Posts Tagged ‘Bienen-Ragwurz’

Neues Jahr – vergangene Blüten

Januar 1, 2015

linie2

10-Mai-Bläuling
Lieber Naturfreund,

es ist schon eine Weile her, dass die Bläulinge sich mit den Mineralien aus der Hinterlassenschaft eines Kleinsäugers gestärkt haben. Auch die Orchideenblüte der Saison 2014 gehört der Vergangenheit an; leider war es mir zeitlich nicht möglich, die Eindrücke der zurückliegenden Orchideensaison aktuell zu präsentieren – ich halte den Jahreswechsel daher für einen geeigneten Zeitpunkt, auf die Blütenpracht des vergangenen Jahres zurückzublicken.

Nach dem milden Winter war die Pflanzenwelt allgemein früh gewillt, ihre Blumen der Sonne entgegenzustrecken. So blühte bereits Ende April der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) bei Geislingen…

25-April-Lithospermum purpurocaeruleum

…und die Hausener Wand schmückte sich bald im Jahr mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) und zartem Laub.

27-April-Alyssum montanum-2

27-April-Alyssum montanum-4

27-April-Hausener Wand

27-April-Hausener Wand-3

27-April-Hausener Wand-4

Ebenfalls sehr zeitig in Blüte war die Hohlzunge (Dactylorhiza viridis). Bereits am 26. April 2014 hatten Freund Christian und ich bei Nenningen auf einer kleinen Waldwiese einige Exemplare entdeckt, interessanterweise ein Standort, von dem ich Hinweise schon aus den 1970er-Jahren hatte.

Mit Verstärkung von Bruder Dominik konnten wir dann am 4. Mai an die 30 Exemplare ausfindig machen. Das war fürwahr ein früher Höhepunkt der Saison, auch weil die malerische Gegend um Nenningen viele weitere, nicht nur florale Sehenswürdigkeiten bietet, wie beispielsweise die Reiterleskapelle oder die Ruinen von Burg Granegg.

Reiterleskapelle

4-Mai-Granegg

Begrüßt von einer Ziegenherde steuerten wir am selben Tag dann einen Standort bei Degenfeld an, von dem ich ebenfalls Hinweise auf die Hohlzunge erhalten hatte.

4-Mai-Goißa

Nach steilem Aufstieg wurden wir in dieser Hinsicht zwar nicht fündig, wurden dafür aber reichlich entschädigt: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) stand auf dem Berg bereits in herrlicher Blüte und beim Abstieg zurück in das liebliche Degenfeld durften wir am steilen heißen Hang die olfaktorischen und optischen Reize der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) genießen. Die Wiesen am Hangfuß verzauberten uns schlussendlich mit einer Blütenpracht, an der vor allem der „Guggigei“ (Bocksbart) den Hauptanteil hatte.

4-Mai-Guggigai-2

4-Mai-Guggigai-3

Der Mai brachte, sobald es die Zeit zuließ, ein herrliches Erlebnis nach dem anderen. Frauenschuh (Cypripedium calceolus) leuchtete in der Monatsmitte im lichten Schatten bei Unterböhringen, um Pfingsten dann auch auf der Hochfläche unserer wunderschönen Alb bei Luizhausen, hier in Gemeinschaft mit der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) und Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) in starken Populationen oder Einzel-Exemplaren – der Wonnemonat brannte ein wahres Feuerwerk ab. Und das nicht nur im Hinblick auf die Orchideen, sondern auch auf weitere Besonderheiten wie rosa blühenden Wiesensalbei oder Sommerwurzen.

10-Mai-Salvia pratensis rosea

15-Mai-Orobanche-1

15-Mai-Orobanche-2

15-Mai-Orobanche-3

Hervorzuheben ist für 2014 der Ohnsporn (Orchis antropophora). Scheinbar bestätigt sich die letztjährige Vermutung, dass er eine ähnliche Entwicklung in der Region einschlagen will wie die Riemenzunge vor 30 Jahren: Er scheint sich bei uns neues Terrain zu erobern – vielleicht ausgehend von einer stabil erscheinenden Population von rund 30 Individuen bei Deggingen. Auf einen Hinweis eines Wiesensteiger Naturkenners durfte ich das herrliche Biotop dieses Jahr erstmals erleben und war begeistert nicht nur von den schlanken Puppenorchideen, sondern auch von der Masse an Fliegen-Ragwurzen in dem Biotop. Bei Reichenbach i. T., wo ich letztes Jahr ein Exemplar des Ohnsporns bewundern durfte, fand ich heuer schon zwei – und bestimmt sind im weitläufigen Gelände noch weitere vorhanden. Darüberhinaus konnte ich ein fruchtendes Exemplar bei Wiesensteig finden.

Schön geblüht haben in 2014 das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), wovon ich mich auf einem Spaziergang am 17. Mai rund um Deggingen überzeugen durfte, der darüberhinaus auch wundervolle landschaftliche Eindrücke bot, wie beispielsweise blühende Salbeiwiesen oder den Blick auf die Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach.

17-Mai-Salvia pratensis

17-Mai-Hiltenburg

Immer wieder zog es mich in das herrliche Obere Filstal und seine Seitentälchen, wo sich die Wiesen und Heiden an pflanzlichem Schmuck in der zweiten Mai-Hälfte gegenseitig überbieten wollten. Während die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schon ihre silbrigen Früchte präsentierten…

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-1

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-2

…standen die Frühsommerblüher im schönsten Blumenschmuck: Akelei (Aquilegia vulgaris), Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und sogar die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), von der keiner weiß, wie sie in eine Wacholderheide bei Reichenbach i. T. gelangt ist, die aber dort schon seit Jahrzehnten immer wieder in reichlichem Bestand zur Blüte kommt, sind köstlichste Zierden unserer heimischen Natur.

20-Mai-Aquilegia vulgaris-1

24-Mai-Antennaria dioica-1

24-Mai-Antennaria dioica-4

24-Mai-Antennaria dioica-3

24-Mai-Antennaria dioica-2

20-Mai-Cerinthe minor-1

20-Mai-Cerinthe minor-2

20-Mai-Cerinthe minor-3

20-Mai-Cerinthe minor-4

20-Mai-Cerinthe minor-5

Davon profitiert auch die Fauna:

20-Mai-Hase

Unsere Orchideen trugen eifrig ihren Teil zu dieser Pracht bei: Das Große Zweiblatt (Neottia ovata), die Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) zeigten sich von ihren besten Blütenseiten. Ihnen folgten im Juni Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) in Massen, Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – auch langgeöhrt (var. aurita) – und die großartige Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis).

Letztere bot im vergangenen Jahr wieder einmal ein unvergessliches Schauspiel, vor allem auf einem Mähder bei Mühlhausen i. T. Durch Zufall kam ich dort vorbei und war beeindruckt von der eigenartigen Ausstrahlung dieser alten Wiesenwirtschaftsform, die leider nur noch in sehr seltenen Resten erhalten ist: Aus dem hüfthohen, schon fruchtenden Gras der Wiese lugten einige hundert der weithin leuchtenden Blütenstände hervor; die Pyramidenorchis allein streute noch Farbe in das Wiesenbraun. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben war beeindruckend, Formen mit ungeteilter Lippe, langgestreckte Blütenstände, Farben im typischen knalligen Magenta, aber auch in verschiedenen Rosatönen und ein Blütenstand in Lachsrosa waren zu finden – fürwahr ein kleines Paradies, das ich dort erleben durfte.

Begleitet von weiteren botanischen Besonderheiten wie dem Gelben Enzian (Gentiana lutea),…

15-Juni-gentiana lutea-1-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-2-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-3-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-4-wiesensteig

…in Hochblüte am 15. Juni bei Wiesensteig,…

3-Juli-Gentiana lutea-1

3-Juli-Gentiana lutea-2

…fruchtend am 3. Juli 2014 bei Mühlhausen i. T., ging meine Orchideensaison mit der Blüte von Echter Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Braunroter Stendelwurz (Epipactis atrorubens) langsam zu Ende. Erfreulicherweise hatten die Stendelwurzen letztes Jahr nicht so stark unter Dürre und Läusen zu leiden wie anno 2013 und gelangten daher auch zur Blüte.

Noch nicht ganz zu Ende war jedoch die Reihe botanischer Erlebnisse abseits der Orchideen, sah ich doch 2014 im August erstmals den Jura-Streifenfarn (Asplenium fontanum), der deutschlandweit nur in unserer Gegend bei Geislingen/Steige und Bad-Überkingen – Hausen autochthone Vorkommen hat und schattige, aber warme Felsen bewohnt.

August-Asplenium fontanum-FREI

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

August-Asplenium fontanum-4

August-Asplenium fontanum-5

August-Asplenium fontanum-6

Bleibt mir, Ihnen viel Freude mit den Aufnahmen der vergangenen Saison und uns ein blütenreiches Jahr 2015 zu wünschen!

linie2

Advertisements

Winterjuwelen

Februar 23, 2014

linie2

Verehrter Besucher,

strunk-pilze

nachdem der Winter 2013/14 wohl doch ausfallen will, war es an der Zeit, sich auf Schatzsuche zu begeben. Ziel waren unsere grünen Juwelen im Oberen Filstal, auch wenn sich die Natur auf den ersten Blick noch winterlich graubraun gibt.

22-2-2014-landschaft-1

22-2-2014-landschaft-2

Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber schon viel Leben mitten im „Winter“, der bisher in der Region einfach nicht stattgefunden hat. In den feuchten Schluchtwäldern blühen die Märzenbecher (Leucojum vernum) zu tausenden, auf der Wacholderheide zeigen sich vorwitzig die ersten Blüten des Frühlingsenzians (Gentiana verna):

22-2-2014-g-verna-1

22-2-2014-g-verna-2

Aber der 22. Februar 2014 hielt noch weitere Sehenswürdigkeiten auf der Wacholderheide bei Bad Ditzenbach bereit. Unsere heimischen Orchideen haben sich bereits mächtig ins Zeug gelegt und die Entwicklung ihrer Blätter weit vorangetrieben. Die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist zu hunderten leicht in den Halbtrockenrasen auszumachen; teilweise in schönen Gruppen glitzern die Rosetten gleich grünen Diamanten in der Sonne.  Auch Fliegen- und Bienen-Ragwurz (Ophrys insectifera und apifera) zeigen ihre Triebe. Das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), der Ohnsporn (Orchis antropophora), die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) – eifrig sind sie dabei, ihre Blätter zu entfalten, um jeden Sonnenstrahl einfangen zu können. Die auffallendste Erscheinung aber ist die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) – kraftstrotzend zeigt sie ihre Triebe dutzendweise.

Sollte der kalte General nicht doch noch zuschlagen wollen, dann dürfen wir uns auf eine reiche Blüte der frühen Arten freuen – der momentane Zustand der Pflanzen ist auf jeden Fall vielversprechend.

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes):

22-2-2014-o-sphegodes-2

22-2-2014-o-sphegodes-3

22-2-2014-o-sphegodes-1

Spinnen-Ragwurz und Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis):

22-2-2014-a-pyramidalis+o-sphegodes

Pyramidenorchis:

22-2-2014-a-pyramidalis

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera):

22-2-2014-o-apifera

Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera):

22-2-2014-o-insectifera-1

22-2-2014-o-insectifera-2

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea):

22-2-2014-g-conpsea

Manns-Knabenkraut (Orchis mascula):

22-2-2014-o-mascula-2

22-2-2014-o-mascula-1

Ohnsporn (Orchis antropophora):

22-2-2014-o-antropophora

Riemenzunge (Himantoglossum hircinum):

22-2-2014-h-hircinum-1

22-2-2014-h-hircinum-3

22-2-2014-h-hircinum-2

h-hircinum-2014-22-feb

Alle Fotos sind, wie gesagt, am 22. Februar enstanden. Interessant ist der Vergleich mit dem Vorjahr – das folgende Bild von Himantoglossum habe ich letztes Jahr am 17. April aufgenommen!

h-hircinum-2013-17-april

Rückblick: Blühender Sommer

Oktober 1, 2013

linie2

Lieber Orchideenfreund,

holunder-kaefer-22-6-2013---klein
die Käferhochzeit auf dem Holunderblütenschirm liegt nun auch schon gute drei Monate zurück. Da es mir während dieser Zeitspanne leider nicht möglich war, aktuell über das pflanzliche Geschehen in der Region zu berichten, will ich Sie wenigstens rückblickend an den wunderbaren Eindrücken des Sommers teilhaben lassen.

Der Frühsommer begann für mich mit der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), die an vielen Orten in der Region schön in Blüte stand und damit den bis dato überwältigenden Blütenflor bei unseren Orchideen fortsetzte; leider kam die schöne sommerliche Witterung auch den Läusen entgegen – und so waren zahlreiche Pflanzen der Bienen, aber auch der Händelwurz- und Stendelwurz-Arten stark von den Saugern befallen – zum Teil so sehr, dass schon die Knospenstände schlaff herabhingen und nicht mehr zur Blütenentfaltung kommen konnten. Nichtsdestotrotz waren auch schön blühende Pflanzen zu sehen, darunter solche Besonderheiten wie eine friburgensis-Varietät der Bienen-Ragwurz bei Unterböhringen, auf die mich Reinhard Nickl hingewiesen hatte. Von ihm stammte auch der Tip auf zwei ungewöhnlich kräftige Exemplare des Roten Waldvögeleins (Cephalanthera rubra) ganz in der Nähe. Mit Freunden Daniel und Chrischi machte ich mich auf, jene zu suchen – wir wurden nicht enttäuscht, und ich kann sagen, dass ich bisher zeitlebens keine solche Roten Waldvögeleien erlebt habe.

6-7-2013-c-rubra-+c+d

Am selben Berg bei Reichenbach i. T. waren noch gut zwei Dutzend weiterer schöner Exemplare zu finden, am Waldesrand und an lichten Waldstellen ließen sie ihre herrlichen Blüten in der Sonne leuchten – auch bei dieser Art darf man getrost von einer enorm reichen Blüte in diesem Jahr sprechen.

Erfreulich auch, dass ich Anfang Juli einen neuen Standort der Hohlzunge (Dactylorhiza viridis) kennenlernen durfte. Zwar wenige, aber schöne Exemplare standen bei Auendorf am 2. Juli in Hochblüte, und so besteht weiterhin Hoffnung für diese sehr seltene Art in der Region. Eine Nachsuche am mir bereits bekannten Standort bei Gruibingen blieb dieses Jahr allerdings leider erfolglos.

Auch andere Pflanzen haben diesen Sommer die ein oder andere Überraschung bereitet: So konnte ich am 9. Juli bei Reichenbach i. T. einen rosa blühenden Natternkopf (Echium vulgare) entdecken;

9-7-2013-Echium vulgare rosa

der Berggamander (Teucrium montanum) bildete an steinigen Stellen herrliche Teppiche voller Blüten;

9-7-2013-Berg-Gamander-Teucrium montanum

und an einer Stelle im Halbtrockenrasen wuchs in einigen prächtigen Büscheln die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), zeigte letzte Blüten und schon beinahe reife Früchte. Gerüchteweise hatte ich schon von ihr im Gebiet gehört, und so war die Überraschung groß, sie gleich so prächtig und in relativ großer Zahl dort anzutreffen.

9-7-2013-Kleine Wachsblume-Cerinthe minor-2

9-7-2013-Kleine Wachsblume-Cerinthe minor

9-7-2013-Kleine Wachsblume-Cerinthe minor-3

12-7-2013-D-lutea-1

12-7-2013-D-lutea-2

Überraschend war auch der Fund einer Pflanze des kleinblütigen Gelben Fingerhutes (Digitalis lutea) in diesem wunderbaren Biotop zwei Tage später und noch überraschender – wiederum zwei Tage später – die Tatsache, einer weiteren Ohnsporn-Pflanze (Orchis antropophora) ebendort gegenüberzustehen. Dazu eine nette Anekdote: Nachdem ich die Fotos des Ohnsporns bei Unterböhringen veröffentlicht hatte, schrieb mir Herr Gerhard Hägele, dass er sich über die Ortsangabe gewundert hätte; er habe den Ohnsporn nämlich bei Reichenbach i. T. gesehen. Ich bat ihn natürlich sofort, mir den genauen Standort zu nennen – und siehe da, tatsächlich blühte, unweit eines Weges, den ich gewöhnlich jedes Jahr mehrere Male einschlage, dieses Jahr aber noch gar nicht genommen hatte (wohl im Gedanken, sowieso schon alle Pflanzen zu kennen, die dort wachsen), eine weitere Orchis antropophora. Man sieht, welche Überraschungen die Natur zu bereiten weiß – das Glücksgefühl ist natürlich unbeschreiblich, heuer gleich zwei Pflanzen der Art gesehen haben zu dürfen. Und die Spannung steigt, was wohl nächste Saison zu erwarten ist.

Mit Fortschreiten des Sommers und der anhaltend warmen und trockenen Witterung wurde es für unsere später blühenden Orchideen immer schwieriger – zum fehlenden Wasser kam der immer stärker werdende Läusebefall, der vor allem bei Rotbrauner und Müllers Stendelwurz (Epipactis atrorubens und muelleri) in der regiorchis dieses Jahr beinahe zu einem Blüten-Totalausfall geführt hat, weil die Knospen einfach nicht fortkamen. Halbwegs gut verkraftet haben diese Situation die Echte Sumpfwurz und die Schmallippige Stendelwurz (Epipactis palustris und leptochila), wohl deshalb, weil ihre Biotope besser mit Wasser versorgt bzw. gut beschattet sind. Auch bei den letztgenannten Arten war aber teils heftiger Läusebefall festzustellen.

Weitere blumige Höhepunkte das Sommers waren bei Nenningen zu finden: Dort blühte am 22. Juli in großer Zahl an einer wechselfeuchten Stelle eines Halbtrockenrasens das entzückende Kleine Tausengüldenkraut (Centaurium pulchellum), das ich sonst noch nirgendwo in der Region gesehen hatte – ebensowenig wie den Klebrigen Salbei (Salvia glutinosa): Soweit ich inzwischen weiß, kommt diese gelb blühende Art im weiteren Umkreis nur an dieser Stelle bei Nenningen vor.

22-7-2013-Centaurium pulchellum-3

22-7-2013-Centaurium pulchellum-1

22-7-2013-Centaurium pulchellum-2

22-7-2013-Salvia glutinosa-2

22-7-2013-Salvia glutinosa

Ganz nebenbei bieten botanische Exkursionen in der Region auch noch atemberaubende Ausblicke, wie beispielsweise der Blick von der romantisch gelegenen Reiterles-Kapelle ins Remstal Richtung Schwäbisch Gmünd.

22-7-2013-Reiterleskapelle

22-7-2013-Remstal

Vom Gelben Enzian (Gentiana lutea) war, neben vielen prächtigen Blättern, ein Fruchtstand zu sehen – eine wirklich imposante Erscheinung bietet unser größter Enzian, aus dessen Wurzeln der bekannte Schnaps gewonnen wird.

22-7-2013-Gentiana lutea-4

22-7-2013-Gentiana lutea-1

22-7-2013-Gentiana lutea-2

22-7-2013-Gentiana lutea-3

Ein beindruckendes Schauspiel bot sein kleinerer blaublühender Verwandter, der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata): Er blühte in vielen hundert Exemplaren in einer steilen Heide, zum Teil in prächtigen Gruppen, und sein leuchtendes Blau strahlte an diesem sonnigen Tag einfach atemberaubend. Hin und wieder waren an den Pflanzen die winzigen weißen Eier des Kreuzenzian-Ameisenbläulings (Phengaris rebeli) zu entdecken.

22-7-2013-Gentiana cruciata-3

22-7-2013-Gentiana cruciata-2

22-7-2013-Gentiana cruciata-4

22-7-2013-Gentiana cruciata-5

22-7-2013-Gentiana cruciata-1

Abschließen will ich diesen Bericht mit einigen Bildern der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), die mit Dutzenden ihrer Spätsommer-Blüten (Fotos von Reichenbach i. T. am 28. August) diesem ungewöhnlichen Blütenjahr wohl noch einige lilafarbene Krönchen aufsetzen wollte.

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-1

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-2

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-3

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-4

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-5

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-6

28-8-2013-pulsatilla-vulgaris-7

Neue Orchideenfotos finden Sie in den Rubriken Ophrys apifera, Dactylorhiza viridis, Cephalanthera rubra, Epipactis palustris, Epipactis leptochila, Orchis antropophora. Viel Vergnügen!

Vergängliche Schönheit

Juli 12, 2010

Diese Zaun-Eidechse, geschätzter Besucher,

hat ihr Dasein als Individuum auf diesem unserem Planeten beendet. Auch das Lebensende aber schafft eine der Voraussetzungen für die permanente Entwicklung einer Art, und als Spezies sind die Zaun-Eidechsen in unserem Gebiet noch nicht gefährdet. Anders sieht es da bei der Grünen Hohlzunge (Dactylorhiza viridis, vielen von Ihnen noch besser unter ihrem alten Namen Coeloglossum viride bekannt) aus; sie ist in den Mittelgebirgen Deutschlands immer seltener zu finden und läuft Gefahr, dort auszusterben. Auch wenn sie in den Alpen glücklicherweise noch häufiger und in individuenreichen Beständen anzutreffen ist, bedeutet jeder Standortverlust auch eine Einschränkung der genetischen Vielfalt, denn in den Mittelgebirgen herrschen andere Lebensbedingungen als im Hochgebirge.

Am 8. Juli 2010 hatte ich das Glück, „schwäbische“ Hohlzungen bewundern zu dürfen. Dr. Helmuth Zelesny hatte mir einen Standort bei Gruibingen verraten und ich konnte drei (!) Pflanzen dieser Rarität fotografieren. In dem wunderbaren Biotop blühten die Pflanzen im relativ hohen Gras und waren nicht leicht zu entdecken. Ihre Nachbarn sind dort Pyramidenorchis, Händelwurzen und, neben gewöhnlichen Bienen-Ragwurzen, auch deren aurita-Form und einige gelbe Bienen-Ragwurzen. Die Hitze stand in der Heide und ließ sie wunderbar duften, nach allerlei Kräutern und Blütenaromen, und leuchtend standen die Anacamptis in der strahlenden Sonne – ein Bild, wie man es sich schöner kaum erträumen mag. Einzig die düsteren Aussichten der Hohlzungen trübten das Hochgefühl.

Einige Tage zuvor konnte ich bei Deggingen einige schöne (zum Teil auch schön verlauste) Bienen ablichten, ganz in ihrer Nähe standen ein paar Rote Waldvögelein und die Fleischfarbenen Knabenkräuter waren zum größten Teil schon verblüht. Die vergängliche Schönheit der Blumen hat mich hier nicht im geringsten berührt – denn die Fruchtknoten begannen schon zu schwellen und künden von den Generationen der Zukunft. Darüberhinaus durfte ich neben den wenigen Pflanzen im mir schon lange bekannten Quellsumpf einen neuen Standort mit 15 Dactylorhiza incarnata bewundern. Wiederum ein Tipp von Dr. Zelesny – wie könnt‘ es anders sein, möchte man da denken…

Neue Bilder finden Sie auf der neuen Seite Dactylorhiza viridis und bei Ophrys apifera, Dactylorhiza incarnata und Cephalanthera rubra. Viel Vergnügen beim Angucken!

Duftende Händelwurzmatten und einige Bienen

Juni 23, 2008

Betörender Duft, lieber Pflanzenfreund,

lag über der Heimat der Wohlriechenden Händelwurz, als wir am 19. Juni ihre Wohnstätte aufgesucht haben. Der mag den Scheckenfalter (Melitaea) angelockt haben, auch wenn er hier nicht die Händelwurz besucht. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen nahe der 30-Grad-Grenze hatte sich ihr aromatisches Vanille-Parfüm über die Trockenrasen bei Reichenbach i. T. gelegt und so waren die teilweise prächtigen Gruppen schon weithin zu riechen! Mal wächst sie dort auf weite Strecken alleine, dann wiederum mischen sich Mücken-Händelwurz und Pyramiden-Orchis in ihre Habitate. Apropos Pyramide – es ist schon erstaunlich, wie lange sich die Blütezeit der Pflanzen erstreckt. Am 28. Mai fanden Ralf und ich das erste Exemplar mit geöffneten Blüten – am 19. Juni gibt es immer noch Exemplare, die so knospig sind, dass sie schätzungsweise erst in einer Woche beginnen, ihre Infloreszens zu entfalten. Auch scheint es, dass die später blühenden Exemplare kräftiger gefärbt sind als ihre frühen Schwestern, ihr leuchtendes Magentarot fällt schon von weitem ins Auge.

Die Bienen-Ragwurz vom vergangenen Sonntag war leider nicht mehr zu finden. Ihr Plätzchen neben einem breiten und stark frequentierten Wanderweg durch die Heide ist ihr wohl schlecht bekommen. Schade, dass es immer noch Menschen gibt, denen Besitzanspruch und Trophäenwahn über Respekt vor unseren Mitgeschöpfen und Erhaltung der Natur gehen. Wir haben dann noch erfolglos ein weiteres O. apifera-Biotop besucht, bevor wir an unserer dritten Anlaufstelle doch noch fündig wurden. In einem Halbtrockenrasen bei Bad Überkingen fanden wir vier wunderschöne Exemplare in Hochblüte. Es scheint, das 2008 nicht unbedingt als üppiges Bienen-Jahr in die Orchideengeschichte eingehen wird. Fotos dieses Tages finden Sie wie immer auf den entsprechenden Seiten.

Händelwurz im Regen

Juni 16, 2008

Der 15. Juni, geschätzter Orchideenfreund,

war nicht der schönste Tag dieses Jahr – es war kühl, stark bewölkt und immer wieder gab es Regenschauer. Die Foto-Ausbeute war dementsprechend gering, trotzdem will ich Ihnen die seltsame Blütenform einer Mücken-Händelwurz (links, zum Vergleich rechts die „normale“ Blüte) nicht vorenthalten. Die beiden Händelwurz-Arten stehen in schönster Blüte, fehlt nur noch die Sonne, um sie richtig in der Wacholderheide zum Leuchten zu bringen – und der Wohlriechenden Händelwurz ihren Duft zu entlocken, der an warmen Tagen über den Rasen schwebt, wenn sie in solchen Massen wie mancherorts in der Region gedeiht! Die erste Bienen-Ragwurz hat sich noch gezeigt, bevor der große Regen kam. Nun, bis in zwei Tagen ist eine Wetterbesserung in Sicht, und da blühen Gymnadenia & Co. immer noch.

Und dann waren da noch die Käfer, die Franzi und Joschi entdeckt haben. Der lautstarken Forderung der beiden nach fotografischer Dokumentation konnte ich mich natürlich nicht entziehen. Recht haben sie, denn es ist schon immer wieder erstaunlich, was sich in Rosenblüten und auf Schwalbenwurzblättern (und überall in Wald und Wiese) an Leben umhertummelt.

Geflecktes Knabenkraut am Waldesrand

Juni 10, 2008

Das Gefleckte Knabenkraut, sehr verehrter Besucher,

ist ein botanisch schwieriger Genosse. Unterschieden werden meist Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza fuchsii mit zahlreichen Übergängen zwischen den beiden und ebenso vielen Unterarten und Varietäten. Ich habe mich entschlossen, alles, was Geflecktes Knabenkraut anbelangt, in die Rubrik Dactylorhiza fuchsii zu stellen. Der Versuch einer genaueren Zuordnung zu Art/Unterart/Varietät/Bastard ist mir hier zu heikel und sei den Dactylorhiza-Experten überlassen. Weiters finden Sie einige neue alte Bilder von Neotinea ustulata (Brand-Knabenkraut), Anacamptis morio (Kleines Knabenkraut, Aufnahmen eines Albinos), Platanthera chlorantha und bifolia (Grünliche und Zweiblättrige Waldhyazinthe), Cephalanthera rubra (Rotes Waldvögelein) und Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz) in den entsprechenden Rubriken. Viel Spaß beim Gucken!