Posts Tagged ‘Fliegen-Ragwurz’

Neues Jahr – vergangene Blüten

Januar 1, 2015

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10-Mai-Bläuling
Lieber Naturfreund,

es ist schon eine Weile her, dass die Bläulinge sich mit den Mineralien aus der Hinterlassenschaft eines Kleinsäugers gestärkt haben. Auch die Orchideenblüte der Saison 2014 gehört der Vergangenheit an; leider war es mir zeitlich nicht möglich, die Eindrücke der zurückliegenden Orchideensaison aktuell zu präsentieren – ich halte den Jahreswechsel daher für einen geeigneten Zeitpunkt, auf die Blütenpracht des vergangenen Jahres zurückzublicken.

Nach dem milden Winter war die Pflanzenwelt allgemein früh gewillt, ihre Blumen der Sonne entgegenzustrecken. So blühte bereits Ende April der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) bei Geislingen…

25-April-Lithospermum purpurocaeruleum

…und die Hausener Wand schmückte sich bald im Jahr mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) und zartem Laub.

27-April-Alyssum montanum-2

27-April-Alyssum montanum-4

27-April-Hausener Wand

27-April-Hausener Wand-3

27-April-Hausener Wand-4

Ebenfalls sehr zeitig in Blüte war die Hohlzunge (Dactylorhiza viridis). Bereits am 26. April 2014 hatten Freund Christian und ich bei Nenningen auf einer kleinen Waldwiese einige Exemplare entdeckt, interessanterweise ein Standort, von dem ich Hinweise schon aus den 1970er-Jahren hatte.

Mit Verstärkung von Bruder Dominik konnten wir dann am 4. Mai an die 30 Exemplare ausfindig machen. Das war fürwahr ein früher Höhepunkt der Saison, auch weil die malerische Gegend um Nenningen viele weitere, nicht nur florale Sehenswürdigkeiten bietet, wie beispielsweise die Reiterleskapelle oder die Ruinen von Burg Granegg.

Reiterleskapelle

4-Mai-Granegg

Begrüßt von einer Ziegenherde steuerten wir am selben Tag dann einen Standort bei Degenfeld an, von dem ich ebenfalls Hinweise auf die Hohlzunge erhalten hatte.

4-Mai-Goißa

Nach steilem Aufstieg wurden wir in dieser Hinsicht zwar nicht fündig, wurden dafür aber reichlich entschädigt: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) stand auf dem Berg bereits in herrlicher Blüte und beim Abstieg zurück in das liebliche Degenfeld durften wir am steilen heißen Hang die olfaktorischen und optischen Reize der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) genießen. Die Wiesen am Hangfuß verzauberten uns schlussendlich mit einer Blütenpracht, an der vor allem der „Guggigei“ (Bocksbart) den Hauptanteil hatte.

4-Mai-Guggigai-2

4-Mai-Guggigai-3

Der Mai brachte, sobald es die Zeit zuließ, ein herrliches Erlebnis nach dem anderen. Frauenschuh (Cypripedium calceolus) leuchtete in der Monatsmitte im lichten Schatten bei Unterböhringen, um Pfingsten dann auch auf der Hochfläche unserer wunderschönen Alb bei Luizhausen, hier in Gemeinschaft mit der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) und Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) in starken Populationen oder Einzel-Exemplaren – der Wonnemonat brannte ein wahres Feuerwerk ab. Und das nicht nur im Hinblick auf die Orchideen, sondern auch auf weitere Besonderheiten wie rosa blühenden Wiesensalbei oder Sommerwurzen.

10-Mai-Salvia pratensis rosea

15-Mai-Orobanche-1

15-Mai-Orobanche-2

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Hervorzuheben ist für 2014 der Ohnsporn (Orchis antropophora). Scheinbar bestätigt sich die letztjährige Vermutung, dass er eine ähnliche Entwicklung in der Region einschlagen will wie die Riemenzunge vor 30 Jahren: Er scheint sich bei uns neues Terrain zu erobern – vielleicht ausgehend von einer stabil erscheinenden Population von rund 30 Individuen bei Deggingen. Auf einen Hinweis eines Wiesensteiger Naturkenners durfte ich das herrliche Biotop dieses Jahr erstmals erleben und war begeistert nicht nur von den schlanken Puppenorchideen, sondern auch von der Masse an Fliegen-Ragwurzen in dem Biotop. Bei Reichenbach i. T., wo ich letztes Jahr ein Exemplar des Ohnsporns bewundern durfte, fand ich heuer schon zwei – und bestimmt sind im weitläufigen Gelände noch weitere vorhanden. Darüberhinaus konnte ich ein fruchtendes Exemplar bei Wiesensteig finden.

Schön geblüht haben in 2014 das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), wovon ich mich auf einem Spaziergang am 17. Mai rund um Deggingen überzeugen durfte, der darüberhinaus auch wundervolle landschaftliche Eindrücke bot, wie beispielsweise blühende Salbeiwiesen oder den Blick auf die Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach.

17-Mai-Salvia pratensis

17-Mai-Hiltenburg

Immer wieder zog es mich in das herrliche Obere Filstal und seine Seitentälchen, wo sich die Wiesen und Heiden an pflanzlichem Schmuck in der zweiten Mai-Hälfte gegenseitig überbieten wollten. Während die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schon ihre silbrigen Früchte präsentierten…

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-1

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-2

…standen die Frühsommerblüher im schönsten Blumenschmuck: Akelei (Aquilegia vulgaris), Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und sogar die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), von der keiner weiß, wie sie in eine Wacholderheide bei Reichenbach i. T. gelangt ist, die aber dort schon seit Jahrzehnten immer wieder in reichlichem Bestand zur Blüte kommt, sind köstlichste Zierden unserer heimischen Natur.

20-Mai-Aquilegia vulgaris-1

24-Mai-Antennaria dioica-1

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20-Mai-Cerinthe minor-1

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20-Mai-Cerinthe minor-4

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Davon profitiert auch die Fauna:

20-Mai-Hase

Unsere Orchideen trugen eifrig ihren Teil zu dieser Pracht bei: Das Große Zweiblatt (Neottia ovata), die Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) zeigten sich von ihren besten Blütenseiten. Ihnen folgten im Juni Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) in Massen, Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – auch langgeöhrt (var. aurita) – und die großartige Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis).

Letztere bot im vergangenen Jahr wieder einmal ein unvergessliches Schauspiel, vor allem auf einem Mähder bei Mühlhausen i. T. Durch Zufall kam ich dort vorbei und war beeindruckt von der eigenartigen Ausstrahlung dieser alten Wiesenwirtschaftsform, die leider nur noch in sehr seltenen Resten erhalten ist: Aus dem hüfthohen, schon fruchtenden Gras der Wiese lugten einige hundert der weithin leuchtenden Blütenstände hervor; die Pyramidenorchis allein streute noch Farbe in das Wiesenbraun. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben war beeindruckend, Formen mit ungeteilter Lippe, langgestreckte Blütenstände, Farben im typischen knalligen Magenta, aber auch in verschiedenen Rosatönen und ein Blütenstand in Lachsrosa waren zu finden – fürwahr ein kleines Paradies, das ich dort erleben durfte.

Begleitet von weiteren botanischen Besonderheiten wie dem Gelben Enzian (Gentiana lutea),…

15-Juni-gentiana lutea-1-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-2-wiesensteig

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15-Juni-gentiana lutea-4-wiesensteig

…in Hochblüte am 15. Juni bei Wiesensteig,…

3-Juli-Gentiana lutea-1

3-Juli-Gentiana lutea-2

…fruchtend am 3. Juli 2014 bei Mühlhausen i. T., ging meine Orchideensaison mit der Blüte von Echter Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Braunroter Stendelwurz (Epipactis atrorubens) langsam zu Ende. Erfreulicherweise hatten die Stendelwurzen letztes Jahr nicht so stark unter Dürre und Läusen zu leiden wie anno 2013 und gelangten daher auch zur Blüte.

Noch nicht ganz zu Ende war jedoch die Reihe botanischer Erlebnisse abseits der Orchideen, sah ich doch 2014 im August erstmals den Jura-Streifenfarn (Asplenium fontanum), der deutschlandweit nur in unserer Gegend bei Geislingen/Steige und Bad-Überkingen – Hausen autochthone Vorkommen hat und schattige, aber warme Felsen bewohnt.

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Bleibt mir, Ihnen viel Freude mit den Aufnahmen der vergangenen Saison und uns ein blütenreiches Jahr 2015 zu wünschen!

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Winterjuwelen

Februar 23, 2014

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Verehrter Besucher,

strunk-pilze

nachdem der Winter 2013/14 wohl doch ausfallen will, war es an der Zeit, sich auf Schatzsuche zu begeben. Ziel waren unsere grünen Juwelen im Oberen Filstal, auch wenn sich die Natur auf den ersten Blick noch winterlich graubraun gibt.

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Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber schon viel Leben mitten im „Winter“, der bisher in der Region einfach nicht stattgefunden hat. In den feuchten Schluchtwäldern blühen die Märzenbecher (Leucojum vernum) zu tausenden, auf der Wacholderheide zeigen sich vorwitzig die ersten Blüten des Frühlingsenzians (Gentiana verna):

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Aber der 22. Februar 2014 hielt noch weitere Sehenswürdigkeiten auf der Wacholderheide bei Bad Ditzenbach bereit. Unsere heimischen Orchideen haben sich bereits mächtig ins Zeug gelegt und die Entwicklung ihrer Blätter weit vorangetrieben. Die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist zu hunderten leicht in den Halbtrockenrasen auszumachen; teilweise in schönen Gruppen glitzern die Rosetten gleich grünen Diamanten in der Sonne.  Auch Fliegen- und Bienen-Ragwurz (Ophrys insectifera und apifera) zeigen ihre Triebe. Das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), der Ohnsporn (Orchis antropophora), die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) – eifrig sind sie dabei, ihre Blätter zu entfalten, um jeden Sonnenstrahl einfangen zu können. Die auffallendste Erscheinung aber ist die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) – kraftstrotzend zeigt sie ihre Triebe dutzendweise.

Sollte der kalte General nicht doch noch zuschlagen wollen, dann dürfen wir uns auf eine reiche Blüte der frühen Arten freuen – der momentane Zustand der Pflanzen ist auf jeden Fall vielversprechend.

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes):

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Spinnen-Ragwurz und Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis):

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Pyramidenorchis:

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Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera):

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Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera):

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Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea):

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Manns-Knabenkraut (Orchis mascula):

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Ohnsporn (Orchis antropophora):

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Riemenzunge (Himantoglossum hircinum):

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22-2-2014-h-hircinum-2

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Alle Fotos sind, wie gesagt, am 22. Februar enstanden. Interessant ist der Vergleich mit dem Vorjahr – das folgende Bild von Himantoglossum habe ich letztes Jahr am 17. April aufgenommen!

h-hircinum-2013-17-april

Purpur-Traum

Juni 10, 2013

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Verehrter Naturfreund,

05-06-2013-Artikel

nach dem tagelangen Dauerregen und dem Hochwasser-Wochenende mit Überschwemmungen herrscht mittlerweile angenehmes Frühsommerwetter in der Region. So dürfte die Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) bald in Blüte stehen, wie sie es mancherorts bereits tut. Nach dem annähernden Totalausfall des letzten Jahres sind heuer erfreulich viele Blütentriebe festzustellen.

Flora feiert derzeit ein rauschendes Fest, die extensiver genutzten Mähwiesen schmücken sich mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Blüten, so dass großartige bunte Teppiche zu bewundern sind.

05-06-2013-blumige wies-2a

05-06-2013-blumige wies

Die  Heiden werden vom Hornklee in wogende gelbe Meere verwandelt:

05-06-2013-aspekt biotop

Und die Orchideen schreiben Kapitel um Kapitel von Blütenreichtum und Lebensfreude in ihre diesjährige Chronik. Ein besonders bemerkenswertes verfasst das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea). Eine kleine Exkursion bei Deggingen bescherte mir die Begegnung mit sage und schreibe zehn blühenden Exemplaren; so wurde binnen Stundenfrist die Anzahl der Individuen, die ich bis dato in meinem Leben in der Region bewundern durfte, verdreifacht!  Scheinbar hat auch dieser prächtigen Orchideen-Art das Wetter der letzten Monate gut getan, außerdem scheint sie von den Pflegemaßnahmen profitiert zu haben, die in Teilen des großen Wacholderheidegebiets durchgeführt worden sind; einige Exemplare waren nämlich auf kürzlich von Gehölzaufwuchs freigeräumten Flächen anzutreffen. Vier Pflanzen hatten sich beinahe in einem Wacholderbusch versteckt –  diesen Zufallsfund verdankte ich der Benutzung eines schmalen Pfades, den ich eigentlich als Abkürzung gewählt hatte, um den Bus heimwärts noch zu erreichen. Es schadet also tatsächlich nicht, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Auch wunderbar anzusehen ist, was die Ragwurzen dieses Jahr treiben: Nach dem furiosen Auftakt durch die Spinnen- und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola), die immer noch schöne Blüten zeigen (letztere allerdings nur noch vereinzelt) haben sich nun auch Fliegen- und Hummel-Ragwurz (Ophrys insectifera und holoserica) mit ihren Blumen hinzugesellt; die Wacholderheide bei Bad Ditzenbach, die dieses unvergleichliche Schauspiel offenbart, bietet geradezu ein Lehrstück über die heimischen Ophrys-Arten, gesellen sich doch noch die Hybriden von Hummel- und Spinnen-Ragwurz (Ophrys x obscura), Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis) und Hummel- und Kleiner Spinnen-Ragwurz (Ophrys x pulchra) hinzu. Ein solches Fleckchen Erde ist eine wahre Wonne, zumal hier auch noch Helm-Knabenkräuter (Orchis militaris) die Menge wachsen, begleitet von ihren Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida); außerdem sind schon die Knospen der Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), erste blühende Zweiblätter (Neottia ovata) sowie die Austriebe von Pyramiden-Orchis (Anacamptis pyramidalis) und Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) zu entdecken.

Bleibt zu sagen, dass sich die außergewöhnlich reiche Blüte bei unseren floralen Kleinodien nach dem verheißungsvollen Beginn auch bei den später blühenden Arten fortzusetzen scheint. Man darf also weiterhin gespannt bleiben und auf schöne Überraschungen hoffen…

Ihnen wünsche ich viel Freude mit den neuen Eindrücken in den Sparten Ophrys holoserica, Ophrys insectifera, Ophrys x devenensis, Ophrys x obscura , Ophrys x pulchra, Orchis purpurea, Orchis militaris, Orchis x hybrida.

Alles neu macht der Mai

Juni 3, 2012

Geschätzter Orchideenfreund,

dieser bekannte Spruch trifft auch auf unsere heimischen Orchideen zu, denn der Mai ist einer der Haupt-Blütenmonate vor allem der mediterranen Schönheiten. Es ist allerdings festzustellen, dass nach den herben Kahlfrösten im Winter alles später blüht als in den beiden vorhergehenden Jahren und die Blüte bei den meisten Arten auch weitaus spärlicher ausfällt. So sind die Infloreszensen von Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und ihrer kleinen Schwestern Ophrys araneola bei weitem nicht so reichlich anzutreffen wie vor Jahresfrist. Auch die wunderbare Wiese bei Bad Ditzenbach, die einer Vielzahl der Hybriden von Manns- und Blassem Knabenkraut (Orchis x haussknechtii) Heimstatt ist, bietet nicht den atemberaubenden Anblick der letzten Jahre: Wenige Pflanzen blühen, die meisten haben nur sterile Triebe gebildet. Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) und das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) dagegen scheinen halbwegs gut zu blühen, wenn auch ebenfalls nicht in solcher Fülle. Überraschend ist andererseits die Pracht, die das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) auf seiner Feuchtwiese bei Nenningen heuer präsentiert: Dort stehen sehr viele Pflanzen in Blüte, ich kann mich nicht erinnern, jemals schon so viele, zum Teil prächtigste Exemplare dort bewundert haben zu dürfen.

Es lässt sich also feststellen, dass die Tendenz zu einem eher schwachen Orchideen-Blütenjahr, wie sie auch in anderen Teilen Deutschlands festgestellt wird, in der Region ebenfalls auf die meisten Arten zuzutreffen scheint. So konnte ich bisher bei der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die in vielen Gegenden wohl blütenmäßig total auszufallen scheint, nur Blattrosetten in den Heiden ausmachen – gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die ein oder andere Pflanze, später als gewohnt, noch einen Blütenstand treibt. Denn ehrlich gesagt haben uns die letzten Jahre ja verwöhnt, mit ungewöhnlich milden Wintern und warmen Frühjahren, die den mediterranen Arten eben sehr entgegenkamen. Dieses Jahr scheint ein „normaleres“ für unsere Klimazone zu werden – wovon auf der anderen Seite die Arten der gemäßigten Zone wie Dactylorhiza majalis zu profitieren scheinen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch dieses Jahr wieder viel Schönes zu sehen. Aktuelle Fotos finden Sie bei Anacamptis morio, Cypripedium calceolus, Dactylorhiza majalis, Neotinea ustulata, Neottia nidus-avis, Neottia ovata, Ophrys araneola, Ophrys insectifera, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris und Orchis pallens.  Hingewiesen sei auf ein schönes Foto, das mir Herr Lesky hat zukommen lassen: Es zeigt die Hybride von Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis). Viel Spaß beim Anschauen!

Mai-Revue

Juni 29, 2011

Lieber Orchideenfreund,

lange war es ruhig auf regiorchis, und das zur Hauptsaison – dummerweise lässt man sich von Dingen wie Arbeit oft von den schönen und wichtigen Aktivitäten, die das Leben eben ausmachen, abhalten. So erging es mir im Mai, schlimmer gar noch im Juni, und mehr als einige kurze Ausflüge zu unseren pflanzlichen Lieblingen waren leider nicht machbar. Daher will ich Ihnen heute einen kleinen Abriss der Maiereignisse präsentieren.


Der Schmetterlingshaft  (Libelloides coccajus) gab sich am 30. April 2011 die Ehre und posierte ausgiebig vor der Kamera, bevor er in die Sonne des Nachmittags davonflog. Eine große Anzahl seiner Artgenossen bevölkert das Biotop bei Bad Ditzenbach, in dem auch die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) immer noch eifrig Blüten anbot. Neben Exemplaren in Hochblüte fanden sich auch solche, die schon komplett verblüht waren. Erstaunlicherweise zeigten sich ihre großen Schwestern  (Ophrys sphegodes) größtenteils verblüht und es waren nur noch einige Nachzügler zu finden. Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) präsentierte, wie so viele anderen Arten in diesem ungewöhnlichen Jahr, alle Stadien des Erblühens: Vom angefärbten Knospenstand bis zu Exemplaren in schöner Blüte war an diesem Tag alles zu bestaunen.

Der 7. Mai bescherte mir einen Ausflug in ein schönes Tal bei Nenningen, in überaus charmanter Begleitung von Alix und ihrem Hund Barillo. In der wunderbaren Feuchtwiese am Hang, die dort in der hintersten Ecke bis heute überdauert hat, leuchteten fröhlich Dutzende Breitblättrige Knabenkräuter (Dactylorhiza majalis), begleitet von Wollgräsern (Eriophorum spec.), die ihre weißen Büschel duftig über der Wiese schweben ließen. Die Sprosse des Gelben Enzians (Gentiana lutea) in den benachbarten Wacholderheiden forderten förmlich dazu auf, bald wieder dorthin zurückzukehren!

Ihre ganze überschäumende Maipracht demonstrierte die Natur am 8. Mai. Über blühende Blumenwiesen mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Arten spazierte ich bei Reichenbach i. T. zur Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), deren Individuen zu blühen begannen. Erfreulicherweise fand sich auch die Hybride der Fliege mit der Spinnen-Ragwurz wieder, auf die mich Herr Dr. Spengler letztes Jahr aufmerksam gemacht hatte.

Mein persönliches florales Mai-Light 2011 fand am 22. des Monats statt: Mit meinen beiden Fratres orchidophiles Christoph und Michael (v. l. n. r.)  erklomm ich den wunderbaren steilen Berg  bei Unterböhringen, der neben einer stetig wachsenden Population der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) dem Blumenfreund auch solche Schätze wie Spinnen-Ragwurz, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Sumpf-Herzblatt  (Parnassia palustris), Fransen- und Deutschen Enzian (Gentianopsis ciliata und Gentianella germanica), Silberdistel (Carlina acaulis) undundund bietet. Die Riemenzungen feierten denn auch ein rauschendes Fest mit unterschiedlichsten Typen, von grünen Blüten mit fein ziselierten Lippen bis zu stark ausgefärbten Exemplaren mit sehr langen Lappen – zwischen diesen Polen waren sämtliche Formen zu finden. Die Population hat inzwischen beinahe die Hochfläche des Berges erreicht, und in einer der Wacholderheide benachbarten Streuobstwiese fühlen sich ebenfalls einige Exemplare wohl. Dabei entstehen bemerkenswerte Pflanzengesellschaften – die eigenwillig duftende Orchidee wächst hier zusammen mit Türkenbund (Lilium martagon) und Deutschem Ziest (Stachys germanica):

Die Spinnen-Ragwurz war zu diesem Zeitpunkt in diesem Biotop überall verblüht, die Pflanzen hatten bereits (spärlich) Früchte angesetzt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) zeigte sich dagegen in einigen Exemplaren in schönster Blüte. Auch bei ihr lohnt ein genauerer Blick, denn was aus der Ferne als leuchtende Farbklekse ins Auge springt, sind bei näherem Hinsehen individuelle Blütengesichtlein.

Am Standort des Frauenschuh schien uns zunächst eine Enttäuschung zu erwarten: Die ersten Exemplare, derer wir angesichtig wurden, waren allesamt verblüht – doch dann entschädigte uns eine schöne Gruppe mit makellosen Blüten. Die wechselnden Wetterverhältnisse zwischen leichtem Regen und plötzlichem Sonnenschein verzauberten den Ort zusätzlich und entschädigten Spaziergänger und Fotograf für nicht unbedingt ideale Bedingungen.

Der bis dato letzte Exkurs führte mich wieder in die Umgebung von Reichenbach i. T. Auf dem Weg zu den Orchideen, die dort wohnen, begegnete  ich weiteren Schönheiten der Natur: Am Waldesrand blühten wunderbar Akeleien (Aquilegia vulgaris), die Buchen (Fagus sylvatica) fruchteten schon üppig, der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) verzauberte die Wiesen mit seinen Fruchtständen, mancherorts streckten die Herbszeitlosen (Colchicum autumnale) das Ergebnis ihrer Blühbemühungen der Reife entgegen, Vogelwicken (Vicia cracca) bildeten verschwenderische Dickichte voller violetter Blüten und die Rosen-Gallwespe (Diplolepis rosae) hatte einige Rosen mit Rosenäpfeln geschmückt.

Auf den Wacholderheiden  standen Pyramidenorchis sowohl knospig als auch in Hochblüte, die Fliegen-Ragwurz blühte in Höchstform, Helm-Knabenkräuter bildeten an einigen Stellen starke Gruppen, ebenso das unauffällige Zweiblatt (Neottia ovata); das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigte noch vereinzelt letzte Blüten an den schon weit entwickelten Fruchtständen und in einer Ecke fanden sich tatsächlich noch drei Spinnen-Ragwurzen, von Wacholderbüschen teilzeitig beschattet, in schönster Hochblüte. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) streckte ihre wunderbaren Blüten ebenfalls der Sonne entgegen, leider konnte ich aber nicht so viele Exemplare wie in vergangenen Jahren ausmachen.

Soweit also die Ereignisse im Mai; in der Hoffnung, Ihnen wenigstens im anstehenden Juli mehr Aktuelles aus der Region bieten zu können, wünsche Ich Ihnen viel Spaß mit den neuen Bildern bei den entsprechenden Arten.

Lebhaftes Treiben

April 11, 2011

Verehrter  Orchideenfreund,

so wie die Blindschleiche (Anguis fragilis) genießen auch die Pflanzen in der Region zur Zeit eitel Sonnenschein. Überall sprießen frische Triebe und die Frühblüher brennen das erste Blumenfeuerwerk des Jahres 2011 ab. Die Böden der noch kahlen Buchenwälder sind von den Frühjahrs-Geophyten überzogen, auf den Heiden blühen die letzten Küchenschellen und Teppiche mit Frühlingsenzian. Unten finden Sie einige Fotos, die im Zeitraum vom 8. März bis 3. April entstanden sind.

Auch unsere Orchideen legen sich mächtig ins Zeug: Am 9. April hat das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) bereits die ersten Blüten geöffnet. Auf einer Heide bei Bad Ditzenbach sind derzeit alle Phasen des Erblühens zu bewundern: Noch völlig vom Hüllblatt umschlossene Infloreszensen, Knospenstände und Blütenstände mit sich entfaltenden Blüten. Auch die Hybriden (Orchis x hausknechtii) mit dem Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigen zum Teil schon farbige Knospen, sind aber noch nicht so weit wie ihr gelber Elter. Vom Manns-Knabenkraut sind noch keine Knospenstände zu entdecken, sie sind allesamt noch verhüllt.

Die Rosetten der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), der Spinnen– und Fliegen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und insectifera) sind ebenfalls schon prächtig entwickelt, die Spinne zeigt sogar schon ihr straff aufgerichtetes zentrales Hüllblatt, das den Blütenstand noch schützend umgibt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) war über den Winter nicht untätig und ihre Blattrosetten sind in den Wacholderheiden schon gut zu erkennen, wogegen das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) erst mit den Blattspitzen aus dem Boden hervorlugt – ebenso wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) an seinem Wohnort, dem licht beschatteten Rand einer Wacholderheide.

Genießen Sie die ersten Orchideen-Eindrücke dieses Jahres in den entsprechenden Art-Rubriken und den folgenden kleinen Bilder-Spaziergang durch die vom Frühling verzauberte regiorchis!

Zu tausenden überzieht der Märzenbecher (Leucojum vernum) bei Bad Überkingen am 8. März 2011 den Waldboden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Blütenmeeres ist ein kleines Bächlein noch teilweise vom Eis bedeckt.

Auch der Seidelbast (Daphne mezerum) und die Palmblättrige Nieswurz (Helleborus foetidus) stehen in Hochblüte:

An sonnigen Waldrändern und an lichten Felsfüßen blüht wunderbar das Leberblümchen (Hepatica nobilis).

Am 2. April 2011 schmückt der Frühlings-Enzian (Gentiana verna) die Wacholderheiden rund um Unterböhringen tausendfach mit seinem leuchtend reinen Azurblau.

Zwei Spaziergänge am 3. April 2011 bescherten die folgenden Fotos aus blumenverzauberten Wäldern und von sonnenverwöhnten Halbtrockenrasen.

Gelbe (Anemone ranunculoides) und Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) weben bei Geislingen/Steige blühende Teppiche über den Waldboden. An feuchteren Stellen ist ab und an der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) mit ihnen vergesellschaftet.

Auf den Felsen rund um Geislingen hat das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) schon Früchte angesetzt. Eine Infloreszens zeigte noch die hübschen gelben Blüten.

Auch die Lungenkräuter (Pulmonaria spec.) beginnen jetzt eifrig mit dem Blühen.

Die letzten Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schmücken noch die Wacholderheiden wie hier bei Reichenbach i. T. Zur Hochblüte der Spinnen-Ragwurz verleihen ihre flauschigen Blütenstände den Heiden einen unvergleichbaren Reiz.

Überwältigende Vielfalt

Juni 14, 2010

Das Pappelkäfer-Paar, werter Besucher,

tut das, was seit der Erfindung der Sexualität in der Natur des Lebens liegt: Es sorgt für Nachwuchs und durch die Neukombination der Gene wird sichergestellt, dass es in den folgenden Generationen Individuen gibt, die meist ein wenig anders als ihre Eltern sind und somit die Fähigkeit besitzen, sich an geänderte Lebensbedingungen besser anzupassen und das Überleben der Art zu sichern.

Auch unsere Orchideen sind hemmungslos evolutionär tätig – das Zwischenergebnis zeigt sich in diesem bisher wahrlich blühenden Orchideen-Jahr auf den Heiden und in den Wäldern der regiorchis: Die Ragwurzen zeigen ihre Infloreszensen in verschwenderischer Fülle, zur Zeit Fliegen- und Hummel-Ragwurz, die sich wohl auch artübergreifend durchaus zugetan sind, wie die Hybride der beiden beweist, die ich am 4. Juni 2010 bei Bad Ditzenbach besuchen durfte. Die Hummeln zeigen ihre Blüten in wunderbarer Variation. Schöne Bilder ergeben sich, wenn drei verschiedene Ophrys-Arten auf einem Fleck in trauter Nachbarschaft nebeneinander wachsen, wie auf dem folgenden Bild die Hummel-, Fliegen- und Spinnen-Ragwurz.

Die Natur holt im Moment das nach, was ihr der kühle und regnerische Mai verwehrt hat: Es blüht allenthalben, Helm- und Purpur-Knabenkraut stehen in Hochblüte, die Riemenzunge folgt ihnen dichtauf, während die Spinnen-Ragwurz und ihre kleine Schwester, Manns- und Blasses Knabenkraut bereits dicke Fruchtknoten haben. Doch nicht nur die Orchideen sprühen vor Leben, in einer Wacholderheide bei Ditzenbach scheinen sich die Sommerwurzen (Orobanche) sichtlich wohl zu fühlen. Sie wachsen dort in großer Anzahl. Die folgenden Bilder zeigen Ihnen einige Beispiele.

Mein Exkurs am 4. Juni führte mich dann noch weiter nach Deggingen, wo ich das Fleischfarbene Knabenkraut noch vollkommen knospig vorfand; im Wald und am Waldrand blühten jedoch sehr schön das Langblättrige und das Bleiche Waldvögelein und in einer Mischpopulation der beiden liefern auch die Cephalanthera-Arten den Beweis, dass sie durchaus zur geschlechtlichen Interaktion fähig sind (auch wenn zumindest das Bleiche Waldvögelein die Selbstbefruchtung bevorzugt): Die Hybride der beiden Arten lässt daran keinen Zweifel.

Es gibt also einiges Neues zu entdecken, was Sie auf den entsprechenden Seiten in Augenschein nehmen können. Viel Spaß dabei!

Orchideen im Februar

März 1, 2010

Lieber Besucher,

die Palmblättrige Nieswurz (Helleborus foetidus) ist selbstredend keine Orchidee. An sonnigen Stellen in den Wäldern der Region läutet sie bereits den Vorfrühling ein und steht in schöner Blüte. Und auch Bestäuber waren am warmen, sonnigen 27. Februar 2010 schon einige unterwegs. Bei Reichenbach i. T. zeigt sich die ganze Bandbreite der Phase des Übergangs vom Winter zum Frühling: Auf den sonnenbeschienen Wacholderheiden, die sich auf den ersten Blick noch in tristem Graubraun präsentieren, herrschen tagsüber schon frühsommerliche Temperaturen und der Schnee ist völlig verschwunden. Dort, wo der Schatten der Bäume die Sonne noch abhalten kann, liegen Reste der im zurückliegenden Winter imponierenden Schneedecke. Allenthalben sprießt an günstigen Stellen hoffnungsvolles Grün und die Mäuse haben ihre Gänge wieder unter die Erdoberfläche verlegt.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich das Leben in den Startlöchern, auch bei unseren heimischen Orchideen. So konnte ich an diesem Tag die Triebe von Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes), Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) und Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) im vertrockneten Gras der Halbtrockenrasen ausmachen. Unter der Schneedecke haben sie den Winter überdauert und bilden bereits jetzt wieder die Nährstoffe, die sie in die Bildung von Blüten investieren müssen. Kaum zu glauben, welche Pracht sich aus den Herzen der unscheinbaren Rosetten in zwei bis drei Monaten gebildet haben wird! Bilder der „Februarorchideen“  finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Am Berg der Riemenzunge

Mai 25, 2009

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Den Sommer, geneigter Leser,

verheißt die Glockenblume. In der Tat hat sich in den letzten schwül-warmen Tagen einiges getan. Die Riemenzungen (Himantoglossum hircinum) bei Unterböhringen haben wahrlich eine Blütenexplosion hingelegt und die zum Teil unglaublich kräftigen Pflanzen stehen in schönster Blüte. Die ersten Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) haben in Nachbarschaft zu den Riemenzungen zu blühen begonnen, dazwischen finden sich immer wieder Fliegen-Ragwurzen (Ophrys insectifera) und einige Hummel-Ragwurzen (Ophrys holoserica). Das Große Zweiblatt (Neottia ovata) steht in Hochblüte; ganz knospig, die Blütenknöpfchen nur mit einem Anflug von Farbe, zeigt sich hingegen die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea). Beim Abstieg von diesem Orchideen-Paradies wird man mit einem herrlichen Ausblick auf das Obere Filstal entlohnt und das Panorama macht das Abschiednehmen leichter.

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Bilder vom Tag finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Duftendes Reich des Frauenschuh

Mai 18, 2009

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Werter Pflanzenfreund,

cypripedium

das Wetter spielte halbwegs mit (auch wenn wir den vormittäglichen Sonnenschein verpasst hatten) und so konnten Ute und ich eine erneute Audienz beim Frauenschuh ergattern. Was sich in den letzten Tagen getan hatte! Der schöne Horst der Pflanzen war beinahe vollständig erblüht und an dem Standort am Waldrand konnten wir noch weitere einzeln stehende Individuen entdecken. Wahrlich ein kleines zauberhaftes Paradies. Und nicht nur das Auge kam auf seine Kosten, auch der Geruchssinn wurde voll und ganz zufriedengestellt. Denn was aus den Pantoffeln von Cypripedium an olfaktorischer Labsal strömt, ist ähnlich unvergleichlich wie im Frühjahr der Duft des Seidelbasts! Auf dem Rückweg begegneten uns dann die ersten blühenden Riemenzungen, darunter etliche Prachtburschen von herrlich kräftigem Wuchs. Auch die Spinnen-Ragwurzen, die schon am Abblühen sind, finden sich auf der Wacholderheide bei Unterböhringen in großer Zahl.

Nachdem uns also die Kaiserin so wohlwollend empfangen und wieder entlassen hatte, ging es noch auf die Wacholderheide nach Bad Ditzenbach – und auch dort war einiges passiert. Das Purpur– und Helm-Knabenkraut standen wunderbar in Blüte, auch die Infloreszens der Kreuzung der beiden hatte sich aus seinem Hüllblatt geschoben und die unteren Blüten geöffnet. Fliegen-Ragwurz fand sich in Hülle und Fülle, schön blühend, die ersten Hummel-Ragwurz zeigten ihre entzückenden Blüten und als wir noch einen bisher von uns unbegangen Weg erkundeten, konnten wir uns über die Masse an beiderlei Spinnen-Ragwurzen nur wundern. Als Dreingabe waren auch hier noch einige knospige Himantoglossum zu entdecken.

Um den Tag vollends abzurunden, besuchten wir noch eine herrliche Feuchtwiese an einem Talhang bei Nenningen. Es ist in der Tat ein unvergleichliches Erlebnis, ein solches Biotop erleben zu dürfen, und das auch noch in einer für unsere Verhältnisse ungewöhnlichen Größe. Das Wollgras wogte seine flauschigen Schöpfe im Wind und hunderte Breitblättrige Knabenkräuter standen im von ihnen geliebten feuchten bis nassen Grund. Obwohl inzwischen die Dämmerung eingesetzt hatte, habe ich dennoch einige Aufnahmen gemacht.

Wie üblich finden Sie die Bilder dieses überaus erlebnisreichen und wunderschönen Tages auf den entsprechenden Seiten.