Posts Tagged ‘Purpur-Knabenkraut’

Neues Jahr – vergangene Blüten

Januar 1, 2015

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10-Mai-Bläuling
Lieber Naturfreund,

es ist schon eine Weile her, dass die Bläulinge sich mit den Mineralien aus der Hinterlassenschaft eines Kleinsäugers gestärkt haben. Auch die Orchideenblüte der Saison 2014 gehört der Vergangenheit an; leider war es mir zeitlich nicht möglich, die Eindrücke der zurückliegenden Orchideensaison aktuell zu präsentieren – ich halte den Jahreswechsel daher für einen geeigneten Zeitpunkt, auf die Blütenpracht des vergangenen Jahres zurückzublicken.

Nach dem milden Winter war die Pflanzenwelt allgemein früh gewillt, ihre Blumen der Sonne entgegenzustrecken. So blühte bereits Ende April der Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) bei Geislingen…

25-April-Lithospermum purpurocaeruleum

…und die Hausener Wand schmückte sich bald im Jahr mit Berg-Steinkraut (Alyssum montanum) und zartem Laub.

27-April-Alyssum montanum-2

27-April-Alyssum montanum-4

27-April-Hausener Wand

27-April-Hausener Wand-3

27-April-Hausener Wand-4

Ebenfalls sehr zeitig in Blüte war die Hohlzunge (Dactylorhiza viridis). Bereits am 26. April 2014 hatten Freund Christian und ich bei Nenningen auf einer kleinen Waldwiese einige Exemplare entdeckt, interessanterweise ein Standort, von dem ich Hinweise schon aus den 1970er-Jahren hatte.

Mit Verstärkung von Bruder Dominik konnten wir dann am 4. Mai an die 30 Exemplare ausfindig machen. Das war fürwahr ein früher Höhepunkt der Saison, auch weil die malerische Gegend um Nenningen viele weitere, nicht nur florale Sehenswürdigkeiten bietet, wie beispielsweise die Reiterleskapelle oder die Ruinen von Burg Granegg.

Reiterleskapelle

4-Mai-Granegg

Begrüßt von einer Ziegenherde steuerten wir am selben Tag dann einen Standort bei Degenfeld an, von dem ich ebenfalls Hinweise auf die Hohlzunge erhalten hatte.

4-Mai-Goißa

Nach steilem Aufstieg wurden wir in dieser Hinsicht zwar nicht fündig, wurden dafür aber reichlich entschädigt: Das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) stand auf dem Berg bereits in herrlicher Blüte und beim Abstieg zurück in das liebliche Degenfeld durften wir am steilen heißen Hang die olfaktorischen und optischen Reize der Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) genießen. Die Wiesen am Hangfuß verzauberten uns schlussendlich mit einer Blütenpracht, an der vor allem der „Guggigei“ (Bocksbart) den Hauptanteil hatte.

4-Mai-Guggigai-2

4-Mai-Guggigai-3

Der Mai brachte, sobald es die Zeit zuließ, ein herrliches Erlebnis nach dem anderen. Frauenschuh (Cypripedium calceolus) leuchtete in der Monatsmitte im lichten Schatten bei Unterböhringen, um Pfingsten dann auch auf der Hochfläche unserer wunderschönen Alb bei Luizhausen, hier in Gemeinschaft mit der Grünlichen Waldhyazinthe (Platanthera chlorantha). Riemenzunge, Helm-Knabenkraut, Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) und Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) in starken Populationen oder Einzel-Exemplaren – der Wonnemonat brannte ein wahres Feuerwerk ab. Und das nicht nur im Hinblick auf die Orchideen, sondern auch auf weitere Besonderheiten wie rosa blühenden Wiesensalbei oder Sommerwurzen.

10-Mai-Salvia pratensis rosea

15-Mai-Orobanche-1

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Hervorzuheben ist für 2014 der Ohnsporn (Orchis antropophora). Scheinbar bestätigt sich die letztjährige Vermutung, dass er eine ähnliche Entwicklung in der Region einschlagen will wie die Riemenzunge vor 30 Jahren: Er scheint sich bei uns neues Terrain zu erobern – vielleicht ausgehend von einer stabil erscheinenden Population von rund 30 Individuen bei Deggingen. Auf einen Hinweis eines Wiesensteiger Naturkenners durfte ich das herrliche Biotop dieses Jahr erstmals erleben und war begeistert nicht nur von den schlanken Puppenorchideen, sondern auch von der Masse an Fliegen-Ragwurzen in dem Biotop. Bei Reichenbach i. T., wo ich letztes Jahr ein Exemplar des Ohnsporns bewundern durfte, fand ich heuer schon zwei – und bestimmt sind im weitläufigen Gelände noch weitere vorhanden. Darüberhinaus konnte ich ein fruchtendes Exemplar bei Wiesensteig finden.

Schön geblüht haben in 2014 das Schwertblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea), wovon ich mich auf einem Spaziergang am 17. Mai rund um Deggingen überzeugen durfte, der darüberhinaus auch wundervolle landschaftliche Eindrücke bot, wie beispielsweise blühende Salbeiwiesen oder den Blick auf die Ruine Hiltenburg bei Bad Ditzenbach.

17-Mai-Salvia pratensis

17-Mai-Hiltenburg

Immer wieder zog es mich in das herrliche Obere Filstal und seine Seitentälchen, wo sich die Wiesen und Heiden an pflanzlichem Schmuck in der zweiten Mai-Hälfte gegenseitig überbieten wollten. Während die Küchenschellen (Pulsatilla vulgaris) schon ihre silbrigen Früchte präsentierten…

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-1

18-Mai-Pulsatilla vulgaris-2

…standen die Frühsommerblüher im schönsten Blumenschmuck: Akelei (Aquilegia vulgaris), Katzenpfötchen (Antennaria dioica) und sogar die Kleine Wachsblume (Cerinthe minor), von der keiner weiß, wie sie in eine Wacholderheide bei Reichenbach i. T. gelangt ist, die aber dort schon seit Jahrzehnten immer wieder in reichlichem Bestand zur Blüte kommt, sind köstlichste Zierden unserer heimischen Natur.

20-Mai-Aquilegia vulgaris-1

24-Mai-Antennaria dioica-1

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20-Mai-Cerinthe minor-1

20-Mai-Cerinthe minor-2

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20-Mai-Cerinthe minor-4

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Davon profitiert auch die Fauna:

20-Mai-Hase

Unsere Orchideen trugen eifrig ihren Teil zu dieser Pracht bei: Das Große Zweiblatt (Neottia ovata), die Nestwurz (Neottia nidus-avis) oder das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza fuchsii) zeigten sich von ihren besten Blütenseiten. Ihnen folgten im Juni Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) in Massen, Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) – auch langgeöhrt (var. aurita) – und die großartige Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis).

Letztere bot im vergangenen Jahr wieder einmal ein unvergessliches Schauspiel, vor allem auf einem Mähder bei Mühlhausen i. T. Durch Zufall kam ich dort vorbei und war beeindruckt von der eigenartigen Ausstrahlung dieser alten Wiesenwirtschaftsform, die leider nur noch in sehr seltenen Resten erhalten ist: Aus dem hüfthohen, schon fruchtenden Gras der Wiese lugten einige hundert der weithin leuchtenden Blütenstände hervor; die Pyramidenorchis allein streute noch Farbe in das Wiesenbraun. Die Vielfalt der Blütenformen und -farben war beeindruckend, Formen mit ungeteilter Lippe, langgestreckte Blütenstände, Farben im typischen knalligen Magenta, aber auch in verschiedenen Rosatönen und ein Blütenstand in Lachsrosa waren zu finden – fürwahr ein kleines Paradies, das ich dort erleben durfte.

Begleitet von weiteren botanischen Besonderheiten wie dem Gelben Enzian (Gentiana lutea),…

15-Juni-gentiana lutea-1-wiesensteig

15-Juni-gentiana lutea-2-wiesensteig

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15-Juni-gentiana lutea-4-wiesensteig

…in Hochblüte am 15. Juni bei Wiesensteig,…

3-Juli-Gentiana lutea-1

3-Juli-Gentiana lutea-2

…fruchtend am 3. Juli 2014 bei Mühlhausen i. T., ging meine Orchideensaison mit der Blüte von Echter Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Braunroter Stendelwurz (Epipactis atrorubens) langsam zu Ende. Erfreulicherweise hatten die Stendelwurzen letztes Jahr nicht so stark unter Dürre und Läusen zu leiden wie anno 2013 und gelangten daher auch zur Blüte.

Noch nicht ganz zu Ende war jedoch die Reihe botanischer Erlebnisse abseits der Orchideen, sah ich doch 2014 im August erstmals den Jura-Streifenfarn (Asplenium fontanum), der deutschlandweit nur in unserer Gegend bei Geislingen/Steige und Bad-Überkingen – Hausen autochthone Vorkommen hat und schattige, aber warme Felsen bewohnt.

August-Asplenium fontanum-FREI

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Bleibt mir, Ihnen viel Freude mit den Aufnahmen der vergangenen Saison und uns ein blütenreiches Jahr 2015 zu wünschen!

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Purpur-Traum

Juni 10, 2013

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Verehrter Naturfreund,

05-06-2013-Artikel

nach dem tagelangen Dauerregen und dem Hochwasser-Wochenende mit Überschwemmungen herrscht mittlerweile angenehmes Frühsommerwetter in der Region. So dürfte die Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) bald in Blüte stehen, wie sie es mancherorts bereits tut. Nach dem annähernden Totalausfall des letzten Jahres sind heuer erfreulich viele Blütentriebe festzustellen.

Flora feiert derzeit ein rauschendes Fest, die extensiver genutzten Mähwiesen schmücken sich mit Salbei, Margeriten, Esparsetten und vielen anderen Blüten, so dass großartige bunte Teppiche zu bewundern sind.

05-06-2013-blumige wies-2a

05-06-2013-blumige wies

Die  Heiden werden vom Hornklee in wogende gelbe Meere verwandelt:

05-06-2013-aspekt biotop

Und die Orchideen schreiben Kapitel um Kapitel von Blütenreichtum und Lebensfreude in ihre diesjährige Chronik. Ein besonders bemerkenswertes verfasst das Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea). Eine kleine Exkursion bei Deggingen bescherte mir die Begegnung mit sage und schreibe zehn blühenden Exemplaren; so wurde binnen Stundenfrist die Anzahl der Individuen, die ich bis dato in meinem Leben in der Region bewundern durfte, verdreifacht!  Scheinbar hat auch dieser prächtigen Orchideen-Art das Wetter der letzten Monate gut getan, außerdem scheint sie von den Pflegemaßnahmen profitiert zu haben, die in Teilen des großen Wacholderheidegebiets durchgeführt worden sind; einige Exemplare waren nämlich auf kürzlich von Gehölzaufwuchs freigeräumten Flächen anzutreffen. Vier Pflanzen hatten sich beinahe in einem Wacholderbusch versteckt –  diesen Zufallsfund verdankte ich der Benutzung eines schmalen Pfades, den ich eigentlich als Abkürzung gewählt hatte, um den Bus heimwärts noch zu erreichen. Es schadet also tatsächlich nicht, auch einmal ausgetretene Pfade zu verlassen.

Auch wunderbar anzusehen ist, was die Ragwurzen dieses Jahr treiben: Nach dem furiosen Auftakt durch die Spinnen- und Kleine Spinnen-Ragwurz (Ophrys sphegodes und araneola), die immer noch schöne Blüten zeigen (letztere allerdings nur noch vereinzelt) haben sich nun auch Fliegen- und Hummel-Ragwurz (Ophrys insectifera und holoserica) mit ihren Blumen hinzugesellt; die Wacholderheide bei Bad Ditzenbach, die dieses unvergleichliche Schauspiel offenbart, bietet geradezu ein Lehrstück über die heimischen Ophrys-Arten, gesellen sich doch noch die Hybriden von Hummel- und Spinnen-Ragwurz (Ophrys x obscura), Hummel- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis) und Hummel- und Kleiner Spinnen-Ragwurz (Ophrys x pulchra) hinzu. Ein solches Fleckchen Erde ist eine wahre Wonne, zumal hier auch noch Helm-Knabenkräuter (Orchis militaris) die Menge wachsen, begleitet von ihren Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida); außerdem sind schon die Knospen der Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), erste blühende Zweiblätter (Neottia ovata) sowie die Austriebe von Pyramiden-Orchis (Anacamptis pyramidalis) und Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) zu entdecken.

Bleibt zu sagen, dass sich die außergewöhnlich reiche Blüte bei unseren floralen Kleinodien nach dem verheißungsvollen Beginn auch bei den später blühenden Arten fortzusetzen scheint. Man darf also weiterhin gespannt bleiben und auf schöne Überraschungen hoffen…

Ihnen wünsche ich viel Freude mit den neuen Eindrücken in den Sparten Ophrys holoserica, Ophrys insectifera, Ophrys x devenensis, Ophrys x obscura , Ophrys x pulchra, Orchis purpurea, Orchis militaris, Orchis x hybrida.

Angesengte Wiese, spinnenfeine Heide

Mai 23, 2013

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Der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger),
lieber Besucher,

10-5-2013-Limax cinereoniger-Schwarzer Schnegel

fühlt sich bei der derzeit herrschenden nass-kühlen Witterung pudelwohl. Auch unsere Orchideen scheinen vom klimatischen Verlauf von Winter und Frühling zu profitieren: Nach der Blütenexplosion des Blassen Knabenkrauts (Orchis pallens) zeigen derzeit Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), seine Hybriden mit der gelben Schwester (Orchis x haussknechtii), Kleine und Große Spinnen-Ragwurz (Ophrys araneola und sphegodes), Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ihre Infloreszensen in einer Pracht und Anzahl, dass dem Betrachter das Herz aufgeht. Es scheint sich zu bestätigen, dass heuer ein außergewöhnlich gutes Orchideenjahr ins Land gezogen ist.

Dolycoris baccarum Beerenwanze

Auf der Wiese der Narren bei Reichenbach u. R. hat Exkursionsfreund Timo und mich am 15. Mai 2013 eine Beerenwanze (Dolycoris baccarum) bei der Ankunft begrüßt. Die Kleinen Knabenkräuter (Anacamptis morio) hatten ihren Blütenhöhepunkt erreicht, größtenteils schon überschritten.

15-Mai-2013-A-morio

15-Mai-2013-A-morio-2

Unser eigentliches Ziel waren aber die Blütenstände des Brand-Knabenkrauts; nach einem sehr netten Telefonat mit Herrn Nickl aus Süßen, der nach 30 Jahren heuer wieder die schönen Zwerge fotografiert hat und mich auf ihre aktuelle Blüte hingewiesen hatte, machten wir uns auf und wurden aufs Angenehmste überrascht: Über 20 Infloreszensen konnten wir in der herrlichen Bergwiese ausmachen, und es ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Pflanzen blühenderweise im hohen Gras der Sonne entgegenreckten, denn die Schönheiten sind ob ihrer Winzigkeit nicht leicht auszumachen. Eine solche Anzahl habe ich in den vielen Jahren meiner Besuche noch nicht zu Gesicht bekommen!

Drei Tage später wurden Freund Christian und ich von der Blüte unserer beiden Spinnen-Ragwurzen bei Bad Ditzenbach überwältigt. Dutzende Exemplare der Kleinen und Großen lachten mit ihren Blumen in die Sonne; äußerst kräftige Pflanzen schmückten sich mit bis zu 15 Blüten, prächtige Gruppen waren zu sehen, zum Teil waren die Blütenstände voll erblüht, andere zeigten sich noch ganz am Anfang ihrer Entfaltung. Es ist derzeit eine Freude, die Unterschiedlichkeit der Individuen zu studieren, denn auch die Spinnen zeigen eine außergewöhnlich reiche Blüte. Als Sahnehäubchen hatte das Helm-Knabenkraut mit der Blüte begonnen, ebenso seine Hybriden mit dem Purpur-Knabenkraut (Orchis x hybrida) und eine Hummel-Fliegen-Kreuzung (Ophrys x devenensis).

18-5-2013-o-sphegodes-x-insectifera

Auch die Fliegen– und Hummel-Ragwurz (Orchis insectifera und holoserica) schicken sich an, in die Blütensymphonie mit einzustimmen. Aus einem durch einen Zaun abgetrennten Bereich der Heide  leuchtete weithin sichtbar das Manns-Knabenkraut in einer starken Gruppe. Beim Verlassen des Biotops waren wir beinahe sprachlos ob der geschauten Pracht.

Schon in der Gegend, beschlossen wir, dem wunderbaren Biotop oberhalb des Kurortes noch einen Besuch abzustatten. Esche (Fraxinus excelsior) und Traubeneiche (Quercus petraea) hießen uns mit schön gefärbten Blattaustrieben willkommen, auf der Heide stand die Vielblütige Weißwurz (Polygonatum multiflorum) kurz vor dem Erblühen, der Mairitterling (Calocybe gambosa) zierte mit seinen Fruchtkörpern den sonnigen Gehölzrand.

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18-5-2013-eiche

18-5-2013-Vielblütige Weißwurz-Polygonatum multiflorum

Calocybe gambosa-Mairitterling

Der weitere Weg belohnte uns mit einer überwältigenden Aussicht ins Obere Filstal,

18-5-2013-oberes filstal

bevor wir schließlich unser Ziel erreichten: Die Heideecke, die zu Monatsbeginn noch dem Blütenrausch des Blassen Knabenkrauts vorbehalten war, zeigte jetzt eine verschwenderische Fülle von Manns-Knabenkraut in Hochblüte, Blassem Knabenkraut im Abblühen und eine Vielzahl von Hybriden der beiden. Das Farbenspiel im Wechsel von Sonne und Wolken war einfach unbeschreiblich.

Am 20. Mai 2013 schließlich durfte ich in Begleitung von Alix und Barillo die Herrlichkeit der Knabenkraut-Blüte bei Nenningen bewundern; auf dem Weg zur Feuchtwiese im hintersten Winkel des Seitentals der Lauter wartete eine Überraschung: Im Randbereich eines Fichtenforsts (!) zeigte sich ein knospiges Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) kurz vor dem Aufblühen! Das ist in der Tat ein bemerkenswerter Standort für einen Bewohner des lichten Schattens. Auf der Feuchtwiese war dann das Breitblättrige Knabenkraut zu bewundern – im Sonnenschein, nachdem uns auf dem Weg Schauer und Donner begleitet hatten.

Sie sehen, werter Naturfreund, dass sich in der Region derzeit vieles tut, was unsere heimische Orchideen und die Flora überhaupt anbelangt – und das bei dem ungewöhnlich nassen und kalten Maienwetter. Glücklicherweise war uns auf allen Exkursionen die Sonne zumindest teilweise hold; ich wünsche Ihnen daher viel Vergnügen mit den neuen Fotos in den Rubriken Neotinea ustulata, Ophrys araneola, Ophrys sphegodes, Orchis mascula, Orchis militaris, Orchis purpurea und Dactylorhiza majalis.

Überraschungen am Abend

Mai 20, 2009

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Eigentlich, werter Besucher,

wollten wir nur kurz nach dem Fleischfarbenen Knabenkraut bei Deggingen schauen. An der feuchten Stelle im Halbtrockenrasen fanden wir es auch – leider nur in einem Exemplar; dessen Blütenstand war noch winzig und grün zwischen den Blättern versteckt. So beschlossen Ute und ich kurzerhand, die anschließende Wacholderheide zu erkunden – und wurden üppigst entlohnt: Spinnen-Ragwurz in großer Zahl und schöne Helm-Knabenkräuter (auch Albinos!) wuchsen dort. Ein entzückendes Purpur-Knabenkraut zeigte sich direkt am Wegesrand und zwei wunderbare Spinne-Hummel-Ragwurz-Kreuzungen leuchteten in der Abendsonne. Am Waldrand fand sich ein schöner Bestand von Schwertblättrigem Waldvögelein und gleich nebenan im Wald hatte das Bleiche Waldvögelein den warmen und sonnigen Tag genutzt, um die Blüten weit zu öffnen.

Dieses Jahr scheint eine ergiebige Orchideen-Saison zu bringen. Und so darf man gespannt sein, welche Überraschungen die nächsten Wochen noch bescheren mögen!

Duftendes Reich des Frauenschuh

Mai 18, 2009

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Werter Pflanzenfreund,

cypripedium

das Wetter spielte halbwegs mit (auch wenn wir den vormittäglichen Sonnenschein verpasst hatten) und so konnten Ute und ich eine erneute Audienz beim Frauenschuh ergattern. Was sich in den letzten Tagen getan hatte! Der schöne Horst der Pflanzen war beinahe vollständig erblüht und an dem Standort am Waldrand konnten wir noch weitere einzeln stehende Individuen entdecken. Wahrlich ein kleines zauberhaftes Paradies. Und nicht nur das Auge kam auf seine Kosten, auch der Geruchssinn wurde voll und ganz zufriedengestellt. Denn was aus den Pantoffeln von Cypripedium an olfaktorischer Labsal strömt, ist ähnlich unvergleichlich wie im Frühjahr der Duft des Seidelbasts! Auf dem Rückweg begegneten uns dann die ersten blühenden Riemenzungen, darunter etliche Prachtburschen von herrlich kräftigem Wuchs. Auch die Spinnen-Ragwurzen, die schon am Abblühen sind, finden sich auf der Wacholderheide bei Unterböhringen in großer Zahl.

Nachdem uns also die Kaiserin so wohlwollend empfangen und wieder entlassen hatte, ging es noch auf die Wacholderheide nach Bad Ditzenbach – und auch dort war einiges passiert. Das Purpur– und Helm-Knabenkraut standen wunderbar in Blüte, auch die Infloreszens der Kreuzung der beiden hatte sich aus seinem Hüllblatt geschoben und die unteren Blüten geöffnet. Fliegen-Ragwurz fand sich in Hülle und Fülle, schön blühend, die ersten Hummel-Ragwurz zeigten ihre entzückenden Blüten und als wir noch einen bisher von uns unbegangen Weg erkundeten, konnten wir uns über die Masse an beiderlei Spinnen-Ragwurzen nur wundern. Als Dreingabe waren auch hier noch einige knospige Himantoglossum zu entdecken.

Um den Tag vollends abzurunden, besuchten wir noch eine herrliche Feuchtwiese an einem Talhang bei Nenningen. Es ist in der Tat ein unvergleichliches Erlebnis, ein solches Biotop erleben zu dürfen, und das auch noch in einer für unsere Verhältnisse ungewöhnlichen Größe. Das Wollgras wogte seine flauschigen Schöpfe im Wind und hunderte Breitblättrige Knabenkräuter standen im von ihnen geliebten feuchten bis nassen Grund. Obwohl inzwischen die Dämmerung eingesetzt hatte, habe ich dennoch einige Aufnahmen gemacht.

Wie üblich finden Sie die Bilder dieses überaus erlebnisreichen und wunderschönen Tages auf den entsprechenden Seiten.

Die Spinnen sind da!

Mai 14, 2009

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Der Fruchtstand der Silberdistel, geneigter Leser,

carlinaq

kündet noch von der Blüte des Vorjahres. Bis Carlina neue Blüten treibt, gehen noch ein paar Wochen ins Land. Anders sieht es da bei den beiden Spinnen-Ragwurzen aus: Ophrys sphegodes und ihre kleine Schwester Ophrys araneola stehen in schönster Blüte in der Region. Es macht viel Freude, die Individuen zu untersuchen und die Unterschiede in Lippenform und -zeichnung anzusehen. Leider ist das Wetter nach wie vor regnerisch und seit einer Woche macht sich die Sonne sehr rar. Trotzdem sind einige schöne Bilder entstanden, von Standorten, die ich erstmals seit einigen Jahren wieder aufgesucht habe und von solchen, wo ich noch nie gewesen bin. Es gibt jedes Jahr Neues zu entdecken im Fils- und Lautertal, und unsere Expeditionen führen uns an traumhaft schöne Orte – nicht nur, was die Flora betrifft, auch die Tier- und Pilzwelt ist unglaublich vielfältig und interessant. Ganz zu schweigen von der Landschaft: Es sind völlig neue Eindrücke, die das „Sauwetter“ vermittelt, wenn tiefhängende schwarze Wolken gleichsam an die Felsen stoßen und Nebelfetzen bergaufwärts rasen. Da spielt es auch keine Rolle, nass bis auf die Knochen kilometerweit zum Auto zurückzuwandern – die elementare Erfahrung ist das allemal wert.

Bilder der beiden Spinnen und von Manns-Knabenkraut, erste Fliegen-Ragwurz– und Purpur-Orchis-Fotos und Austriebe der Riemenzunge finden Sie in den entsprechenden Rubriken.

Ein Fest mit vielen Beteiligten

Mai 28, 2008

In der Tat, werter Besucher,

unsere Orchideen scheinen dieses Jahr ein wahres Blüten-Feuerwerk abgehen zu lassen. Nach einem Tipp von Herrn Zelesny (www.orchis.de) machte ich mich mit Ralf auf nach Bad Ditzenbach. Dort überschlugen sich die Blüten-Ereignisse: Hummel-Ragwurz die Fülle in allerlei Variationen, zwei Nachzügler-Blüten der Kleinen Spinnen-Ragwurz, Fliegen-Ragwurz, Helm- und Purpur-Knabenkraut (größtenteils schon verblüht, aber das nächste Orchideen-Jahr kommt so sicher wie Weihnachten) und ein wahres Heterosis-Schulbeispiel einer Hybride aus Helm- und Purpur-Knabenkraut (Bilder von diesem Riesen finden Sie auf der Orchis militaris-Seite). Die ersten blühenden Spitzorchis, ideales Wetter zum Fotografieren – fürwahr ein Festtag. Den haben wir bei Deggingen eingeläutet mit Fleischfarbenem Knabenkraut, Waldhyazinthe und Großem Zweiblatt…auf den entsprechenden Seiten finden Sie die Fotodokumente. Viel Spaß beim Anschauen der Bilder!

Neues von der Riemenzunge

Mai 27, 2008

So, lieber Besucher,

die Riemenzunge hat begonnen, ihre Blüten zu öffnen. Prächtige Exemplare leuchten uns im Halbtrockenrasen entgegen. Leider war das Wetter am 25. Mai nicht ideal zum Fotografieren, aber einen Eindruck von der Schönheit dieser Pflanzen vermitteln die Bilder allemal. Wie auch jene von Hummel-Ragwurz, Bleichem Waldvögelein, Waldhyazinthe und nicht zuletzt Purpur-Knabenkraut, das nach Jahren an einem von mir verloren geglaubten Standort wieder mit zwei Exemplaren blüht.

Die günstige Wettervorhersage für die nächsten Tage spricht dafür, dass ich den Ralf sehr bald wieder durch die Natur ziehen werde und noch mehr schöne Fotos auf diesen Seiten zu finden sein werden…