchideen-Nester in einem Meer von Küchenschellen-Fruchtständen oder neben Tuffs von leuchtend blauen Frühlingsenzianen: Ein wahrhaft paradiesischer Anblick.

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Bergan ging es dann durch die Heide, um ein wenig Felsenluft zu schnuppern. Am Waldesrand streckte die Nestwurz (Neottia nidus-avis) zwei weit entwickelte Knospenstände der Sonne entgegen, direkt am Wegesrand stand ein Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) prächtig in Blüte.

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Der Blick von den Felsen zeigt mir jedes Mal aufs Neue, wie unglaublich schön der Nordtrauf unserer Schwäbischen Alb, gerade auch im Oberen Filstal, ist. Die riesigen Kalkbrocken sind derzeit mit dem Blütenflor ihrer typischen Gehölze geschmückt, wie beispielsweise der Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und der Felsenmispel (Cotoneaster integerrimus):

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In warmen, nur licht beschatteten Waldpartien haben bereits Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit dem Blühen angefangen.

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Unweit der Felsen, nur wenige Meter vom Trauf entfernt auf der Alb-Hochfläche, zeigen sich auch die Bewohner der dortigen kleinen Heide von ihrer besten Seiten: Manns-Knabenkraut, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) und ihre Kinder (Orchis x hausknechtii) sind zum Teil schon voll erblüht, zum Teil noch in Knospe.

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So hat denn ein außerordentlich frühes Orchideenjahr begonnen; freudig erwarte ich die kommenden Feiertage, denn es gilt, noch viele weitere Biotope anzusteuern, um unseren grünen Freunden die österliche Aufwartung zu machen. Kann es denn ein schöneres Sinnbild für das altgermanische und christliche Hochfest geben als solch blühendes Leben?

Winterjuwelen

Februar 23, 2014

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Verehrter Besucher,

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nachdem der Winter 2013/14 wohl doch ausfallen will, war es an der Zeit, sich auf Schatzsuche zu begeben. Ziel waren unsere grünen Juwelen im Oberen Filstal, auch wenn sich die Natur auf den ersten Blick noch winterlich graubraun gibt.

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Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber schon viel Leben mitten im „Winter“, der bisher in der Region einfach nicht stattgefunden hat. In den feuchten Schluchtwäldern blühen die Märzenbecher (Leucojum vernum) zu tausenden, auf der Wacholderheide zeigen sich vorwitzig die ersten Blüten des Frühlingsenzians (Gentiana verna):

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Aber der 22. Februar 2014 hielt noch weitere Sehenswürdigkeiten auf der Wacholderheide bei Bad Ditzenbach bereit. Unsere heimischen Orchideen haben sich bereits mächtig ins Zeug gelegt und die Entwicklung ihrer Blätter weit vorangetrieben. Die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist zu hunderten leicht in den Halbtrockenrasen auszumachen; teilweise in schönen Gruppen glitzern die Rosetten gleich grünen Diamanten in der Sonne.  Auch Fliegen- und Bienen-Ragwurz (Ophrys insectifera und apifera) zeigen ihre Triebe. Das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), der Ohnsporn (Orchis antropophora), die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) – eifrig sind sie dabei, ihre Blätter zu entfalten, um jeden Sonnenstrahl einfangen zu können. Die auffallendste Erscheinung aber ist die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) – kraftstrotzend zeigt sie ihre Triebe dutzendweise.

Sollte der kalte General nicht doch noch zuschlagen wollen, dann dürfen wir uns auf eine reiche Blüte der frühen Arten freuen – der momentane Zustand der Pflanzen ist auf jeden Fall vielversprechend.

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes):

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Spinnen-Ragwurz und Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis):

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Pyramidenorchis:

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Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera):

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Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera):

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Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea):

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Manns-Knabenkraut (Orchis mascula):

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Ohnsporn (Orchis antropophora):

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Riemenzunge (Himantoglossum hircinum):

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h-hircinum-2014-22-feb

Alle Fotos sind, wie gesagt, am 22. Februar enstanden. Interessant ist der Vergleich mit dem Vorjahr – das folgende Bild von Himantoglossum habe ich letztes Jahr am 17. April aufgenommen!

h-hircinum-2013-17-april

Rückblick: Blühender Sommer

Oktober 1, 2013

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Lieber Orchideenfreund,

holunder-kaefer-22-6-2013---klein
die Käferhochzeit auf dem Holunderblütenschirm liegt nun auch schon gute drei Monate zurück. Da es mir während dieser Zeitspanne leider nicht möglich war, aktuell über das pflanzliche Geschehen in der Region zu berichten, will ich Sie wenigstens rückblickend an den wunderbaren Eindrücken des Sommers teilhaben lassen.

Der Frühsommer begann für mich mit der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), die an vielen Orten in der Region schön in Blüte stand und damit den bis dato überwältigenden Blütenflor bei unseren Orchideen fortsetzte; leider kam die schöne sommerliche Witterung auch den Läusen entgegen – und so waren zahlreiche Pflanzen der Bienen, aber auch der Händelwurz- und Stendelwurz-Arten stark von den Saugern befallen – zum Teil so sehr, dass schon die Knospenstände schlaff herabhingen und nicht mehr zur Blütenentfaltung kommen konnten. Nichtsdestotrotz waren auch schön blühende Pflanzen zu sehen, darunter solche Besonderheiten wie eine friburgensis-Varietät der Bienen-Ragwurz bei Unterböhringen, auf die mich Reinhard Nickl hingewiesen hatte. Von ihm stammte auch der Tip auf zwei ungewöhnlich kräftige Exemplare des Roten Waldvögeleins (Cephalanthera rubra) ganz in der Nähe. Mit Freunden Daniel und Chrischi machte ich mich auf, jene zu suchen – wir wurden nicht enttäuscht, und ich kann sagen, dass ich bisher zeitlebens keine solche Roten Waldvögeleien erlebt habe.

6-7-2013-c-rubra-+c+d

Am selben Berg bei Reichenbach i. T. waren noch gut zwei Dutzend weiterer schöner Exemplare zu finden, am Waldesrand und an lichten Waldstellen ließen sie ihre herrlichen Blüten in der Sonne leuchten – auch bei dieser Art darf man getrost von einer enorm reichen Blüte in diesem Jahr sprechen.

Erfreulich auch, dass ich Anfang Juli einen neuen Standort der Hohlzunge (Dactylorhiza viridis) kennenlernen durfte. Zwar wenige, aber schöne Exemplare standen bei Auendorf am 2. Juli in Hochblüte, und so besteht weiterhin Hoffnung für diese sehr seltene Art in der Region. Eine Nachsuche am mir bereits bekannten Standort bei Gruibingen blieb dieses Jahr allerdings leider erfolglos.

Auch andere Pflanzen haben diesen Sommer die ein oder andere Überraschung bereitet: So konnte ich am 9. Juli bei Reichenbach i. T. einen rosa blühenden Natternkopf (Echium vulgare) entdecken;

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der Berggamander (Teucrium montanum) bildete an steinigen Stellen herrliche Teppiche voller Blüten;

9-7-2013-Berg-Gamander-Teucrium montanum

und an einer Stelle im Halbtrockenrasen wuchs in einigen prächtigen Büscheln die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), zeigte letzte Blüten und schon beinahe reife Früchte. Gerüchteweise hatte ich schon von ihr im Gebiet gehört, und so war die Überraschung groß, sie gleich so prächtig und in relativ großer Zahl dort anzutreffen.

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9-7-2013-Kleine Wachsblume-Cerinthe minor

9-7-2013-Kleine Wachsblume-Cerinthe minor-3

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12-7-2013-D-lutea-2

Überraschend war auch der Fund einer Pflanze des kleinblütigen Gelben Fingerhutes (Digitalis lutea) in diesem wunderbaren Biotop zwei Tage später und noch überraschender – wiederum zwei Tage später – die Tatsache, einer weiteren Ohnsporn-Pflanze (Orchis antropophora) ebendort gegenüberzustehen. Dazu eine nette Anekdote: Nachdem ich die Fotos des Ohnsporns bei Unterböhringen veröffentlicht hatte, schrieb mir Herr Gerhard Hägele, dass er sich über die Ortsangabe gewundert hätte; er habe den Ohnsporn nämlich bei Reichenbach i. T. gesehen. Ich bat ihn natürlich sofort, mir den genauen Standort zu nennen – und siehe da, tatsächlich blühte, unweit eines Weges, den ich gewöhnlich jedes Jahr mehrere Male einschlage, dieses Jahr aber noch gar nicht genommen hatte (wohl im Gedanken, sowieso schon alle Pflanzen zu kennen, die dort wachsen), eine weitere Orchis antropophora. Man sieht, welche Überraschungen die Natur zu bereiten weiß – das Glücksgefühl ist natürlich unbeschreiblich, heuer gleich zwei Pflanzen der Art gesehen haben zu dürfen. Und die Spannung steigt, was wohl nächste Saison zu erwarten ist.

Mit Fortschreiten des Sommers und der anhaltend warmen und trockenen Witterung wurde es für unsere später blühenden Orchideen immer schwieriger – zum fehlenden Wasser kam der immer stärker werdende Läusebefall, der vor allem bei Rotbrauner und Müllers Stendelwurz (Epipactis atrorubens und muelleri) in der regiorchis dieses Jahr beinahe zu einem Blüten-Totalausfall geführt hat, weil die Knospen einfach nicht fortkamen. Halbwegs gut verkraftet haben diese Situation die Echte Sumpfwurz und die Schmallippige Stendelwurz (Epipactis palustris und leptochila), wohl deshalb, weil ihre Biotope besser mit Wasser versorgt bzw. gut beschattet sind. Auch bei den letztgenannten Arten war aber teils heftiger Läusebefall festzustellen.

Weitere blumige Höhepunkte das Sommers waren bei Nenningen zu finden: Dort blühte am 22. Juli in großer Zahl an einer wechselfeuchten Stelle eines Halbtrockenrasens das entzückende Kleine Tausengüldenkraut (Centaurium pulchellum), das ich sonst noch nirgendwo in der Region gesehen hatte – ebensowenig wie den Klebrigen Salbei (Salvia glutinosa): Soweit ich inzwischen weiß, kommt diese gelb blühende Art im weiteren Umkreis nur an dieser Stelle bei Nenningen vor.

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22-7-2013-Salvia glutinosa

Ganz nebenbei bieten botanische Exkursionen in der Region auch noch atemberaubende Ausblicke, wie beispielsweise der Blick von der romantisch gelegenen Reiterles-Kapelle ins Remstal Richtung Schwäbisch Gmünd.

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22-7-2013-Remstal

Vom Gelben Enzian (Gentiana lutea) war, neben vielen prächtigen Blättern, ein Fruchtstand zu sehen – eine wirklich imposante Erscheinung bietet unser größter Enzian, aus dessen Wurzeln der bekannte Schnaps gewonnen wird.

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Ein beindruckendes Schauspiel bot sein kleinerer blaublühender Verwandter, der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata): Er blühte in vielen hundert Exemplaren in einer steilen Heide, zum Teil in prächtigen Gruppen, und sein leuchtendes Blau strahlte an diesem sonnigen Tag einfach atemberaubend. Hin und wieder waren an den Pflanzen die winzigen weißen Eier des Kreuzenzian-Ameisenbläulings (Phengaris rebeli) zu entdecken.

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Abschließen will ich diesen Bericht mit einigen Bildern der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die mit Dutzenden ihrer Spätsommer-Blüten (Fotos von Reichenbach i. T. am 28. August) diesem ungewöhnlichen Blütenjahr wohl noch einige lilafarbene Krönchen aufsetzen wollte.

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Neue Orchideenfotos finden Sie in den Rubriken Ophrys apifera, Dactylorhiza viridis, Cephalanthera rubra, Epipactis palustris, Epipactis leptochila, Orchis antropophora. Viel Vergnügen!

Lebende Legende

Juni 27, 2013

Geschätzter Pflanzenfreund,

teufelskralle
das außergewöhnliche Orchideenjahr findet eine überraschende Fortsetzung.

Gerüchteweise hatte man die letzten Jahre schon öfters von ihm gehört, in der Literatur und auf Verbreitungskarten finden sich ebenfalls Hinweise auf ihn für die Region; allein, zu Gesicht bekommen habe ich ihn noch nie. Die Rede ist vom Ohnsporn (Orchis antropophora, früher Aceras antropophorum). Am 18. Juni 2013 war es dann soweit, dass ich die rare Schönheit in der regiorchis bewundern durfte – dank Herrn Peter Heinrich Lesky. Er hatte mir eine E-Mail mit Foto vom vorhergehenden Sonntag geschickt, für mich der erste bildliche Nachweis der Art im Oberen Filstal:

18-6-2013-o-antropophora-peter-heinrich-lesky

Nachdem er mir in einer weiteren Mail eine Standortbeschreibung und -skizze hatte zukommen lassen, gab es natürlich kein Halten mehr, und noch am frühen Abend des 18. Juni ging es mit Freunden Daniel und Christian auf die Wacholderheide bei Unterböhringen. Nach kurzer Suche fanden wir tatsächlich Herrn Leskys Pflanze, wunderbar in der Abendsonne leuchtend, die hängenden Männlein in Hochblüte, die untersten bereits abblühend. Obwohl wir uns noch umschauten, blieb es bei diesem einen Individuum – so wie Herr Lesky bereits geschrieben hatte, der ebenfalls keine weitere(n) im Gebiet finden konnte. Ist dieser Ohnsporn also ein Pionier in der Gegend oder sind wohl noch weitere Individuen im unübersichtlichen Gelände versteckt? Wiederholt sich hier ein ähnliches Phänomen wie bei der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) vor rund 30 Jahren, als ich die erste sehen durfte und sich die prächtigen Burschen bei uns immer mehr ausgebreitet und etabliert haben? Es wird spannend werden, die Entwicklung des Ohnhorns die nächsten Jahre zu beobachten!

Am nächsten Tag besuchte ich die Heide nochmals, diesmal am frühen Nachmittag. Wunderbar zeigten sich die Puppen der Orchidee im Sonnenschein; auch diesmal konnte ich keine weiteren Individuen entdecken – bleiben also die Fotos jenes scheinbar einsamen Siedlers, die Sie in der neuen Rubrik Orchis antropophora betrachten können.

Auch sonst hat sich einiges getan in der regiorchis. Sie finden neue Aufnahmen in den Kapiteln Cephalanthera damasonium, Dactylorhiza x aschersoniana, Neottia nidus-avis, Platanthera bifolia, Himantoglossum hircinum, Neottia ovata und (ebenfalls neu) Dactylorhiza x braunii.

Viel Freude und Vergnügen wünsche ich!

Purpur-Traum

Juni 10, 2013

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Verehrter Naturfreund,

05-06-2013-Artikel

nach dem tagelangen Dauerregen und dem Hochwasser-Wochenende mit Überschwemmungen herrscht mittlerweile angenehmes Frühsommerwetter in der Region. So dürfte die Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) bald in Blüte stehen, wie sie es mancherorts bereits tut. Nach dem annähernden Totalausfall des letzten Jahres sind heuer erfreulich viele Blütentriebe festzustellen.

Flora feiert derzeit ein rauschendes Fest, die extensiver genutzten Mähwiesen schmücken sich mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Blüten, so dass großartige bunte Teppiche zu bewundern sind.

05-06-2013-blumige wies-2a

05-06-2013-blumige wies

Die  Heiden werden vom Hornklee in wogende gelbe Meere verwandelt:

05-06-2013-aspekt biotop

Und die Orchideen schreiben Kapitel um Kapitel von Blütenreichtum und Lebensfreude in ihre diesjährige Chronik. Ein besonders bemerkenswertes verfasst das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea). Eine kleine Exkursion bei Deggingen bescherte mir die Begegnung mit sage und schreibe zehn blühenden Exemplaren; so wurde binnen Stundenfrist die Anzahl der Individuen, die ich bis dato in meinem Leben in der Region bewundern durfte, verdreifacht!  Scheinbar hat auch dieser prächtigen Orchideen-Art das Wetter der letzten Monate gut getan, außerdem scheint sie von den Pflegemaßnahmen profitiert zu haben, die in Teilen des großen Wacholderheidegebiets durchgeführt worden sind; einige Exemplare waren nämlich auf kürzlich von Gehölzaufwuchs freigeräumten Flächen anzutreffen. Vier Pflanzen hatten sich beinahe in einem Wacholderbusch versteckt –  diesen Zufallsfund verdankte ich der Benutzung eines schmalen Pfades, den ich eigentlich als Abkürzung gewählt hatte, um den Bus heimwärts noch zu erreichen. Es schadet also tatsächlich nicht, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Auch wunderbar anzusehen ist, was die Ragwurzen dieses Jahr treiben: Nach dem furiosen Auftakt durch die Spinnen- und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola), die immer noch schöne Blüten zeigen (letztere allerdings nur noch vereinzelt) haben sich nun auch Fliegen- und Hummel-Ragwurz (Ophrys insectifera und holoserica) mit ihren Blumen hinzugesellt; die Wacholderheide bei Bad Ditzenbach, die dieses unvergleichliche Schauspiel offenbart, bietet geradezu ein Lehrstück über die heimischen Ophrys-Arten, gesellen sich doch noch die Hybriden von Hummel- und Spinnen-Ragwurz (Ophrys x obscura), Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis) und Hummel- und Kleiner Spinnen-Ragwurz (Ophrys x pulchra) hinzu. Ein solches Fleckchen Erde ist eine wahre Wonne, zumal hier auch noch Helm-Knabenkräuter (Orchis militaris) die Menge wachsen, begleitet von ihren Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida); außerdem sind schon die Knospen der Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), erste blühende Zweiblätter (Neottia ovata) sowie die Austriebe von Pyramiden-Orchis (Anacamptis pyramidalis) und Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) zu entdecken.

Bleibt zu sagen, dass sich die außergewöhnlich reiche Blüte bei unseren floralen Kleinodien nach dem verheißungsvollen Beginn auch bei den später blühenden Arten fortzusetzen scheint. Man darf also weiterhin gespannt bleiben und auf schöne Überraschungen hoffen…

Ihnen wünsche ich viel Freude mit den neuen Eindrücken in den Sparten Ophrys holoserica, Ophrys insectifera, Ophrys x devenensis, Ophrys x obscura , Ophrys x pulchra, Orchis purpurea, Orchis militaris, Orchis x hybrida.

Angesengte Wiese, spinnenfeine Heide

Mai 23, 2013

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Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger),
lieber Besucher,

10-5-2013-Limax cinereoniger-Schwarzer Schnegel

fühlt sich bei der derzeit herrschenden nass-kühlen Witterung pudelwohl. Auch unsere Orchideen scheinen vom klimatischen Verlauf von Winter und Frühling zu profitieren: Nach der Blütenexplosion des Blassen Knabenkrauts (Orchis pallens) zeigen derzeit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), seine Hybriden mit der gelben Schwester (Orchis x haussknechtii), Kleine und Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und sphegodes), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ihre Infloreszensen in einer Pracht und Anzahl, dass dem Betrachter das Herz aufgeht. Es scheint sich zu bestätigen, dass heuer ein außergewöhnlich gutes Orchideenjahr ins Land gezogen ist.

Dolycoris baccarum Beerenwanze

Auf der Wiese der Narren bei Reichenbach u. R. hat Exkursionsfreund Timo und mich am 15. Mai 2013 eine Beerenwanze (Dolycoris baccarum) bei der Ankunft begrüßt. Die Kleinen Knabenkräuter (Anacamptis morio) hatten ihren Blütenhöhepunkt erreicht, größtenteils schon überschritten.

15-Mai-2013-A-morio

15-Mai-2013-A-morio-2

Unser eigentliches Ziel waren aber die Blütenstände des Brand-Knabenkrauts; nach einem sehr netten Telefonat mit Herrn Nickl aus Süßen, der nach 30 Jahren heuer wieder die schönen Zwerge fotografiert hat und mich auf ihre aktuelle Blüte hingewiesen hatte, machten wir uns auf und wurden aufs Angenehmste überrascht: Über 20 Infloreszensen konnten wir in der herrlichen Bergwiese ausmachen, und es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Pflanzen blühenderweise im hohen Gras der Sonne entgegenreckten, denn die Schönheiten sind ob ihrer Winzigkeit nicht leicht auszumachen. Eine solche Anzahl habe ich in den vielen Jahren meiner Besuche noch nicht zu Gesicht bekommen!

Drei Tage später wurden Freund Christian und ich von der Blüte unserer beiden Spinnen-Ragwurzen bei Bad Ditzenbach überwältigt. Dutzende Exemplare der Kleinen und Großen lachten mit ihren Blumen in die Sonne; äußerst kräftige Pflanzen schmückten sich mit bis zu 15 Blüten, prächtige Gruppen waren zu sehen, zum Teil waren die Blütenstände voll erblüht, andere zeigten sich noch ganz am Anfang ihrer Entfaltung. Es ist derzeit eine Freude, die Unterschiedlichkeit der Individuen zu studieren, denn auch die Spinnen zeigen eine außergewöhnlich reiche Blüte. Als Sahnehäubchen hatte das Helm-Knabenkraut mit der Blüte begonnen, ebenso seine Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida) und eine Hummel-Fliegen-Kreuzung (Ophrys x devenensis).

18-5-2013-o-sphegodes-x-insectifera

Auch die Fliegen– und Hummel-Ragwurz (Orchis insectifera und holoserica) schicken sich an, in die Blütensymphonie mit einzustimmen. Aus einem durch einen Zaun abgetrennten Bereich der Heide  leuchtete weithin sichtbar das Manns-Knabenkraut in einer starken Gruppe. Beim Verlassen des Biotops waren wir beinahe sprachlos ob der geschauten Pracht.

Schon in der Gegend, beschlossen wir, dem wunderbaren Biotop oberhalb des Kurortes noch einen Besuch abzustatten. Esche (Fraxinus excelsior) und Traubeneiche (Quercus petraea) hießen uns mit schön gefärbten Blattaustrieben willkommen, auf der Heide stand die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) kurz vor dem Erblühen, der Mairitterling (Calocybe gambosa) zierte mit seinen Fruchtkörpern den sonnigen Gehölzrand.

18-5i-2013-esche

18-5-2013-eiche

18-5-2013-Vielblütige Weißwurz-Polygonatum multiflorum

Calocybe gambosa-Mairitterling

Der weitere Weg belohnte uns mit einer überwältigenden Aussicht ins Obere Filstal,

18-5-2013-oberes filstal

bevor wir schließlich unser Ziel erreichten: Die Heideecke, die zu Monatsbeginn noch dem Blütenrausch des Blassen Knabenkrauts vorbehalten war, zeigte jetzt eine verschwenderische Fülle von Manns-Knabenkraut in Hochblüte, Blassem Knabenkraut im Abblühen und eine Vielzahl von Hybriden der beiden. Das Farbenspiel im Wechsel von Sonne und Wolken war einfach unbeschreiblich.

Am 20. Mai 2013 schließlich durfte ich in Begleitung von Alix und Barillo die Herrlichkeit der Knabenkraut-Blüte bei Nenningen bewundern; auf dem Weg zur Feuchtwiese im hintersten Winkel des Seitentals der Lauter wartete eine Überraschung: Im Randbereich eines Fichtenforsts (!) zeigte sich ein knospiges Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) kurz vor dem Aufblühen! Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Standort für einen Bewohner des lichten Schattens. Auf der Feuchtwiese war dann das Breitblättrige Knabenkraut zu bewundern – im Sonnenschein, nachdem uns auf dem Weg Schauer und Donner begleitet hatten.

Sie sehen, werter Naturfreund, dass sich in der Region derzeit vieles tut, was unsere heimische Orchideen und die Flora überhaupt anbelangt – und das bei dem ungewöhnlich nassen und kalten Maienwetter. Glücklicherweise war uns auf allen Exkursionen die Sonne zumindest teilweise hold; ich wünsche Ihnen daher viel Vergnügen mit den neuen Fotos in den Rubriken Neotinea ustulata, Ophrys araneola, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris, Orchis purpurea und Dactylorhiza majalis.

Zartgelbe Bande

Mai 5, 2013

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Geneigter Orchideenfreund,

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nach  langen trüben Wintertagen ist es in der Region endlich Frühling geworden, auch wenn das Wetter aus menschlicher Sicht oft noch zu wünschen übrig lässt. Doch bringen die häufigen Regengüsse unseren pflanzlichen Freunden dringend benötigtes Wasser, denn weder Spätwinter noch Frühjahr haben sie mit dem lebenswichtigen Nass übermäßig verwöhnt. So entfaltet sich allerorten Leben und die Natur webt momentan farbige florale Bänder in Wald und Wiesen und holt nach, was wir eigentlich schon vor Monatsfrist erwartet haben: Buschwindröschen (Anemone nemorosa) bilden weiße Teppiche im Unterholz, an manchen Stellen zeigen sie im Verblühen ein leuchtendes Scharlachrot.

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Die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) zeigen neben sich entwickelnden Fruchtständen immer noch Blüten.

1-mai-2013-biotop

Frühlingsenziane (Gentiana verna) verwandeln etliche Heidestücke in ein azurblaues Meer; bei Bad Ditzenbach gefällt es einigen Exemplaren, sich mit veilchenfarbenen Blüten zu schmücken:

1-mai-2013-gentiana verna

Gelbe Bande weben die Schlüsselblumen (Primula veris) in die Heiden und durch die Gehölzränder;

1-mai-2013-primula veris

auch unsere heimischen Orchideen wollen dem nicht mehr länger nachstehen, allen voran das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens), das sich dieses Jahr in bemerkenswerter Anzahl in Blüte präsentiert. Es ist eine Freude, die zartgelben Flecken schon von Weitem leuchten zu sehen und bei näherem Augenschein knospende, aufblühende und hochblühende Exemplare zu entdecken. Die Hybriden mit dem Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) stehen kurz vor der Entfaltung der Infloreszensen, manche haben bereits ein, zwei Blüten geöffnet, während der rotblühende Elternteil überall noch knospig steht.  Es ist heuer also wirklich ein richtiges „pallens-Jahr“, wie auch aus anderen Gegenden Deutschlands zu vernehmen ist.

Auch Anacamptis morio, unser Kleines Knabenkraut, hat inzwischen richtig losgelegt und steht in Hochblüte. Musste man vor zehn Tagen noch nach den Rosetten suchen, präsentieren sich die kleinen Narren jetzt von ihrer schönsten Seite: Die meisten Pflanzen sind herrlich erblüht, einige wenige stehen noch knospig.

Zögerlich haben auch die Spinnen-Ragwurz und ihre kleine Verwandte (Ophrys sphegodes und araneola) begonnen, erste Blumen zu öffnen, ebendies lässt sich beim Breitblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) feststellen. Die Austriebe von Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) und anderen Arten geben ob ihrer Anzahl und kräftigen Anmutung Hoffnung auf ein gute Blüte bei unseren heimischen Orchideen:

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h-hircinum

Erste Eindrücke des Orchideenjahres 2013 in der regiorchis finden Sie in den Rubriken Orchis pallens und Anacamptis morio. Viel Freude beim Anschauen!

Alle Jahre wieder – schön

August 21, 2012

Werter Naturfreund,

bei dem derzeit in der regiorchis herrschenden Hochsommer-Wetter leuchten die Golddisteln (Carlina vulgaris) mit ihrer Lichtquelle um die Wette. Ihr prächtiges Gold verzaubert die Magerrasen und Waldränder und begleitet mit ihrem Flor die Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis), die uns alle Jahre wieder die letzten Orchideenblüten schenkt. Am 17. August 2012 stehen die Winzlinge in ihren Rasen zwischen Gruibingen und Weilheim u. T. in Hochblüte – allerdings in erschreckend geringer Anzahl: An dem Standort, an dem vor zwei Jahren einige hundert  Blütenstände zu bewundern waren, konnte ich, nach längerer Suche und Dank der Unterstützung von Freund Christian, diesmal gerade 15 Infloreszensen zählen. Im zweiten Biotop, das traditionell schwächer mit Drehwurzen bestückt ist, dürfte nochmals dieselbe Anzahl blühen. Ob hier wohl die Witterung des Jahres die Ursache bildet? Man hat ja schon aus anderen Gegenden von dem Phänomen gehört, dass nach blühstarken Jahren die Population scheinbar beinahe zusammenbricht, um sich dann (langsam) wieder zu erholen. Bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation im nächsten Jahr präsentieren wird.

Nichtsdestotrotz stehen die beiden Magerwiesen immer noch in schöner Hochsommerblüte, und sie erfreuen mit ihren alten Hutebäumen und dem regen Pflanzen- und Tierleben den Betrachter. Bei Spiranthes spiralis finden Sie fotografische Impressionen der letzten Orchideenblüten dieser Saison. Viel Spaß damit!

Alles neu macht der Mai

Juni 3, 2012

Geschätzter Orchideenfreund,

dieser bekannte Spruch trifft auch auf unsere heimischen Orchideen zu, denn der Mai ist einer der Haupt-Blütenmonate vor allem der mediterranen Schönheiten. Es ist allerdings festzustellen, dass nach den herben Kahlfrösten im Winter alles später blüht als in den beiden vorhergehenden Jahren und die Blüte bei den meisten Arten auch weitaus spärlicher ausfällt. So sind die Infloreszensen von Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und ihrer kleinen Schwestern Ophrys araneola bei weitem nicht so reichlich anzutreffen wie vor Jahresfrist. Auch die wunderbare Wiese bei Bad Ditzenbach, die einer Vielzahl der Hybriden von Manns- und Blassem Knabenkraut (Orchis x haussknechtii) Heimstatt ist, bietet nicht den atemberaubenden Anblick der letzten Jahre: Wenige Pflanzen blühen, die meisten haben nur sterile Triebe gebildet. Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) und das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) dagegen scheinen halbwegs gut zu blühen, wenn auch ebenfalls nicht in solcher Fülle. Überraschend ist andererseits die Pracht, die das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) auf seiner Feuchtwiese bei Nenningen heuer präsentiert: Dort stehen sehr viele Pflanzen in Blüte, ich kann mich nicht erinnern, jemals schon so viele, zum Teil prächtigste Exemplare dort bewundert haben zu dürfen.

Es lässt sich also feststellen, dass die Tendenz zu einem eher schwachen Orchideen-Blütenjahr, wie sie auch in anderen Teilen Deutschlands festgestellt wird, in der Region ebenfalls auf die meisten Arten zuzutreffen scheint. So konnte ich bisher bei der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die in vielen Gegenden wohl blütenmäßig total auszufallen scheint, nur Blattrosetten in den Heiden ausmachen – gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die ein oder andere Pflanze, später als gewohnt, noch einen Blütenstand treibt. Denn ehrlich gesagt haben uns die letzten Jahre ja verwöhnt, mit ungewöhnlich milden Wintern und warmen Frühjahren, die den mediterranen Arten eben sehr entgegenkamen. Dieses Jahr scheint ein „normaleres“ für unsere Klimazone zu werden – wovon auf der anderen Seite die Arten der gemäßigten Zone wie Dactylorhiza majalis zu profitieren scheinen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch dieses Jahr wieder viel Schönes zu sehen. Aktuelle Fotos finden Sie bei Anacamptis morio, Cypripedium calceolus, Dactylorhiza majalis, Neotinea ustulata, Neottia nidus-avis, Neottia ovata, Ophrys araneola, Ophrys insectifera, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris und Orchis pallens.  Hingewiesen sei auf ein schönes Foto, das mir Herr Lesky hat zukommen lassen: Es zeigt die Hybride von Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis). Viel Spaß beim Anschauen!