Posts Tagged ‘Brand-Knabenkraut’

Angesengte Wiese, spinnenfeine Heide

Mai 23, 2013

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Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger),
lieber Besucher,

10-5-2013-Limax cinereoniger-Schwarzer Schnegel

fühlt sich bei der derzeit herrschenden nass-kühlen Witterung pudelwohl. Auch unsere Orchideen scheinen vom klimatischen Verlauf von Winter und Frühling zu profitieren: Nach der Blütenexplosion des Blassen Knabenkrauts (Orchis pallens) zeigen derzeit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), seine Hybriden mit der gelben Schwester (Orchis x haussknechtii), Kleine und Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und sphegodes), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ihre Infloreszensen in einer Pracht und Anzahl, dass dem Betrachter das Herz aufgeht. Es scheint sich zu bestätigen, dass heuer ein außergewöhnlich gutes Orchideenjahr ins Land gezogen ist.

Dolycoris baccarum Beerenwanze

Auf der Wiese der Narren bei Reichenbach u. R. hat Exkursionsfreund Timo und mich am 15. Mai 2013 eine Beerenwanze (Dolycoris baccarum) bei der Ankunft begrüßt. Die Kleinen Knabenkräuter (Anacamptis morio) hatten ihren Blütenhöhepunkt erreicht, größtenteils schon überschritten.

15-Mai-2013-A-morio

15-Mai-2013-A-morio-2

Unser eigentliches Ziel waren aber die Blütenstände des Brand-Knabenkrauts; nach einem sehr netten Telefonat mit Herrn Nickl aus Süßen, der nach 30 Jahren heuer wieder die schönen Zwerge fotografiert hat und mich auf ihre aktuelle Blüte hingewiesen hatte, machten wir uns auf und wurden aufs Angenehmste überrascht: Über 20 Infloreszensen konnten wir in der herrlichen Bergwiese ausmachen, und es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Pflanzen blühenderweise im hohen Gras der Sonne entgegenreckten, denn die Schönheiten sind ob ihrer Winzigkeit nicht leicht auszumachen. Eine solche Anzahl habe ich in den vielen Jahren meiner Besuche noch nicht zu Gesicht bekommen!

Drei Tage später wurden Freund Christian und ich von der Blüte unserer beiden Spinnen-Ragwurzen bei Bad Ditzenbach überwältigt. Dutzende Exemplare der Kleinen und Großen lachten mit ihren Blumen in die Sonne; äußerst kräftige Pflanzen schmückten sich mit bis zu 15 Blüten, prächtige Gruppen waren zu sehen, zum Teil waren die Blütenstände voll erblüht, andere zeigten sich noch ganz am Anfang ihrer Entfaltung. Es ist derzeit eine Freude, die Unterschiedlichkeit der Individuen zu studieren, denn auch die Spinnen zeigen eine außergewöhnlich reiche Blüte. Als Sahnehäubchen hatte das Helm-Knabenkraut mit der Blüte begonnen, ebenso seine Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida) und eine Hummel-Fliegen-Kreuzung (Ophrys x devenensis).

18-5-2013-o-sphegodes-x-insectifera

Auch die Fliegen– und Hummel-Ragwurz (Orchis insectifera und holoserica) schicken sich an, in die Blütensymphonie mit einzustimmen. Aus einem durch einen Zaun abgetrennten Bereich der Heide  leuchtete weithin sichtbar das Manns-Knabenkraut in einer starken Gruppe. Beim Verlassen des Biotops waren wir beinahe sprachlos ob der geschauten Pracht.

Schon in der Gegend, beschlossen wir, dem wunderbaren Biotop oberhalb des Kurortes noch einen Besuch abzustatten. Esche (Fraxinus excelsior) und Traubeneiche (Quercus petraea) hießen uns mit schön gefärbten Blattaustrieben willkommen, auf der Heide stand die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) kurz vor dem Erblühen, der Mairitterling (Calocybe gambosa) zierte mit seinen Fruchtkörpern den sonnigen Gehölzrand.

18-5i-2013-esche

18-5-2013-eiche

18-5-2013-Vielblütige Weißwurz-Polygonatum multiflorum

Calocybe gambosa-Mairitterling

Der weitere Weg belohnte uns mit einer überwältigenden Aussicht ins Obere Filstal,

18-5-2013-oberes filstal

bevor wir schließlich unser Ziel erreichten: Die Heideecke, die zu Monatsbeginn noch dem Blütenrausch des Blassen Knabenkrauts vorbehalten war, zeigte jetzt eine verschwenderische Fülle von Manns-Knabenkraut in Hochblüte, Blassem Knabenkraut im Abblühen und eine Vielzahl von Hybriden der beiden. Das Farbenspiel im Wechsel von Sonne und Wolken war einfach unbeschreiblich.

Am 20. Mai 2013 schließlich durfte ich in Begleitung von Alix und Barillo die Herrlichkeit der Knabenkraut-Blüte bei Nenningen bewundern; auf dem Weg zur Feuchtwiese im hintersten Winkel des Seitentals der Lauter wartete eine Überraschung: Im Randbereich eines Fichtenforsts (!) zeigte sich ein knospiges Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) kurz vor dem Aufblühen! Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Standort für einen Bewohner des lichten Schattens. Auf der Feuchtwiese war dann das Breitblättrige Knabenkraut zu bewundern – im Sonnenschein, nachdem uns auf dem Weg Schauer und Donner begleitet hatten.

Sie sehen, werter Naturfreund, dass sich in der Region derzeit vieles tut, was unsere heimische Orchideen und die Flora überhaupt anbelangt – und das bei dem ungewöhnlich nassen und kalten Maienwetter. Glücklicherweise war uns auf allen Exkursionen die Sonne zumindest teilweise hold; ich wünsche Ihnen daher viel Vergnügen mit den neuen Fotos in den Rubriken Neotinea ustulata, Ophrys araneola, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris, Orchis purpurea und Dactylorhiza majalis.

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Alles neu macht der Mai

Juni 3, 2012

Geschätzter Orchideenfreund,

dieser bekannte Spruch trifft auch auf unsere heimischen Orchideen zu, denn der Mai ist einer der Haupt-Blütenmonate vor allem der mediterranen Schönheiten. Es ist allerdings festzustellen, dass nach den herben Kahlfrösten im Winter alles später blüht als in den beiden vorhergehenden Jahren und die Blüte bei den meisten Arten auch weitaus spärlicher ausfällt. So sind die Infloreszensen von Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und ihrer kleinen Schwestern Ophrys araneola bei weitem nicht so reichlich anzutreffen wie vor Jahresfrist. Auch die wunderbare Wiese bei Bad Ditzenbach, die einer Vielzahl der Hybriden von Manns- und Blassem Knabenkraut (Orchis x haussknechtii) Heimstatt ist, bietet nicht den atemberaubenden Anblick der letzten Jahre: Wenige Pflanzen blühen, die meisten haben nur sterile Triebe gebildet. Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) und das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) dagegen scheinen halbwegs gut zu blühen, wenn auch ebenfalls nicht in solcher Fülle. Überraschend ist andererseits die Pracht, die das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) auf seiner Feuchtwiese bei Nenningen heuer präsentiert: Dort stehen sehr viele Pflanzen in Blüte, ich kann mich nicht erinnern, jemals schon so viele, zum Teil prächtigste Exemplare dort bewundert haben zu dürfen.

Es lässt sich also feststellen, dass die Tendenz zu einem eher schwachen Orchideen-Blütenjahr, wie sie auch in anderen Teilen Deutschlands festgestellt wird, in der Region ebenfalls auf die meisten Arten zuzutreffen scheint. So konnte ich bisher bei der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die in vielen Gegenden wohl blütenmäßig total auszufallen scheint, nur Blattrosetten in den Heiden ausmachen – gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die ein oder andere Pflanze, später als gewohnt, noch einen Blütenstand treibt. Denn ehrlich gesagt haben uns die letzten Jahre ja verwöhnt, mit ungewöhnlich milden Wintern und warmen Frühjahren, die den mediterranen Arten eben sehr entgegenkamen. Dieses Jahr scheint ein „normaleres“ für unsere Klimazone zu werden – wovon auf der anderen Seite die Arten der gemäßigten Zone wie Dactylorhiza majalis zu profitieren scheinen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch dieses Jahr wieder viel Schönes zu sehen. Aktuelle Fotos finden Sie bei Anacamptis morio, Cypripedium calceolus, Dactylorhiza majalis, Neotinea ustulata, Neottia nidus-avis, Neottia ovata, Ophrys araneola, Ophrys insectifera, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris und Orchis pallens.  Hingewiesen sei auf ein schönes Foto, das mir Herr Lesky hat zukommen lassen: Es zeigt die Hybride von Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis). Viel Spaß beim Anschauen!

Osterspaziergang

April 27, 2011

Geneigter Leser,

nicht nur das Vergissmeinnicht (Myosotis spec.) scheint in diesem Jahr den Worten Meister Goethes in seinem Faustschen Osterspaziergang widersprechen zu wollen:

„Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,“

Auch die übrige Flora will nicht nachstehen – ein solch orchideenblumenreiches buntes Ostern dürfte es in der Region wohl selten gegeben haben.  Natürlich spielt der späte Termin eine Rolle, aber auch die ungewöhnlich warmen vergangenen Aprilwochen haben dafür gesorgt, dass die Natur wahrhaft die Blüten hat explodieren lassen. So haben die Hybriden von Blassem und Manns-Knabenkraut (Orchis x hausknechtii) und ihre Eltern am Karsamstag ein unvergleichliches Bild geboten: Die  Sonne brachte helles Gelb und dunkles Purpurviolett der Erzeuger sowie die dazwischenliegenden Tönungen ihrer Kinder weithin zum Leuchten – als ob auch die Orchideen das Osterfest gebührend begehen wollten.

Das Kleine Knabenkraut  (Anacamptis morio) hat die Hochblüte beinahe überschritten und beginnt teilweise schon zu verblühen, während das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) in seiner direkten Nachbarschaft mit der Blüte angefangen hat. Das Manns-Knabenkraut  (Orchis mascula) zeigt sich auf Wiesen und in lichten Wäldern in allen Blühstadien: Exemplare, deren Infloreszensen sich gerade aus dem Hüllblatt hervorschieben, stehen unweit von solchen mit farbigen Knospen und voll erblühten Individuen. Dieses phantastische Phänomen ist dieses Jahr bisher bei fast allen früh blühenden Orchideen zu beobachten.

Bleibt mir, Ihnen viel Spaß mit den Eindrücken einer blumen- und sonnenverwöhnten Osterwoche zu wünschen. Sie finden die Fotos bei den entsprechenden Arten.

Zwergenparadies

Mai 17, 2010

Geschätzter Orchideenfreund,

während die Wiesen ringsum sich mit Löwenzahn und hochgeschossenen Gräsern zeigen, hält sich die Bergwiese am Waldesrand bei Reichenbach unter Rechberg auf den ersten Blick vornehm zurück. Bei näherem Hinsehen jedoch entpuppt sie sich als botanisches Kleinod: Sie bietet im Vergleich zu den umliegenden landwirschaftlichen Produktionsflächen einer Vielzahl von Lebewesen eine Heimstatt. Gleich zu Beginn meines sonntäglichen Ausflugs am 16. Mai traf ich einen Schwalbenschwanz (Papilio machaon), der einen noch recht verschlafenen Eindruck erweckte, wie er sich da an die Pflanzenstiele geklammert hielt. Oder hoffte er darauf, von ein paar Sonnenstrahlen gewärmt zu werden, die nur ab und an durch die seltenen Lücken in der Wolkendecke brachen?

Im lockeren Gras der ungedüngten Bergwiese ist aber auch genug Platz für ein buntes Pflanzenleben: Margeriten und Bocksbart fühlen sich wohl, und es gibt viele Stellen mit niedrigen Grasarten, wo dann beispielsweise das Kreuzblümchen Polygala vulgaris gute Bedingungen vorfindet.

Ein entzückender weiterer Zwerg wächst oftmals ganz in seiner Nähe: Das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) ist nicht leicht zu entdecken in der Vielfalt der Gräser und Blumen – hat man es aber gefunden, so bietet es einen unvergleichlichen, atemberaubenden Anblick mit seinen Mini-Blütchen und seiner extravaganten Farbgebung. Die Winzlinge standen in schönster Blüte und Ihre „angebrannten“ Knospen zeigten das typische unverwechselbare Schwarzrot. Die Individuen variieren dort herrlich in der Form und Farbgebung ihrer Blüten; sehen Sie selbst auf der Seite „Neotinea ustulata“. Ich wünsche viel Spaß dabei!

Von Narren und angesengten Köpfen

Mai 14, 2009

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Der „Narrensteiger“, lieber Orchideenfreund,

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kam mir bei Reichenbach u. R. vor die Linse. Er bot eine schöne Vorstellung mit seinem Gipfelsturm, die ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollte. Die Population des Kleinen Knabenkraut, die ich auch im letzten Jahr besucht hatte, zeigte am 9. Mai 2009 bei weitem nicht die Vielzahl an Individuen wie 2008. Vor allem am Rand der Wiese blühte eine größere Anzahl Anacamptis morio, in der Wiese selber, die früher Heimstatt sehr vieler Knabenkräuter war, zeigten sich nur vereinzelt Infloreszensen. Ich entdeckte eine große Anzahl an Löchern. Ob hier der Dachs die Knollen gegraben hatte oder menschliche Räuber am Werk waren? Auf den Schrecken folgte aber Entzücken, denn ich fand, im Gras versteckt, einige Brand-Knabenkraut! So setzte sich an diesem Tag das Wechselbad der Gefühle fort: Auf der Fahrradfahrt nach Reichenbach hatte ich bei Süßen eine Feuchtwiese mit Breitblättrigem Knabenkraut entdeckt. Eine schöne Sache eigentlich, aber der Anblick eines großen Baggers, der keine 20 Meter entfernt einen Weg in die Nachbarwiese fressen wird, bescherte mir dann doch ein mulmiges Gefühl. Bei Winzingen schließlich, wo ich ebenfalls nach dem Kleinen Knabenkraut suchte, musste ich feststellen, dass auf der einst reich bestückten Wiese nur wenige Exemplare blühten. Dafür hatten sich an die 50 Exemplare auf der Wiese oberhalb angesiedelt, wo ich bei meinem letzten Besuch (der allerdings schon gut acht Jahre zurückliegt) keine entdecken konnte. Schlussendlich war es aber ein ereignisreicher Tag in Sachen Orchideen der Region bei ausnahmsweise schönstem Mai-Wetter.

Die fotografische Ausbeute finden Sie, geneigter Betrachter, auf den jeweiligen Seiten der Arten.

Geflecktes Knabenkraut am Waldesrand

Juni 10, 2008

Das Gefleckte Knabenkraut, sehr verehrter Besucher,

ist ein botanisch schwieriger Genosse. Unterschieden werden meist Dactylorhiza maculata und Dactylorhiza fuchsii mit zahlreichen Übergängen zwischen den beiden und ebenso vielen Unterarten und Varietäten. Ich habe mich entschlossen, alles, was Geflecktes Knabenkraut anbelangt, in die Rubrik Dactylorhiza fuchsii zu stellen. Der Versuch einer genaueren Zuordnung zu Art/Unterart/Varietät/Bastard ist mir hier zu heikel und sei den Dactylorhiza-Experten überlassen. Weiters finden Sie einige neue alte Bilder von Neotinea ustulata (Brand-Knabenkraut), Anacamptis morio (Kleines Knabenkraut, Aufnahmen eines Albinos), Platanthera chlorantha und bifolia (Grünliche und Zweiblättrige Waldhyazinthe), Cephalanthera rubra (Rotes Waldvögelein) und Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz) in den entsprechenden Rubriken. Viel Spaß beim Gucken!