Posts Tagged ‘Herbst-Wendelorchis’

Alle Jahre wieder – schön

August 21, 2012

Werter Naturfreund,

bei dem derzeit in der regiorchis herrschenden Hochsommer-Wetter leuchten die Golddisteln (Carlina vulgaris) mit ihrer Lichtquelle um die Wette. Ihr prächtiges Gold verzaubert die Magerrasen und Waldränder und begleitet mit ihrem Flor die Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis), die uns alle Jahre wieder die letzten Orchideenblüten schenkt. Am 17. August 2012 stehen die Winzlinge in ihren Rasen zwischen Gruibingen und Weilheim u. T. in Hochblüte – allerdings in erschreckend geringer Anzahl: An dem Standort, an dem vor zwei Jahren einige hundert  Blütenstände zu bewundern waren, konnte ich, nach längerer Suche und Dank der Unterstützung von Freund Christian, diesmal gerade 15 Infloreszensen zählen. Im zweiten Biotop, das traditionell schwächer mit Drehwurzen bestückt ist, dürfte nochmals dieselbe Anzahl blühen. Ob hier wohl die Witterung des Jahres die Ursache bildet? Man hat ja schon aus anderen Gegenden von dem Phänomen gehört, dass nach blühstarken Jahren die Population scheinbar beinahe zusammenbricht, um sich dann (langsam) wieder zu erholen. Bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation im nächsten Jahr präsentieren wird.

Nichtsdestotrotz stehen die beiden Magerwiesen immer noch in schöner Hochsommerblüte, und sie erfreuen mit ihren alten Hutebäumen und dem regen Pflanzen- und Tierleben den Betrachter. Bei Spiranthes spiralis finden Sie fotografische Impressionen der letzten Orchideenblüten dieser Saison. Viel Spaß damit!

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Hochsommer-Wendelähre

August 23, 2011

Die Moschus-Malve (Malva moschata),
geneigter Pflanzenfreund,

ist ein Kind des Hochsommers. Im letzten Augustdrittel steht sie in der Region auf Magerrasen und an Wegrändern schön in Blüte und bietet der Insektenwelt noch wertvolle Nahrung, nachdem die überbordende Blütenfülle des Frühlings und Frühsommers für dieses Jahr der Vergangenheit angehört. In „normalen“ Jahren würde jetzt auch die Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) die Tafel von Biene und Co. bereichern – allein, sie macht in diesem Jahr ihrem Namen nicht unbedingt Ehre, denn mitten im Hochsommer ist sie in der regiorchis zum größten Teil schon verblüht und hat dicke Fruchtkapseln angesetzt. Der ungewöhnliche Witterungsverlauf hat also auch sie dazu veranlasst, rund zwei bis drei Wochen früher zu blühen als in durchschnittlichen Jahren.

An ihren Standorten am Albtrauf zwischen Gruibingen und Weilheim u. T. sind nur noch wenige Individuen in Hochblüte zu finden. Von Jahrhunderte alten, mächtigen Eichen bewacht, blüht aber die Magerwiese in spätsommerlicher Pracht, und es ist eine Freude, darin die letzten Orchideenblüten des Jahres zu entdecken.

An einer Stelle auf der Wiese hat wohl ein Greifvogel oder eine Eule die erjagte Beute gerupft – zwischen den verstreuten Federn lugen auch einige Drehwurzen aus den Hinterlassenschaften des Räubers.

Blüten- und Fruchteindrücke 2011 des entzückenden Winzlings Spiranthes spiralis finden Sie in der entsprechenden Rubrik – viel Freude beim Anschauen!

Drehungen in den Herbst

September 13, 2010

Das Heidekraut (Calluna vulgaris), geneigter Naturfreund,

gehört in der Region nicht unbedingt zu den Allerweltspflanzen, denn die kalkhaltigen Böden der Schwäbischen Alb und des Albtraufs sagen ihm nicht sonderlich zu. Es verlangt zumindest oberflächlich versauerten Boden, und Biotope mit dieser Eigenschaft sind hier nicht besonders häufig. Dass es sie dennoch gibt, ist ein Glücksfall für die kleine Orchidee, die den Abschluss bildet im Blütenreigen des Jahres: Der Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis) schmeckt sauer (soll ja bekanntlich lustig machen) ebenso gut wie dem Heidekraut; werden die Wiesen wie bei Weilheim u. T. zudem von Schafen kurz gehalten, kann sie auch bei uns prächtig gedeihen.

Die kleine Schönheit macht ihrem Namen dieses Jahr alle Ehre, denn im Vergleich zum Jahr 2009 ist sie gute drei Wochen später dran mit der Blüte. Am 22. August 2010, als die Bilder der Schafherde entstanden sind, war von ihr jedenfalls nichts zu sehen – und zumindest auf dieser Wiese rechnete ich auch nicht mehr mit blühenden Pflanzen, denn die Paarhufer sind ja keine Kostverächter und lassen sich auch Orchideen-Knospen schmecken. Umso größer war die Überraschung, als ich am 10. September 2010 in eben diesem Biotop blühender Pflanzen angesichtig werden durfte. Einige Drehwurzen hatte den „Besuch” überstanden und standen schön in Blüte.

Ein ganz anderes Bild zeigte sich an einem zweiten Wohnort der winzigen Kostbarkeiten: Dort wendelten einige hundert Individuen ihre duftenden Infloreszensen der herblichsten Sonne entgegen. Ein unvergessliches Bild auf dem kleinen Stück kurzrasiger Wiese, wie sie in Gemeinschaft mit Heidekraut und Golddistel vor Lebensfreude nur so strotzten.

Viel Spaß mit den frühherbstlich-spätsommerlichen Foto-Eindrücken in der Rubrik Spiranthes spiralis!

Verdrehter Hochsommer

August 18, 2009

s-spiralis-titelGeneigter Leser,

was ist das Schöne bei der Beschäftigung mit der Natur? – Dass es immer Neues zu entdecken gibt, auch noch nach Jahrzehnten: So ist es mir am 16. August 2009 ergangen, nachdem ich von Dr. Zelesny den Tipp bekam, wo in der regiorchis Spiranthis spiralis zu finden seien. Seine exzellente Beschreibung der Standorte war ein Volltreffer und so konnte ich mit meinen Brüdern Dominik und Christoph auf zwei Magerrasen am Albtrauf die winzige Spätblüherin bewundern. Die Pflanzen standen in Hochblüte, eher ungewöhnlich für die Art, die in den meisten Jahren erst Ende August bis Anfang September mit dem Blühen loslegt. Man muss schon genau hinsehen, um die Individuen in ihren Wuchsorten zu entdecken; dabei fällt einem dann auch ins Auge, wie niedrig die sie begleitende Vegetation ist – eine Folge der Schafbeweidung, die wohl eine Grundvoraussetzung für das Gedeihen der Herbst-Wendelorchis ist. Und Schafspuren in Form von Hufabdrücken und anderer Hinterlassenschaften der Tiere waren an beiden Standorten zu finden.

So hat der Sonntag, der übrigens seinem Namen wettermäßig alle Ehre gemacht und einen wunderschönen Sommertag gebracht hat, mir für die Region eine wunderbare Neuentdeckung beschert. Die fotografischen Eindrücke finden Sie in der neuen Rubrik „Spiranthes spiralis“.