Posts Tagged ‘Kleine Spinnen-Ragwurz’

Frühlingsfest

April 16, 2014

linie2

muscari

Willkommen mitten im Orchideen-Frühling, werter Naturliebhaber!

Während unsere Mähder immer noch mit den letzten Blumen der typischen Frühblüher wie Schlüsselblumen und „Baurabüabla“ (Kleine Traubenhyazinthe – Muscari botryoides) geschmückt sind, haben auch unsere Orchideen schon eifrig mit der Blüte begonnen. So waren schon am 5. April 2014 die ersten vorwitzigen Blüten der Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) in den eingenebelten Heiden bei Bad Ditzenbach zu entdecken – so früh im Jahr habe ich das meiner Lebtag noch nicht erlebt:

5-04-14-O-sphegodes-1

5-04-14-O-sphegodes-2

Die folgende Woche brachte Sonnenschein und Wärme und so ließ das Wochenende einiges erwarten – es startete denn auch mit einem absoluten Höhepunkt: Klaus Wohlfahrt hatte mir am Freitag eine sehr nette E-Mail geschrieben, in der er mich auf Spinnen-Ragwurzen bei Nenningen hinwies, auch eine apochrome Form sei dort zu finden! Dank seiner ausgezeichneten Beschreibung fand ich die wunderhübsche Pflanze am 12. April 2014 in Hochblüte:

12-04-14-O-sphegodes apochrom-1

12-04-14-O-sphegodes apochrom-2

12-04-14-O-sphegodes apochrom-3

Auch die „normalen“ Spinnen boten in der Wacholderheide, die von Nestern des Frühlingsenzians übersät ist, einen entzückenden Anblick.

12-04-14-O-sphegodes-3

12-04-14-O-sphegodes-4

12-04-14-O-sphegodes-5

12-04-14-O-sphegodes-2

Zu meiner großen Überraschung fand sich sogar eine Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) mit zwei geöffneten Blüten in der Nachbarschaft!

12-04-14-O-insectifera

Am 13. April 2014 zeigte sich auch die vor Wochenfrist besuchte Heide bei Bad Ditzenbach unter strahlendem Sonnenschein. Man mag kaum glauben, was sich innerhalb einer Woche in der Natur abspielt, wenn die Witterung entsprechende Voraussetzungen schafft – Große und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola) die Menge, austreibend, knospig und in Blüte, Orchideen-Nester in einem Meer von Küchenschellen-Fruchtständen oder neben Tuffs von leuchtend blauen Frühlingsenzianen: Ein wahrhaft paradiesischer Anblick.

09-04-2014-o-sphegodes-4

09-04-2014-o-sphegodes-3

09-04-2014-o-sphegodes-2

09-04-2014-o-sphegodes

09-04-2014-o-sphegodes-5

09-04-2014-o-araneola-2

09-04-2014-o-araneola

09-04-2014-o-araneola-1

09-04-2014-o-araneola-3

09-04-2014-o-araneola-4

09-04-2014-o-araneola-5

09-04-2014-o-araneola-6

09-04-2014-o-araneola-7

09-04-2014-o-araneola-8

Bergan ging es dann durch die Heide, um ein wenig Felsenluft zu schnuppern. Am Waldesrand streckte die Nestwurz (Neottia nidus-avis) zwei weit entwickelte Knospenstände der Sonne entgegen, direkt am Wegesrand stand ein Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) prächtig in Blüte.

09-04-2014-n-nidus-avis

09-04-2014-o-mascula-2

Der Blick von den Felsen zeigt mir jedes Mal aufs Neue, wie unglaublich schön der Nordtrauf unserer Schwäbischen Alb, gerade auch im Oberen Filstal, ist. Die riesigen Kalkbrocken sind derzeit mit dem Blütenflor ihrer typischen Gehölze geschmückt, wie beispielsweise der Felsenbirne (Amelanchier ovalis) und der Felsenmispel (Cotoneaster integerrimus):

09-04-2014-amelanchier ovalis-2

09-04-2014-amelanchier ovalis-1

09-04-2014-cotoneaster integerrimus

In warmen, nur licht beschatteten Waldpartien haben bereits Maiglöckchen (Convallaria majalis) mit dem Blühen angefangen.

09-04-2014-convallaria majalis

Unweit der Felsen, nur wenige Meter vom Trauf entfernt auf der Alb-Hochfläche, zeigen sich auch die Bewohner der dortigen kleinen Heide von ihrer besten Seiten: Manns-Knabenkraut, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens) und ihre Kinder (Orchis x hausknechtii) sind zum Teil schon voll erblüht, zum Teil noch in Knospe.

09-04-2014-o-mascula

09-04-2014-o-pallens-1

09-04-2014-o-pallens-2

09-04-2014-o-x-hausknechtii-1

09-04-2014-o-x-hausknechtii-2

So hat denn ein außerordentlich frühes Orchideenjahr begonnen; freudig erwarte ich die kommenden Feiertage, denn es gilt, noch viele weitere Biotope anzusteuern, um unseren grünen Freunden die österliche Aufwartung zu machen. Kann es denn ein schöneres Sinnbild für das altgermanische und christliche Hochfest geben als solch blühendes Leben?

Advertisements

Winterjuwelen

Februar 23, 2014

linie2

Verehrter Besucher,

strunk-pilze

nachdem der Winter 2013/14 wohl doch ausfallen will, war es an der Zeit, sich auf Schatzsuche zu begeben. Ziel waren unsere grünen Juwelen im Oberen Filstal, auch wenn sich die Natur auf den ersten Blick noch winterlich graubraun gibt.

22-2-2014-landschaft-1

22-2-2014-landschaft-2

Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber schon viel Leben mitten im „Winter“, der bisher in der Region einfach nicht stattgefunden hat. In den feuchten Schluchtwäldern blühen die Märzenbecher (Leucojum vernum) zu tausenden, auf der Wacholderheide zeigen sich vorwitzig die ersten Blüten des Frühlingsenzians (Gentiana verna):

22-2-2014-g-verna-1

22-2-2014-g-verna-2

Aber der 22. Februar 2014 hielt noch weitere Sehenswürdigkeiten auf der Wacholderheide bei Bad Ditzenbach bereit. Unsere heimischen Orchideen haben sich bereits mächtig ins Zeug gelegt und die Entwicklung ihrer Blätter weit vorangetrieben. Die Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) ist zu hunderten leicht in den Halbtrockenrasen auszumachen; teilweise in schönen Gruppen glitzern die Rosetten gleich grünen Diamanten in der Sonne.  Auch Fliegen- und Bienen-Ragwurz (Ophrys insectifera und apifera) zeigen ihre Triebe. Das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), der Ohnsporn (Orchis antropophora), die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis), die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) – eifrig sind sie dabei, ihre Blätter zu entfalten, um jeden Sonnenstrahl einfangen zu können. Die auffallendste Erscheinung aber ist die Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) – kraftstrotzend zeigt sie ihre Triebe dutzendweise.

Sollte der kalte General nicht doch noch zuschlagen wollen, dann dürfen wir uns auf eine reiche Blüte der frühen Arten freuen – der momentane Zustand der Pflanzen ist auf jeden Fall vielversprechend.

Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes):

22-2-2014-o-sphegodes-2

22-2-2014-o-sphegodes-3

22-2-2014-o-sphegodes-1

Spinnen-Ragwurz und Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis):

22-2-2014-a-pyramidalis+o-sphegodes

Pyramidenorchis:

22-2-2014-a-pyramidalis

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera):

22-2-2014-o-apifera

Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera):

22-2-2014-o-insectifera-1

22-2-2014-o-insectifera-2

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea):

22-2-2014-g-conpsea

Manns-Knabenkraut (Orchis mascula):

22-2-2014-o-mascula-2

22-2-2014-o-mascula-1

Ohnsporn (Orchis antropophora):

22-2-2014-o-antropophora

Riemenzunge (Himantoglossum hircinum):

22-2-2014-h-hircinum-1

22-2-2014-h-hircinum-3

22-2-2014-h-hircinum-2

h-hircinum-2014-22-feb

Alle Fotos sind, wie gesagt, am 22. Februar enstanden. Interessant ist der Vergleich mit dem Vorjahr – das folgende Bild von Himantoglossum habe ich letztes Jahr am 17. April aufgenommen!

h-hircinum-2013-17-april

Angesengte Wiese, spinnenfeine Heide

Mai 23, 2013

linie2

Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger),
lieber Besucher,

10-5-2013-Limax cinereoniger-Schwarzer Schnegel

fühlt sich bei der derzeit herrschenden nass-kühlen Witterung pudelwohl. Auch unsere Orchideen scheinen vom klimatischen Verlauf von Winter und Frühling zu profitieren: Nach der Blütenexplosion des Blassen Knabenkrauts (Orchis pallens) zeigen derzeit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), seine Hybriden mit der gelben Schwester (Orchis x haussknechtii), Kleine und Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und sphegodes), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ihre Infloreszensen in einer Pracht und Anzahl, dass dem Betrachter das Herz aufgeht. Es scheint sich zu bestätigen, dass heuer ein außergewöhnlich gutes Orchideenjahr ins Land gezogen ist.

Dolycoris baccarum Beerenwanze

Auf der Wiese der Narren bei Reichenbach u. R. hat Exkursionsfreund Timo und mich am 15. Mai 2013 eine Beerenwanze (Dolycoris baccarum) bei der Ankunft begrüßt. Die Kleinen Knabenkräuter (Anacamptis morio) hatten ihren Blütenhöhepunkt erreicht, größtenteils schon überschritten.

15-Mai-2013-A-morio

15-Mai-2013-A-morio-2

Unser eigentliches Ziel waren aber die Blütenstände des Brand-Knabenkrauts; nach einem sehr netten Telefonat mit Herrn Nickl aus Süßen, der nach 30 Jahren heuer wieder die schönen Zwerge fotografiert hat und mich auf ihre aktuelle Blüte hingewiesen hatte, machten wir uns auf und wurden aufs Angenehmste überrascht: Über 20 Infloreszensen konnten wir in der herrlichen Bergwiese ausmachen, und es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Pflanzen blühenderweise im hohen Gras der Sonne entgegenreckten, denn die Schönheiten sind ob ihrer Winzigkeit nicht leicht auszumachen. Eine solche Anzahl habe ich in den vielen Jahren meiner Besuche noch nicht zu Gesicht bekommen!

Drei Tage später wurden Freund Christian und ich von der Blüte unserer beiden Spinnen-Ragwurzen bei Bad Ditzenbach überwältigt. Dutzende Exemplare der Kleinen und Großen lachten mit ihren Blumen in die Sonne; äußerst kräftige Pflanzen schmückten sich mit bis zu 15 Blüten, prächtige Gruppen waren zu sehen, zum Teil waren die Blütenstände voll erblüht, andere zeigten sich noch ganz am Anfang ihrer Entfaltung. Es ist derzeit eine Freude, die Unterschiedlichkeit der Individuen zu studieren, denn auch die Spinnen zeigen eine außergewöhnlich reiche Blüte. Als Sahnehäubchen hatte das Helm-Knabenkraut mit der Blüte begonnen, ebenso seine Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida) und eine Hummel-Fliegen-Kreuzung (Ophrys x devenensis).

18-5-2013-o-sphegodes-x-insectifera

Auch die Fliegen– und Hummel-Ragwurz (Orchis insectifera und holoserica) schicken sich an, in die Blütensymphonie mit einzustimmen. Aus einem durch einen Zaun abgetrennten Bereich der Heide  leuchtete weithin sichtbar das Manns-Knabenkraut in einer starken Gruppe. Beim Verlassen des Biotops waren wir beinahe sprachlos ob der geschauten Pracht.

Schon in der Gegend, beschlossen wir, dem wunderbaren Biotop oberhalb des Kurortes noch einen Besuch abzustatten. Esche (Fraxinus excelsior) und Traubeneiche (Quercus petraea) hießen uns mit schön gefärbten Blattaustrieben willkommen, auf der Heide stand die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) kurz vor dem Erblühen, der Mairitterling (Calocybe gambosa) zierte mit seinen Fruchtkörpern den sonnigen Gehölzrand.

18-5i-2013-esche

18-5-2013-eiche

18-5-2013-Vielblütige Weißwurz-Polygonatum multiflorum

Calocybe gambosa-Mairitterling

Der weitere Weg belohnte uns mit einer überwältigenden Aussicht ins Obere Filstal,

18-5-2013-oberes filstal

bevor wir schließlich unser Ziel erreichten: Die Heideecke, die zu Monatsbeginn noch dem Blütenrausch des Blassen Knabenkrauts vorbehalten war, zeigte jetzt eine verschwenderische Fülle von Manns-Knabenkraut in Hochblüte, Blassem Knabenkraut im Abblühen und eine Vielzahl von Hybriden der beiden. Das Farbenspiel im Wechsel von Sonne und Wolken war einfach unbeschreiblich.

Am 20. Mai 2013 schließlich durfte ich in Begleitung von Alix und Barillo die Herrlichkeit der Knabenkraut-Blüte bei Nenningen bewundern; auf dem Weg zur Feuchtwiese im hintersten Winkel des Seitentals der Lauter wartete eine Überraschung: Im Randbereich eines Fichtenforsts (!) zeigte sich ein knospiges Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) kurz vor dem Aufblühen! Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Standort für einen Bewohner des lichten Schattens. Auf der Feuchtwiese war dann das Breitblättrige Knabenkraut zu bewundern – im Sonnenschein, nachdem uns auf dem Weg Schauer und Donner begleitet hatten.

Sie sehen, werter Naturfreund, dass sich in der Region derzeit vieles tut, was unsere heimische Orchideen und die Flora überhaupt anbelangt – und das bei dem ungewöhnlich nassen und kalten Maienwetter. Glücklicherweise war uns auf allen Exkursionen die Sonne zumindest teilweise hold; ich wünsche Ihnen daher viel Vergnügen mit den neuen Fotos in den Rubriken Neotinea ustulata, Ophrys araneola, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris, Orchis purpurea und Dactylorhiza majalis.

Alles neu macht der Mai

Juni 3, 2012

Geschätzter Orchideenfreund,

dieser bekannte Spruch trifft auch auf unsere heimischen Orchideen zu, denn der Mai ist einer der Haupt-Blütenmonate vor allem der mediterranen Schönheiten. Es ist allerdings festzustellen, dass nach den herben Kahlfrösten im Winter alles später blüht als in den beiden vorhergehenden Jahren und die Blüte bei den meisten Arten auch weitaus spärlicher ausfällt. So sind die Infloreszensen von Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes) und ihrer kleinen Schwestern Ophrys araneola bei weitem nicht so reichlich anzutreffen wie vor Jahresfrist. Auch die wunderbare Wiese bei Bad Ditzenbach, die einer Vielzahl der Hybriden von Manns- und Blassem Knabenkraut (Orchis x haussknechtii) Heimstatt ist, bietet nicht den atemberaubenden Anblick der letzten Jahre: Wenige Pflanzen blühen, die meisten haben nur sterile Triebe gebildet. Das Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) und das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) dagegen scheinen halbwegs gut zu blühen, wenn auch ebenfalls nicht in solcher Fülle. Überraschend ist andererseits die Pracht, die das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) auf seiner Feuchtwiese bei Nenningen heuer präsentiert: Dort stehen sehr viele Pflanzen in Blüte, ich kann mich nicht erinnern, jemals schon so viele, zum Teil prächtigste Exemplare dort bewundert haben zu dürfen.

Es lässt sich also feststellen, dass die Tendenz zu einem eher schwachen Orchideen-Blütenjahr, wie sie auch in anderen Teilen Deutschlands festgestellt wird, in der Region ebenfalls auf die meisten Arten zuzutreffen scheint. So konnte ich bisher bei der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum), die in vielen Gegenden wohl blütenmäßig total auszufallen scheint, nur Blattrosetten in den Heiden ausmachen – gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die ein oder andere Pflanze, später als gewohnt, noch einen Blütenstand treibt. Denn ehrlich gesagt haben uns die letzten Jahre ja verwöhnt, mit ungewöhnlich milden Wintern und warmen Frühjahren, die den mediterranen Arten eben sehr entgegenkamen. Dieses Jahr scheint ein „normaleres“ für unsere Klimazone zu werden – wovon auf der anderen Seite die Arten der gemäßigten Zone wie Dactylorhiza majalis zu profitieren scheinen.

Nichtsdestotrotz gibt es auch dieses Jahr wieder viel Schönes zu sehen. Aktuelle Fotos finden Sie bei Anacamptis morio, Cypripedium calceolus, Dactylorhiza majalis, Neotinea ustulata, Neottia nidus-avis, Neottia ovata, Ophrys araneola, Ophrys insectifera, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris und Orchis pallens.  Hingewiesen sei auf ein schönes Foto, das mir Herr Lesky hat zukommen lassen: Es zeigt die Hybride von Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis). Viel Spaß beim Anschauen!

Mai-Revue

Juni 29, 2011

Lieber Orchideenfreund,

lange war es ruhig auf regiorchis, und das zur Hauptsaison – dummerweise lässt man sich von Dingen wie Arbeit oft von den schönen und wichtigen Aktivitäten, die das Leben eben ausmachen, abhalten. So erging es mir im Mai, schlimmer gar noch im Juni, und mehr als einige kurze Ausflüge zu unseren pflanzlichen Lieblingen waren leider nicht machbar. Daher will ich Ihnen heute einen kleinen Abriss der Maiereignisse präsentieren.


Der Schmetterlingshaft  (Libelloides coccajus) gab sich am 30. April 2011 die Ehre und posierte ausgiebig vor der Kamera, bevor er in die Sonne des Nachmittags davonflog. Eine große Anzahl seiner Artgenossen bevölkert das Biotop bei Bad Ditzenbach, in dem auch die Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola) immer noch eifrig Blüten anbot. Neben Exemplaren in Hochblüte fanden sich auch solche, die schon komplett verblüht waren. Erstaunlicherweise zeigten sich ihre großen Schwestern  (Ophrys sphegodes) größtenteils verblüht und es waren nur noch einige Nachzügler zu finden. Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) präsentierte, wie so viele anderen Arten in diesem ungewöhnlichen Jahr, alle Stadien des Erblühens: Vom angefärbten Knospenstand bis zu Exemplaren in schöner Blüte war an diesem Tag alles zu bestaunen.

Der 7. Mai bescherte mir einen Ausflug in ein schönes Tal bei Nenningen, in überaus charmanter Begleitung von Alix und ihrem Hund Barillo. In der wunderbaren Feuchtwiese am Hang, die dort in der hintersten Ecke bis heute überdauert hat, leuchteten fröhlich Dutzende Breitblättrige Knabenkräuter (Dactylorhiza majalis), begleitet von Wollgräsern (Eriophorum spec.), die ihre weißen Büschel duftig über der Wiese schweben ließen. Die Sprosse des Gelben Enzians (Gentiana lutea) in den benachbarten Wacholderheiden forderten förmlich dazu auf, bald wieder dorthin zurückzukehren!

Ihre ganze überschäumende Maipracht demonstrierte die Natur am 8. Mai. Über blühende Blumenwiesen mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Arten spazierte ich bei Reichenbach i. T. zur Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), deren Individuen zu blühen begannen. Erfreulicherweise fand sich auch die Hybride der Fliege mit der Spinnen-Ragwurz wieder, auf die mich Herr Dr. Spengler letztes Jahr aufmerksam gemacht hatte.

Mein persönliches florales Mai-Light 2011 fand am 22. des Monats statt: Mit meinen beiden Fratres orchidophiles Christoph und Michael (v. l. n. r.)  erklomm ich den wunderbaren steilen Berg  bei Unterböhringen, der neben einer stetig wachsenden Population der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) dem Blumenfreund auch solche Schätze wie Spinnen-Ragwurz, Blasses Knabenkraut (Orchis pallens), Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Katzenpfötchen (Antennaria dioica), Sumpf-Herzblatt  (Parnassia palustris), Fransen- und Deutschen Enzian (Gentianopsis ciliata und Gentianella germanica), Silberdistel (Carlina acaulis) undundund bietet. Die Riemenzungen feierten denn auch ein rauschendes Fest mit unterschiedlichsten Typen, von grünen Blüten mit fein ziselierten Lippen bis zu stark ausgefärbten Exemplaren mit sehr langen Lappen – zwischen diesen Polen waren sämtliche Formen zu finden. Die Population hat inzwischen beinahe die Hochfläche des Berges erreicht, und in einer der Wacholderheide benachbarten Streuobstwiese fühlen sich ebenfalls einige Exemplare wohl. Dabei entstehen bemerkenswerte Pflanzengesellschaften – die eigenwillig duftende Orchidee wächst hier zusammen mit Türkenbund (Lilium martagon) und Deutschem Ziest (Stachys germanica):

Die Spinnen-Ragwurz war zu diesem Zeitpunkt in diesem Biotop überall verblüht, die Pflanzen hatten bereits (spärlich) Früchte angesetzt. Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) zeigte sich dagegen in einigen Exemplaren in schönster Blüte. Auch bei ihr lohnt ein genauerer Blick, denn was aus der Ferne als leuchtende Farbklekse ins Auge springt, sind bei näherem Hinsehen individuelle Blütengesichtlein.

Am Standort des Frauenschuh schien uns zunächst eine Enttäuschung zu erwarten: Die ersten Exemplare, derer wir angesichtig wurden, waren allesamt verblüht – doch dann entschädigte uns eine schöne Gruppe mit makellosen Blüten. Die wechselnden Wetterverhältnisse zwischen leichtem Regen und plötzlichem Sonnenschein verzauberten den Ort zusätzlich und entschädigten Spaziergänger und Fotograf für nicht unbedingt ideale Bedingungen.

Der bis dato letzte Exkurs führte mich wieder in die Umgebung von Reichenbach i. T. Auf dem Weg zu den Orchideen, die dort wohnen, begegnete  ich weiteren Schönheiten der Natur: Am Waldesrand blühten wunderbar Akeleien (Aquilegia vulgaris), die Buchen (Fagus sylvatica) fruchteten schon üppig, der Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) verzauberte die Wiesen mit seinen Fruchtständen, mancherorts streckten die Herbszeitlosen (Colchicum autumnale) das Ergebnis ihrer Blühbemühungen der Reife entgegen, Vogelwicken (Vicia cracca) bildeten verschwenderische Dickichte voller violetter Blüten und die Rosen-Gallwespe (Diplolepis rosae) hatte einige Rosen mit Rosenäpfeln geschmückt.

Auf den Wacholderheiden  standen Pyramidenorchis sowohl knospig als auch in Hochblüte, die Fliegen-Ragwurz blühte in Höchstform, Helm-Knabenkräuter bildeten an einigen Stellen starke Gruppen, ebenso das unauffällige Zweiblatt (Neottia ovata); das Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) zeigte noch vereinzelt letzte Blüten an den schon weit entwickelten Fruchtständen und in einer Ecke fanden sich tatsächlich noch drei Spinnen-Ragwurzen, von Wacholderbüschen teilzeitig beschattet, in schönster Hochblüte. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) streckte ihre wunderbaren Blüten ebenfalls der Sonne entgegen, leider konnte ich aber nicht so viele Exemplare wie in vergangenen Jahren ausmachen.

Soweit also die Ereignisse im Mai; in der Hoffnung, Ihnen wenigstens im anstehenden Juli mehr Aktuelles aus der Region bieten zu können, wünsche Ich Ihnen viel Spaß mit den neuen Bildern bei den entsprechenden Arten.

Frühaufsteher

April 18, 2011

Der Tatzenkäfer (Timarcha tenebricosa), werter Besucher,

ist ein Frühaufsteher unter den Kerbtieren. Schon bald im Jahr findet man ihn in den sonnigen Halbtrocken- und Trockenrasen der Region. In der abwechslungsreichen Kulturlandschaft wie auf dem folgenden Bild mit Gebüschen, Wacholderheiden, Wäldern und Felsen ist er nicht selten zu beobachten, wie er gemächlich über den frühlingswarmen Boden krabbelt.

Auch unsere beiden Spinnen-Ragwurzen (Ophrys araneola und sphegodes) sind jedes Jahr früh dran. Selten aber haben sie in den letzten Jahren schon Mitte April so eifrig mit der Blüte begonnen wie heuer. An ihrem Wohnort in Bad Ditzenbach stehen einige Pflanzen schon prächtig in Blüte, während andere gerade die ersten Blüten öffnen und einige auch noch komplett knospig stehen – auch hier sind derzeit alle Phasen des Erblühens bei den beiden Spinnen eindrucksvoll zu sehen.

Die Kreuzungen von Purpur- und Helmknabenkraut treiben ihre eindrucksvollen Rosetten der Sonne entgegen und auch die Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conpsea) hat schon kräftige, frische Büschel grüner Blätter gebildet. Die Hummel-Ragwurz (Ohrys holoserica) lässt bereits das Hüllblatt erkennen, das den Blütenstand noch vor den Einflüssen von Wind und Wetter schützt – alles in allem scheinen unsere Orchideen dieses Jahr gut zwei Wochen früher blühen zu wollen als im langjährigen Durchschnitt. Und das Wetter soll weiterhin sonnig und zunehmend wärmer sein in den nächsten Tagen. Die Spannung steigt, was sich bis zum Oster-Wochende alles getan hat!

Viel Spaß mit den neuen Bildern, die Sie wie immer bei den angesprochenen Arten sehen können.

Orchideen kreuz und quer

Mai 12, 2010

Geneigter Leser,

selbst alte Hasen vermag die Natur immer wieder zu überraschen. Ich meine damit nicht mich, sondern einen Herrn gesetzteren Alters, den ich am 8. Mai in einer Wacholderheide bei Bad Ditzenbach getroffen hatte. Er erzählte mir von einem Standort auf der Alb-Hochfläche, direkt am Trauf, wo ein herrlicher Bestand von Blassem Knabenkraut (Orchis pallens), durchsetzt mit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula) und den Kreuzungen der beiden (Orchis x haussknechtii) zu bewundern sei – und fügte hinzu, dass er so etwas im Lauf der Jahrzehnte, die er schon „in die Orchideen gehe” noch nicht erlebt habe. Einen Hinweis auf dieses Biotop hatte ich zuvor auch schon von Dr. Werner Spengler erhalten – also machte ich mich an den Aufstieg und fand das kleine Paradies. Die beiden Herren hatten nicht übertrieben; ein wundervolles Plätzchen tat sich auf, mit über 100 Orchis pallens und vielen Hybriden derselben mit Orchis mascula. Dieser herrliche Anblick ließ das trübe Wetter schnell vergessen. Bilder finden Sie auf der Orchis x hausknechtii-Seite unter der neuen Rubrik Orchideen-Hybriden.

Zuvor hatten mich die vielen Spinnen-Ragwurzen (Ophrys sphegodes) und Kleinen Spinnen-Ragwurzen (Ophrys araneola) im Trockenrasen am Hang entzückt – es macht jedes Mal viel Spaß, den verschiedenen Individuen in ihre Blüten zu schauen und die Variabilität zu bewundern. Die atemberaubenden Ausblicke auf die blühenden Apfelbäume krönten diese Exkursion zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Tag darauf, Sonntag 9. Mai, spazierte ich mit meinem Bruder Dominik dann bei Reichenbach i. T. über die Heide. Auch hier waren viele Spinnen-Ragwurzen zu sehen. Zu Beginn unseres Streifzuges fanden wir diese Nachzügler-Blüte einer Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris);

auch in der Natur kommt scheinbar manchmal jemand zu spät, denn ihre Artgenossen hatte allesamt schon ihre wunderbar duftigen Fruchtstände gebildet. Neben den Ragwurzen war allenthalben sprießendes Orchideen-Leben zu entdecken: Die austreibenden Blätter der Händelwurzen, knospige Helm-Knabenkräuter, erste Blüten der Fliegen-Ragwurz und Manns-Knabenkraut in Hochblüte. Die Krönung des Tages war die Kreuzung von Spinnen- und Fliegen-Ragwurz, die wir Dank des Hinweises von Dr. Spengler bewundern durften. Ja, jetzt ist der Orchideen-Frühling da – auch wenn das Wetter aus Menschensicht noch nicht unbedingt mittun will.

Viel Freude mit den neuen Foto-Eindrücken aus der Region!

Duftendes Reich des Frauenschuh

Mai 18, 2009

linie2

Werter Pflanzenfreund,

cypripedium

das Wetter spielte halbwegs mit (auch wenn wir den vormittäglichen Sonnenschein verpasst hatten) und so konnten Ute und ich eine erneute Audienz beim Frauenschuh ergattern. Was sich in den letzten Tagen getan hatte! Der schöne Horst der Pflanzen war beinahe vollständig erblüht und an dem Standort am Waldrand konnten wir noch weitere einzeln stehende Individuen entdecken. Wahrlich ein kleines zauberhaftes Paradies. Und nicht nur das Auge kam auf seine Kosten, auch der Geruchssinn wurde voll und ganz zufriedengestellt. Denn was aus den Pantoffeln von Cypripedium an olfaktorischer Labsal strömt, ist ähnlich unvergleichlich wie im Frühjahr der Duft des Seidelbasts! Auf dem Rückweg begegneten uns dann die ersten blühenden Riemenzungen, darunter etliche Prachtburschen von herrlich kräftigem Wuchs. Auch die Spinnen-Ragwurzen, die schon am Abblühen sind, finden sich auf der Wacholderheide bei Unterböhringen in großer Zahl.

Nachdem uns also die Kaiserin so wohlwollend empfangen und wieder entlassen hatte, ging es noch auf die Wacholderheide nach Bad Ditzenbach – und auch dort war einiges passiert. Das Purpur– und Helm-Knabenkraut standen wunderbar in Blüte, auch die Infloreszens der Kreuzung der beiden hatte sich aus seinem Hüllblatt geschoben und die unteren Blüten geöffnet. Fliegen-Ragwurz fand sich in Hülle und Fülle, schön blühend, die ersten Hummel-Ragwurz zeigten ihre entzückenden Blüten und als wir noch einen bisher von uns unbegangen Weg erkundeten, konnten wir uns über die Masse an beiderlei Spinnen-Ragwurzen nur wundern. Als Dreingabe waren auch hier noch einige knospige Himantoglossum zu entdecken.

Um den Tag vollends abzurunden, besuchten wir noch eine herrliche Feuchtwiese an einem Talhang bei Nenningen. Es ist in der Tat ein unvergleichliches Erlebnis, ein solches Biotop erleben zu dürfen, und das auch noch in einer für unsere Verhältnisse ungewöhnlichen Größe. Das Wollgras wogte seine flauschigen Schöpfe im Wind und hunderte Breitblättrige Knabenkräuter standen im von ihnen geliebten feuchten bis nassen Grund. Obwohl inzwischen die Dämmerung eingesetzt hatte, habe ich dennoch einige Aufnahmen gemacht.

Wie üblich finden Sie die Bilder dieses überaus erlebnisreichen und wunderschönen Tages auf den entsprechenden Seiten.

Die Spinnen sind da!

Mai 14, 2009

linie2

Der Fruchtstand der Silberdistel, geneigter Leser,

carlinaq

kündet noch von der Blüte des Vorjahres. Bis Carlina neue Blüten treibt, gehen noch ein paar Wochen ins Land. Anders sieht es da bei den beiden Spinnen-Ragwurzen aus: Ophrys sphegodes und ihre kleine Schwester Ophrys araneola stehen in schönster Blüte in der Region. Es macht viel Freude, die Individuen zu untersuchen und die Unterschiede in Lippenform und -zeichnung anzusehen. Leider ist das Wetter nach wie vor regnerisch und seit einer Woche macht sich die Sonne sehr rar. Trotzdem sind einige schöne Bilder entstanden, von Standorten, die ich erstmals seit einigen Jahren wieder aufgesucht habe und von solchen, wo ich noch nie gewesen bin. Es gibt jedes Jahr Neues zu entdecken im Fils- und Lautertal, und unsere Expeditionen führen uns an traumhaft schöne Orte – nicht nur, was die Flora betrifft, auch die Tier- und Pilzwelt ist unglaublich vielfältig und interessant. Ganz zu schweigen von der Landschaft: Es sind völlig neue Eindrücke, die das „Sauwetter“ vermittelt, wenn tiefhängende schwarze Wolken gleichsam an die Felsen stoßen und Nebelfetzen bergaufwärts rasen. Da spielt es auch keine Rolle, nass bis auf die Knochen kilometerweit zum Auto zurückzuwandern – die elementare Erfahrung ist das allemal wert.

Bilder der beiden Spinnen und von Manns-Knabenkraut, erste Fliegen-Ragwurz– und Purpur-Orchis-Fotos und Austriebe der Riemenzunge finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Ein Fest mit vielen Beteiligten

Mai 28, 2008

In der Tat, werter Besucher,

unsere Orchideen scheinen dieses Jahr ein wahres Blüten-Feuerwerk abgehen zu lassen. Nach einem Tipp von Herrn Zelesny (www.orchis.de) machte ich mich mit Ralf auf nach Bad Ditzenbach. Dort überschlugen sich die Blüten-Ereignisse: Hummel-Ragwurz die Fülle in allerlei Variationen, zwei Nachzügler-Blüten der Kleinen Spinnen-Ragwurz, Fliegen-Ragwurz, Helm- und Purpur-Knabenkraut (größtenteils schon verblüht, aber das nächste Orchideen-Jahr kommt so sicher wie Weihnachten) und ein wahres Heterosis-Schulbeispiel einer Hybride aus Helm- und Purpur-Knabenkraut (Bilder von diesem Riesen finden Sie auf der Orchis militaris-Seite). Die ersten blühenden Spitzorchis, ideales Wetter zum Fotografieren – fürwahr ein Festtag. Den haben wir bei Deggingen eingeläutet mit Fleischfarbenem Knabenkraut, Waldhyazinthe und Großem Zweiblatt…auf den entsprechenden Seiten finden Sie die Fotodokumente. Viel Spaß beim Anschauen der Bilder!