Posts Tagged ‘Hybride Manns- und Blasses Knabenkraut’

Frühlingsfest

April 16, 2014

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Willkommen mitten im Orchideen-Frühling, werter Naturliebhaber!

Während unsere Mähder immer noch mit den letzten Blumen der typischen Frühblüher wie Schlüsselblumen und „Baurabüabla“ (Kleine Traubenhyazinthe – Muscari botryoides) geschmückt sind, haben auch unsere Orchideen schon eifrig mit der Blüte begonnen. So waren schon am 5. April 2014 die ersten vorwitzigen Blüten der Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) in den eingenebelten Heiden bei Bad Ditzenbach zu entdecken – so früh im Jahr habe ich das meiner Lebtag noch nicht erlebt:

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Die folgende Woche brachte Sonnenschein und Wärme und so ließ das Wochenende einiges erwarten – es startete denn auch mit einem absoluten Höhepunkt: Klaus Wohlfahrt hatte mir am Freitag eine sehr nette E-Mail geschrieben, in der er mich auf Spinnen-Ragwurzen bei Nenningen hinwies, auch eine apochrome Form sei dort zu finden! Dank seiner ausgezeichneten Beschreibung fand ich die wunderhübsche Pflanze am 12. April 2014 in Hochblüte:

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Auch die „normalen“ Spinnen boten in der Wacholderheide, die von Nestern des Frühlingsenzians übersät ist, einen entzückenden Anblick.

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Zu meiner großen Überraschung fand sich sogar eine Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) mit zwei geöffneten Blüten in der Nachbarschaft!

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Am 13. April 2014 zeigte sich auch die vor Wochenfrist besuchte Heide bei Bad Ditzenbach unter strahlendem Sonnenschein. Man mag kaum glauben, was sich innerhalb einer Woche in der Natur abspielt, wenn die Witterung entsprechende Voraussetzungen schafft – Große und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola) die Menge, austreibend, knospig und in Blüte, Orchideen-Nester in einem Meer von Küchenschellen-Fruchtständen oder neben Tuffs von leuchtend blauen Frühlingsenzianen: Ein wahrhaft paradiesischer Anblick.

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Bergan ging es dann durch die Heide, um ein wenig Felsenluft zu schnuppern. Am Waldesrand streckte die Nestwurz (Neottia nidus-avis) zwei weit entwickelte Knospenstände der Sonne entgegen, direkt am Wegesrand stand ein Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) prächtig in Blüte.

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Der Blick von den Felsen zeigt mir jedes Mal aufs Neue, wie unglaublich schön der Nordtrauf unserer Schwäbischen Alb, gerade auch im Oberen Filstal, ist. Die riesigen Kalkbrocken sind derzeit mit dem Blütenflor ihrer typischen Gehölze geschmückt, wie beispielsweise der Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und der Felsenmispel (Cotoneaster integerrimus):

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In warmen, nur licht beschatteten Waldpartien haben bereits Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit dem Blühen angefangen.

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Unweit der Felsen, nur wenige Meter vom Trauf entfernt auf der Alb-Hochfläche, zeigen sich auch die Bewohner der dortigen kleinen Heide von ihrer besten Seiten: Manns-Knabenkraut, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) und ihre Kinder (Orchis x hausknechtii) sind zum Teil schon voll erblüht, zum Teil noch in Knospe.

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So hat denn ein außerordentlich frühes Orchideenjahr begonnen; freudig erwarte ich die kommenden Feiertage, denn es gilt, noch viele weitere Biotope anzusteuern, um unseren grünen Freunden die österliche Aufwartung zu machen. Kann es denn ein schöneres Sinnbild für das altgermanische und christliche Hochfest geben als solch blühendes Leben?

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Osterspaziergang

April 27, 2011

Geneigter Leser,

nicht nur das Vergissmeinnicht (Myosotis spec.) scheint in diesem Jahr den Worten Meister Goethes in seinem Faustschen Osterspaziergang widersprechen zu wollen:

„Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,“

Auch die übrige Flora will nicht nachstehen – ein solch orchideenblumenreiches buntes Ostern dürfte es in der Region wohl selten gegeben haben.  Natürlich spielt der späte Termin eine Rolle, aber auch die ungewöhnlich warmen vergangenen Aprilwochen haben dafür gesorgt, dass die Natur wahrhaft die Blüten hat explodieren lassen. So haben die Hybriden von Blassem und Manns-Knabenkraut (Orchis x hausknechtii) und ihre Eltern am Karsamstag ein unvergleichliches Bild geboten: Die  Sonne brachte helles Gelb und dunkles Purpurviolett der Erzeuger sowie die dazwischenliegenden Tönungen ihrer Kinder weithin zum Leuchten – als ob auch die Orchideen das Osterfest gebührend begehen wollten.

Das Kleine Knabenkraut  (Anacamptis morio) hat die Hochblüte beinahe überschritten und beginnt teilweise schon zu verblühen, während das Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata) in seiner direkten Nachbarschaft mit der Blüte angefangen hat. Das Manns-Knabenkraut  (Orchis mascula) zeigt sich auf Wiesen und in lichten Wäldern in allen Blühstadien: Exemplare, deren Infloreszensen sich gerade aus dem Hüllblatt hervorschieben, stehen unweit von solchen mit farbigen Knospen und voll erblühten Individuen. Dieses phantastische Phänomen ist dieses Jahr bisher bei fast allen früh blühenden Orchideen zu beobachten.

Bleibt mir, Ihnen viel Spaß mit den Eindrücken einer blumen- und sonnenverwöhnten Osterwoche zu wünschen. Sie finden die Fotos bei den entsprechenden Arten.

Lebhaftes Treiben

April 11, 2011

Verehrter  Orchideenfreund,

so wie die Blindschleiche (Anguis fragilis) genießen auch die Pflanzen in der Region zur Zeit eitel Sonnenschein. Überall sprießen frische Triebe und die Frühblüher brennen das erste Blumenfeuerwerk des Jahres 2011 ab. Die Böden der noch kahlen Buchenwälder sind von den Frühjahrs-Geophyten überzogen, auf den Heiden blühen die letzten Küchenschellen und Teppiche mit Frühlingsenzian. Unten finden Sie einige Fotos, die im Zeitraum vom 8. März bis 3. April entstanden sind.

Auch unsere Orchideen legen sich mächtig ins Zeug: Am 9. April hat das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) bereits die ersten Blüten geöffnet. Auf einer Heide bei Bad Ditzenbach sind derzeit alle Phasen des Erblühens zu bewundern: Noch völlig vom Hüllblatt umschlossene Infloreszensen, Knospenstände und Blütenstände mit sich entfaltenden Blüten. Auch die Hybriden (Orchis x hausknechtii) mit dem Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigen zum Teil schon farbige Knospen, sind aber noch nicht so weit wie ihr gelber Elter. Vom Manns-Knabenkraut sind noch keine Knospenstände zu entdecken, sie sind allesamt noch verhüllt.

Die Rosetten der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), der Spinnen– und Fliegen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und insectifera) sind ebenfalls schon prächtig entwickelt, die Spinne zeigt sogar schon ihr straff aufgerichtetes zentrales Hüllblatt, das den Blütenstand noch schützend umgibt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) war über den Winter nicht untätig und ihre Blattrosetten sind in den Wacholderheiden schon gut zu erkennen, wogegen das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) erst mit den Blattspitzen aus dem Boden hervorlugt – ebenso wie der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) an seinem Wohnort, dem licht beschatteten Rand einer Wacholderheide.

Genießen Sie die ersten Orchideen-Eindrücke dieses Jahres in den entsprechenden Art-Rubriken und den folgenden kleinen Bilder-Spaziergang durch die vom Frühling verzauberte regiorchis!

Zu tausenden überzieht der Märzenbecher (Leucojum vernum) bei Bad Überkingen am 8. März 2011 den Waldboden.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Blütenmeeres ist ein kleines Bächlein noch teilweise vom Eis bedeckt.

Auch der Seidelbast (Daphne mezerum) und die Palmblättrige Nieswurz (Helleborus foetidus) stehen in Hochblüte:

An sonnigen Waldrändern und an lichten Felsfüßen blüht wunderbar das Leberblümchen (Hepatica nobilis).

Am 2. April 2011 schmückt der Frühlings-Enzian (Gentiana verna) die Wacholderheiden rund um Unterböhringen tausendfach mit seinem leuchtend reinen Azurblau.

Zwei Spaziergänge am 3. April 2011 bescherten die folgenden Fotos aus blumenverzauberten Wäldern und von sonnenverwöhnten Halbtrockenrasen.

Gelbe (Anemone ranunculoides) und Weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa) weben bei Geislingen/Steige blühende Teppiche über den Waldboden. An feuchteren Stellen ist ab und an der Wald-Gelbstern (Gagea lutea) mit ihnen vergesellschaftet.

Auf den Felsen rund um Geislingen hat das Immergrüne Felsenblümchen (Draba aizoides) schon Früchte angesetzt. Eine Infloreszens zeigte noch die hübschen gelben Blüten.

Auch die Lungenkräuter (Pulmonaria spec.) beginnen jetzt eifrig mit dem Blühen.

Die letzten Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schmücken noch die Wacholderheiden wie hier bei Reichenbach i. T. Zur Hochblüte der Spinnen-Ragwurz verleihen ihre flauschigen Blütenstände den Heiden einen unvergleichbaren Reiz.

Orchideen kreuz und quer

Mai 12, 2010

Geneigter Leser,

selbst alte Hasen vermag die Natur immer wieder zu überraschen. Ich meine damit nicht mich, sondern einen Herrn gesetzteren Alters, den ich am 8. Mai in einer Wacholderheide bei Bad Ditzenbach getroffen hatte. Er erzählte mir von einem Standort auf der Alb-Hochfläche, direkt am Trauf, wo ein herrlicher Bestand von Blassem Knabenkraut (Orchis pallens), durchsetzt mit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) und den Kreuzungen der beiden (Orchis x haussknechtii) zu bewundern sei – und fügte hinzu, dass er so etwas im Lauf der Jahrzehnte, die er schon „in die Orchideen gehe” noch nicht erlebt habe. Einen Hinweis auf dieses Biotop hatte ich zuvor auch schon von Dr. Werner Spengler erhalten – also machte ich mich an den Aufstieg und fand das kleine Paradies. Die beiden Herren hatten nicht übertrieben; ein wundervolles Plätzchen tat sich auf, mit über 100 Orchis pallens und vielen Hybriden derselben mit Orchis mascula. Dieser herrliche Anblick ließ das trübe Wetter schnell vergessen. Bilder finden Sie auf der Orchis x hausknechtii-Seite unter der neuen Rubrik Orchideen-Hybriden.

Zuvor hatten mich die vielen Spinnen-Ragwurzen (Ophrys sphegodes) und Kleinen Spinnen-Ragwurzen (Ophrys araneola) im Trockenrasen am Hang entzückt – es macht jedes Mal viel Spaß, den verschiedenen Individuen in ihre Blüten zu schauen und die Variabilität zu bewundern. Die atemberaubenden Ausblicke auf die blühenden Apfelbäume krönten diese Exkursion zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Tag darauf, Sonntag 9. Mai, spazierte ich mit meinem Bruder Dominik dann bei Reichenbach i. T. über die Heide. Auch hier waren viele Spinnen-Ragwurzen zu sehen. Zu Beginn unseres Streifzuges fanden wir diese Nachzügler-Blüte einer Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris);

auch in der Natur kommt scheinbar manchmal jemand zu spät, denn ihre Artgenossen hatte allesamt schon ihre wunderbar duftigen Fruchtstände gebildet. Neben den Ragwurzen war allenthalben sprießendes Orchideen-Leben zu entdecken: Die austreibenden Blätter der Händelwurzen, knospige Helm-Knabenkräuter, erste Blüten der Fliegen-Ragwurz und Manns-Knabenkraut in Hochblüte. Die Krönung des Tages war die Kreuzung von Spinnen- und Fliegen-Ragwurz, die wir Dank des Hinweises von Dr. Spengler bewundern durften. Ja, jetzt ist der Orchideen-Frühling da – auch wenn das Wetter aus Menschensicht noch nicht unbedingt mittun will.

Viel Freude mit den neuen Foto-Eindrücken aus der Region!

Paris gefesselt und Orchis im Regen

Mai 12, 2009

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Werter Besucher,

die Orchideenblüte in der regiorchis hat begonnen. Dank des warmen Aprils stehen verschiedene Arten schon in Hochblüte, ja die Frühblüher unter den Orchideen sind bereits im Verblühen begriffen.

Die erste Orchideentour führte Ute und mich auf eine Wacholderheide bei Mühlhausen i. T., die ich einige Jahre nicht besucht hatte, aber von früher als reichen Standort von Kleiner und Großer Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und Ophrys sphegodes) kannte. Auf dem Weg dorthin begegnete uns obige Einbeere (Paris quadrifolia). Ihr Trieb hatte sich durch ein Buchenblatt gebohrt, allerdings hatten die Blätter dann wohl nicht mehr die Kraft, sich zu entfalten und sich aus der Fessel zu befreien. So hat die Pflanze dieses Jahr bestimmt einige Nachteile bei der Assimilation im Vergleich zu ihren voll entfalteten Schwestern.

Auf der Wiese angekommen, war die Enttäuschung zunächst groß: Nicht eine Pflanze der „Spinnen“ war zu entdecken. War die gesamte Population inklusive der früher hier wachsenden Bastarde von Spinnen- und Fliegen-Ragwurz vernichtet? Waren wir zu bald dran? Auch Blatt-Rosetten waren keine zu sehen, wobei ich gestehen muss, dass die Suche danach nicht allzu intensiv verlief, da uns das Wetter mit einem kräftigen Regenguss dazu zwang, eine Pause unter einer beinahe wasserdichten Fichte zu machen. Nach dem Regen jedoch war die Enttäuschung schnell verflogen, denn die weitere Erkundung des Biotops brachte uns zu einem schönen Bestand von Manns-Knabenkraut, größtenteils waren die Pflanzen noch vollkommen knospig. Ganz in der Nähe waren zwei voll erblühte, wunderbar dunkle und eine verwaschen rosafarben blühende Pflanzen zu entdecken. Waren die drei ihren Geschwister so weit voraus? Bei näherem Hinsehen zeigte sich dann, dass hier wohl das Blasse Knabenkraut seine Finger mit im Spiel gehabt haben musste! Aber von Orchis pallens war in der Umgebung nichts zu entdecken. Das änderte sich einige Minuten später, als wir auf einen schönen Bestand von Blassem Knabenkraut (Orchis pallens) trafen. Ganz in der Nähe der herrlich blühenden Knabenkräuter fand sich ein großes Vorkommen unseres „Baurabüable“  (Kleine Traubenhyazinthe, Muscari botryoides), einen herrlichen Anblick bot das Blau in dieser Masse. Und dann war da noch einmal eine eindeutige Orchis mascula x pallens-Kreuzung. Trotz Regen und der anfänglichen Enttäuschung bedeutete dieser Tag so doch noch einen verheißungsvollen Start in die Orchideen-Saison 2009…

Die Fotos dieses Tages finden Sie in den Rubriken Orchis mascula und Orchis pallens. Viel Freude beim Ansehen!